Generalisierte Angststörung

Generalisierte Angststörung verstehen und behandeln in Salzkotten

Die Sorgen springen von Thema zu Thema und lassen sich kaum abstellen. Hier lesen Sie, was eine Generalisierte Angststörung ausmacht, was dabei in Gehirn und Körper geschieht und wie ich in meiner Praxis in Salzkotten damit arbeite.

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Junge Frau sitzt abends am Tisch, stützt den Kopf in die Hand und schaut sorgenvoll auf ihr Smartphone
Foto: @kevcostello / Unsplash

Kurz erklärt

Bei einer Generalisierten Angststörung (ICD-10-GM F41.1) bestehen anhaltende Sorgen und Anspannung, die nicht an eine bestimmte Situation gebunden sind. Ich arbeite mit der problemorientierten kognitiven Psychodiagnostik (PKP): an den Beschwerden selbst und an den Grundannahmen, die das Sorgen immer wieder in Gang setzen.

Es ist kurz nach elf. Der Sohn wollte um zehn zu Hause sein, das Handy zeigt keine Nachricht. Frau K. weiß, dass er schon oft zu spät kam. Trotzdem rechnet sie bereits durch, welche Straße er nehmen könnte und wo es nachts glatt ist. Als er um halb zwölf die Tür aufschließt, lässt die Anspannung kaum nach. Morgen ist das Gespräch mit der Vorgesetzten, und übermorgen der Termin beim Hausarzt.

So sieht der Alltag vieler Klientinnen und Klienten mit einer Generalisierten Angststörung aus. Die Sorge springt von Thema zu Thema. Sie hängt selten an einem einzelnen Anlass.

Was ist eine Generalisierte Angststörung?

Die ICD-⁠10-⁠GM des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte führt sie unter F41.1. Gemeint ist eine anhaltende Angst, die nicht an bestimmte Situationen gebunden ist. Fachleute nennen sie „frei flottierend“. Häufig kreisen die Befürchtungen darum, dass man selbst oder ein Angehöriger krank wird oder verunglückt.

Zum Bild gehören körperliche Zeichen: ständige Nervosität, Muskelverspannungen, Zittern, Schwitzen, Schwindel, Herzklopfen, Beschwerden im Oberbauch. Viele Menschen schlafen schlecht und können sich kaum konzentrieren. Für die Diagnose bestehen die Sorgen in der Regel seit mindestens sechs Monaten, an den meisten Tagen, und sie lassen sich kaum steuern.

Nach Schätzungen erhält etwa jeder zwanzigste Mensch im Laufe des Lebens diese Diagnose. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Der Beginn liegt meist im mittleren Erwachsenenalter.

Woran unterscheidet sie sich von anderen Ängsten?

Bei einer Panikstörung steht der plötzliche Angstanfall im Vordergrund, mehr dazu auf der Seite zu Ängsten und Panikattacken. Bei einer Phobie gibt es einen bestimmten Auslöser, etwa Spinnen oder enge Räume. Die Generalisierte Angststörung läuft leiser und länger. Sie fühlt sich für viele eher wie ein Grundrauschen an, das den ganzen Tag färbt.

Weil Herzklopfen, Magenbeschwerden oder Schwindel auch körperliche Ursachen haben können, steht am Anfang eine ärztliche Abklärung. Das gilt auch für eine Schilddrüsenüberfunktion oder die Wirkung von Medikamenten und Koffein.

Was passiert dabei im Gehirn und im Körper?

Angst ist zunächst ein sinnvolles Schutzsystem. Eine zentrale Rolle spielt die Amygdala, ein mandelförmiges Kerngebiet tief im Schläfenlappen. Sie prüft eingehende Signale darauf, ob sie bedrohlich sein könnten. Schlägt sie Alarm, setzt sie die Stressreaktion in Gang.

Der schnelle Weg läuft über das sympathische Nervensystem: Vom Hypothalamus gelangt das Signal über das Rückenmark zum Nebennierenmark, das Adrenalin und Noradrenalin ausschüttet. Der langsamere Weg ist die Stressachse aus Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse und Nebennierenrinde. Am Ende steht das Stresshormon Kortisol.

Im Körper ist das deutlich zu spüren. Atmung und Puls beschleunigen sich, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an. Verdauung und Sexualfunktionen werden zurückgefahren. Das erklärt Verspannungen, Zittern, Magenbeschwerden und Unruhe. Lässt die Bedrohung nach, beruhigt das parasympathische Nervensystem den Körper wieder.

Gebremst wird die Amygdala vom präfrontalen Kortex hinter der Stirn. Er bewertet, ob eine Lage bewältigbar ist, und reguliert die schnellen Angstreaktionen. Bei Angststörungen geraten diese Netzwerke nach heutigem Forschungsstand aus der Balance. Bei der Generalisierten Angststörung beschreiben Studien eine veränderte Aktivität in Bereichen des Stirnhirns, die für gedankliche Kontrolle zuständig sind.

