Kurz erklärt
Mobbing bezeichnet wiederholte und systematische Angriffe, Ausgrenzung oder Herabsetzung einer Person über einen längeren Zeitraum, am Arbeitsplatz ebenso wie in der Schule. Typisch ist ein Ungleichgewicht der Kräfte, das es den Betroffenen schwer macht, sich allein zu wehren.
Was ist Mobbing, und was macht es mit Menschen?
Ein einzelner Streit ist noch kein Mobbing. Ein unfreundlicher Vorgesetzter auch nicht. Von Mobbing spricht man, wenn jemand wiederholt und über längere Zeit gezielt herabgesetzt, ausgegrenzt oder schikaniert wird und sich aus eigener Kraft kaum dagegen wehren kann.
Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Ein Mann arbeitet seit vielen Jahren in derselben Abteilung. Nach einem Wechsel in der Teamleitung bekommt er Informationen zu spät, wird zu Besprechungen nicht mehr eingeladen, und wenn er doch etwas sagt, wird gelacht. Über einen Fehler, der ihm vor Monaten unterlaufen ist, reden die Kollegen immer noch. Jede dieser Situationen wirkt für sich fast harmlos. Zusammen ergeben sie ein Klima, in dem er schon am Sonntagabend Bauchschmerzen bekommt.
In der Schule sieht das anders aus und funktioniert ähnlich. Eine Jugendliche wird in der Klassengruppe im Messenger nicht mehr erwähnt. Dann wird über sie gelästert, dann tauchen Fotos auf. Erwachsene bekommen davon oft lange nichts mit.
Die Folgen sind ernst zu nehmen. Schlechter Schlaf, Kopf- oder Magenbeschwerden, Angst vor dem nächsten Tag, Rückzug auch aus Freundschaften, die mit dem Arbeitsplatz oder der Schule gar nichts zu tun haben. Und häufig etwas, das man von außen kaum sieht: Die Betroffenen beginnen, die Schuld bei sich zu suchen.
Warum geben sich Betroffene selbst die Schuld?
Hier setzt die kognitive Verhaltenstherapie an. Was ein Mensch erlebt, wird erst durch seine Bewertung zu einem bestimmten Gefühl.
Der Mann aus dem Beispiel sieht, dass die Kollegen ohne ihn zum Mittagessen gegangen sind. Das ist die Situation. Er denkt: „Mit mir stimmt etwas nicht. Sonst würden die das nicht machen.“ Das ist die Bewertung. Er fühlt Scham und Niedergeschlagenheit. Er isst am Schreibtisch, meldet sich in Besprechungen nicht mehr zu Wort und bleibt abends länger, um bloß keinen Fehler zu machen. Die Folge: Er wird unsichtbarer, wirkt angespannter, und die anderen haben noch weniger Anlass, ihn einzubeziehen. Der Kreis schließt sich.
Die Bewertung „Mit mir stimmt etwas nicht“ ist nachvollziehbar. Sie hat sogar eine Funktion. Wer die Ursache bei sich sucht, behält scheinbar die Kontrolle, denn was an mir liegt, kann ich ändern. Der Preis ist hoch. Aus dem, was andere tun, wird ein Urteil über den eigenen Wert. Und wer sich selbst für wertlos hält, empfindet Angriffe eher als berechtigt und wehrt sich noch weniger.
Was andere Ihnen antun, sagt etwas über die Lage, in der Sie stecken. Über Ihren Wert als Mensch sagt es nichts.
Oft kommt eine zweite Annahme dazu: „Ich kann ja doch nichts machen.“ Sie lähmt. Dabei gibt es fast immer mehr Möglichkeiten, als man in der Erschöpfung sieht.
Was kann ich gegen Mobbing konkret tun?
Ein erster, nüchterner Schritt ist die Dokumentation. Schreiben Sie auf, was wann passiert ist, wer dabei war und was gesagt wurde. Möglichst zeitnah und sachlich, ohne Deutungen. Ein solches Mobbing-Tagebuch ordnet die eigene Wahrnehmung. Und es ist später wichtig, wenn Sie sich an jemanden wenden.