Für die Arbeit in der Praxis ist ein Punkt entscheidend: Das Gehirn reagiert nicht auf die Lage selbst, sondern auf ihre Bewertung. Ein Gedanke wie „Es könnte etwas passiert sein“ reicht aus, um die Kette auszulösen. Genau an dieser Bewertung setzt die kognitive Arbeit an.

Warum hört das Sorgen nicht einfach auf?

Sorgen fühlt sich für viele Betroffene wie Vorsorge an. Wer alle Möglichkeiten durchdenkt, so die stille Annahme, ist vorbereitet. Tritt das Befürchtete nicht ein, scheint das Sorgen sich gelohnt zu haben. Der Kreislauf bestätigt sich selbst.

Hinzu kommen Strategien, die kurzfristig beruhigen: nachfragen, im Internet recherchieren, Situationen meiden, andere um Bestätigung bitten. Die Erleichterung hält nur Minuten. Danach braucht es die nächste Rückversicherung.

Der Angstkreislauf bei der Generalisierten Angststörung

Angstkreislauf bei der Generalisierten Angststörung am Beispiel von Frau K.Ein Abend von Frau K.: wie sich der Angstkreislauf schließtGeneralisierte Angststörung (F41.1), Beispiel frei erfunden1 Die Situation23:05 Uhr. Der Sohn wollte um zehnzu Hause sein. Das Handy bleibtstumm.2 Der erste Gedanke„Da ist etwas passiert.Ich muss sicher wissen,dass es ihm gut geht.“Hier setzt die PKP an3 Die Sorgen laufen los„Was, wenn er einen Unfall hatte?Was, wenn er im Krankenhaus liegt?Und morgen noch die Chefin …“4 Der Körper schlägt AlarmDas Herz rast, der Atem wird flach,der Magen zieht sich zusammen.An Schlaf ist nicht zu denken.5 Sie tut etwas dagegenDreimal anrufen, im Internetnach Unfällen suchen, amFenster stehen und warten.6 Kurze Erleichterung23:30 Uhr, die Tür geht auf.„Gut, dass ich aufgepasst habe.“Das Sorgen scheint zu schützen.Am nächsten Abend beginntdas Sorgen noch früher.Quelle: Ralf Baumhöfer · © Ralf Baumhöfer
Quelle: Ralf Baumhöfer. © Ralf Baumhöfer. Das Beispiel ist frei erfunden.

So läuft der Abend von Frau K. Schritt für Schritt ab:

  1. Die Situation: Der Sohn ist eine Stunde überfällig und meldet sich nicht. Das ist zunächst nur eine Tatsache.
  2. Der erste Gedanke: Frau K. deutet die Lage sofort als Gefahr. Dahinter steht ihre Grundannahme: Sie muss sicher wissen, dass nichts passiert ist. Diese Bewertung entscheidet, ob Angst entsteht.
  3. Die Sorgen laufen los: Ein Gedanke zieht den nächsten nach sich, vom Unfall bis zum Gespräch mit der Chefin am nächsten Tag.
  4. Der Körper schlägt Alarm: Die Amygdala setzt die Stressreaktion in Gang. Herzrasen und Magendrücken fühlen sich an wie ein Beweis, dass wirklich Gefahr besteht.
  5. Sie tut etwas dagegen: Anrufen, Suchen, Warten sollen die Unsicherheit beenden. Für einen Moment beruhigt das.
  6. Kurze Erleichterung: Der Sohn kommt nach Hause. Frau K. zieht den Schluss, ihr Sorgen habe geholfen. Ihre Grundannahme wird dadurch stärker, und am nächsten Abend beginnt das Sorgen früher.

In der Arbeit nach PKP setzen wir bei Schritt 2 an. Ändert sich die Bewertung, verliert der ganze Kreislauf seinen Antrieb.

Welche Grundannahmen stecken dahinter?

In der problemorientierten kognitiven Psychodiagnostik (PKP) nach Harlich H. Stavemann fragen wir, welche Bewertung die Angst erzeugt. Hinter dem Sorgen finden sich oft Annahmen wie diese:

  • „Ich muss sicher sein, dass nichts passiert.“
  • „Wenn etwas schiefgeht und ich hätte es ahnen können, ist das unerträglich.“
  • „Wenn ich nicht vorsorge, bin ich verantwortungslos.“

Die PKP ordnet solche Annahmen einem von drei Problembereichen zu: Selbstwertprobleme, Frustrationsintoleranz oder existenzielle Probleme. Bei der Generalisierten Angststörung führt die Spur häufig zur Frustrationsintoleranz, also zu der Überzeugung, Ungewissheit nicht aushalten zu können. Manchmal liegt ein Selbstwertthema darunter, etwa die Angst, als schlechte Mutter oder unzuverlässiger Kollege dazustehen. Welcher Bereich es bei Ihnen ist, klären wir gemeinsam.

Ungewissheit ist unangenehm. Ob sie unerträglich ist, entscheidet die Bewertung.

Wie arbeite ich bei einer Generalisierten Angststörung?

Nach der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen gehört die kognitive Verhaltenstherapie zu den Verfahren der ersten Wahl. Daneben können ärztlich verordnete Medikamente eine Rolle spielen. Darüber entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Entspannungsverfahren sind eine sinnvolle Ergänzung im Alltag.

In meiner Praxis arbeite ich neben der Linderung der Symptome an den Ursachen. Der Ablauf folgt der PKP:

  1. Erstgespräch

    Wir klären, worum es Ihnen geht, ob eine ärztliche Abklärung erfolgt ist und ob die Arbeit bei mir passt.

  2. Situationen sammeln

    Sie beschreiben konkrete Momente, in denen die Sorge einsetzt.

  3. Vom Gedanken zur Grundannahme

    Wir verfolgen die Gedankenkette bis zu der Bewertung, die die Angst trägt.

  4. Problembereich bestimmen

    Wir ordnen die Grundannahme einem der drei Bereiche zu.

  5. Ziel festlegen

    Sie bestimmen, wie Sie mit Ungewissheit künftig umgehen möchten.

  6. Sokratischer Dialog

    Wir prüfen die Grundannahme auf ihre Logik, ihre Belege und ihren Nutzen. Mehr dazu unter Sokratische Gesprächsführung.

  7. Neue Sichtweise einüben

    Zwischen den Sitzungen erproben Sie die neue Haltung in echten Situationen.

Wie kann so ein Gespräch klingen?

Der folgende Ausschnitt ist frei erfunden und beruht auf keinem echten Gespräch.

Frau K.: Wenn ich mir keine Sorgen mache, passiert bestimmt etwas.

R. B.: Wie oft haben Sie sich im letzten Monat Sorgen um Ihren Sohn gemacht?

Frau K.: Fast jeden Abend.

R. B.: Und an wie vielen Abenden hat Ihr Sorgen etwas verhindert?

Frau K.: Das kann ich nicht sagen. Er kam einfach nach Hause.

R. B.: Was wäre anders gewesen, wenn Sie an diesen Abenden geschlafen hätten?

An dieser Stelle beginnt die eigentliche Arbeit. Frau K. prüft, ob ihre Annahme einer genauen Betrachtung standhält.

Was können Sie selbst tun?

Diese Anregungen ersetzen keine Behandlung. Sie können aber helfen, das eigene Sorgen besser zu verstehen.

Eine Sorgenzeit einrichten. Legen Sie für eine Woche eine feste Sorgenzeit von zwanzig Minuten fest. Notieren Sie Sorgen, die außerhalb dieser Zeit auftauchen, und verschieben Sie sie bewusst. Schreiben Sie außerdem auf, welche Befürchtungen tatsächlich eingetreten sind. Viele Menschen sind von diesem Verhältnis überrascht.

Rückversicherungen bemerken. Achten Sie darauf, wie oft Sie sich rückversichern: eine Nachricht an den Partner, ein Blick in die Wettervorhersage, eine Suche nach Symptomen. Lassen Sie eine dieser Gewohnheiten für einige Tage bewusst weg und beobachten Sie, was mit der Unruhe geschieht.

Termine in der Praxis in Salzkotten

Meine Praxis liegt in der Lindentrift 36 in 33154 Salzkotten, Hinweise zur Anfahrt finden Sie unter Praxis und Kontakt. Ihr Erstgespräch reservieren Sie online über Doctena. Im Erstgespräch lernen Sie mich und meine Arbeitsweise kennen, es dauert etwa 45 Minuten. Einzelheiten stehen bei den Gebühren.

Häufige Fragen

Ist ständiges Sorgen schon eine Generalisierte Angststörung?

Nicht jede Sorge ist eine Störung. Entscheidend sind Dauer, Häufigkeit und wie stark die Sorgen Ihren Alltag einschränken. Eine Diagnose stellt eine Ärztin, ein Arzt oder eine dazu befugte Fachperson nach einem ausführlichen Gespräch.

Brauche ich Medikamente?

Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Medikamente und Psychotherapie schließen sich nicht aus.

Helfen Entspannungsübungen?

Sie können die körperliche Anspannung im Alltag senken. An den Grundannahmen, die das Sorgen in Gang halten, ändern sie allein wenig. Deshalb setzen wir in der Arbeit dort an.

Wie lange dauert die Arbeit?

Das hängt davon ab, wie lange die Sorgen schon bestehen und welche Grundannahmen wir finden. Eine Einschätzung bekommen Sie nach den ersten Sitzungen.

Wie bekomme ich einen Termin in Salzkotten?

Das Erstgespräch reservieren Sie online über Doctena. Es findet persönlich in meiner Praxis in der Lindentrift 36 in Salzkotten statt, dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Text ersetzt keine persönliche Diagnostik und keine ärztliche Untersuchung. In einer akuten Krise wählen Sie bitte die 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, kostenfrei und rund um die Uhr.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

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