Im Betrieb können das der Betriebsrat oder Personalrat sein, die Personalabteilung, eine betriebliche Beschwerdestelle oder der Betriebsarzt. In der Schule sind die Klassenleitung, Vertrauenslehrkräfte, die Schulsozialarbeit und die Schulleitung ansprechbar. Für arbeitsrechtliche Fragen, etwa zu Abmahnung, Versetzung oder Schadensersatz, sind Fachanwälte für Arbeitsrecht zuständig, für Mitglieder auch die Gewerkschaft. Rechtliche Beratung gehört nicht in die Therapie, und ich gebe sie nicht.
Körperliche Beschwerden sollten Sie hausärztlich abklären lassen. Ihr Hausarzt entscheidet auch, ob Sie eine Zeit lang krankgeschrieben werden.
Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112.
Warum trifft Mobbing manche Menschen so tief?
Die Ursache für Mobbing liegt bei denen, die es ausüben, und in einem Umfeld, das es zulässt. Das sei vorab klar gesagt. Wie tief es einen Menschen trifft und wie lange es nachwirkt, hängt aber auch von den emotionalen Turbulenzen ab, die es auslöst. Schlaflosigkeit, Grübeln und Angst vor dem nächsten Arbeitstag sind dann Symptome dieser Turbulenzen.
Persönliche Konzepte bestimmen mit, wie heftig sie ausfallen.
Selbstwertkonzepte. Wer seinen Wert an die Anerkennung im Team knüpft, erlebt Ausgrenzung als Beweis, wertlos zu sein, und sucht die Schuld bei sich.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Ungerechtigkeit wird als unerträglich erlebt. Der verständliche Ärger kreist dann ohne Ende und raubt Kraft.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Man versucht, jeden Angriff vorherzusehen und jedes Wort abzuwägen. Die ständige Wachsamkeit erschöpft.
In der Therapie stärken wir Ihre Position nach außen und arbeiten zugleich an diesen Konzepten. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, verlieren die Angriffe in vielen Fällen ihre Macht über Ihr Befinden, und Sie gewinnen Handlungsspielraum zurück.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Mobbing ist ein Problem der Umgebung, und das bleibt es auch. In der Therapie geht es darum, wie Sie das Geschehen bewerten, wie es Ihnen damit geht und welche Handlungsmöglichkeiten Sie haben.
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten schildern Sie die Lage. Ich frage nach, wie lange das schon geht und wer davon weiß. Das Erstgespräch kostet 50 Euro. Mit Jugendlichen arbeite ich nur mit Einverständnis der Eltern.
Situationen analysieren
Wir gehen einzelne Vorfälle genau durch. Was ist passiert, was haben Sie gedacht, gefühlt und getan, und was folgte daraus?
Grundannahmen herausarbeiten
Mit der PKP nach Stavemann und Hülsner suchen wir die Regel hinter Ihren Bewertungen. Häufig ist es eine Selbstwertregel wie „Ich bin nur in Ordnung, wenn alle mich akzeptieren“. Manchmal steckt Frustrationsintoleranz dahinter, etwa „Ich halte es nicht aus, wenn jemand schlecht über mich redet“.
Ziel festlegen
Zum Beispiel: Vorfälle sachlich festhalten, ein Gespräch mit dem Betriebsrat führen, Kritik an einer Sache von einem Angriff auf die Person unterscheiden.
Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen
Woraus schließen Sie, dass es an Ihnen liegt? Würden Sie das einem Freund in derselben Lage auch sagen?
Üben und vorbeugen
Wir bereiten schwierige Gespräche vor und üben im Rollenspiel, klare Sätze zu sagen. Zum Abschluss planen wir, was Sie tun, wenn es wieder schwierig wird. Auch die Entscheidung, die Stelle oder die Schule zu wechseln, kann am Ende stehen. Ob sie richtig ist, entscheiden Sie.
Häufige Fragen
Ist es Mobbing oder nur ein schlechtes Arbeitsklima?
Die Grenze ist nicht immer scharf. Ein Hinweis ist, ob sich die Angriffe gegen eine bestimmte Person richten, ob sie über längere Zeit immer wieder vorkommen und ob Sie sich kaum dagegen wehren können. Ihre Notizen helfen, das zu klären.
Kann Therapie das Mobbing beenden?
Nein. Das liegt bei denen, die mobben, und bei denen, die im Betrieb oder in der Schule Verantwortung tragen. In der Therapie arbeiten wir daran, dass Sie wieder klarer sehen, sich weniger selbst abwerten und Ihre nächsten Schritte bewusst wählen.
Was kostet die Begleitung, und wo findet sie statt?
Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.