Kurz erklärt
Eine Lebenskrise ist ein Zustand, in dem ein einschneidendes Ereignis wie eine Trennung, ein Jobverlust oder ein schwerer Konflikt die gewohnten Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen übersteigt. Sie ist keine Krankheit, kann aber in eine seelische Erkrankung übergehen, wenn sie lange anhält.
Was ist eine Lebenskrise?
Eine Krise beginnt oft mit einem einzigen Satz. „Ich habe jemanden kennengelernt.“ „Wir müssen Ihre Stelle leider streichen.“ „Wenn du das machst, brauchst du dich hier nicht mehr blicken zu lassen.“ Danach ist für eine Weile nichts mehr, wie es war.
Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Ein Mann Ende vierzig verliert nach über zwanzig Jahren seine Stelle, weil der Betrieb schließt. Die Familie kommt finanziell zunächst über die Runden. Trotzdem schläft er schlecht, ist gereizt und streitet mit seiner Frau über Kleinigkeiten. Bewerbungen schreibt er keine. Jedes Mal, wenn er sich an den Laptop setzt, denkt er: „Das ist so ungerecht. Das hätte nie passieren dürfen.“ Dann klappt er ihn wieder zu.
Krisen gehören zum Leben. Die meisten Menschen finden aus ihnen heraus, mit Zeit, mit Freunden, mit ihrer Familie. Manchmal aber fährt sich etwas fest. Der Streit mit der Schwester über die Pflege der Mutter geht seit zwei Jahren im Kreis. Die Trennung liegt lange zurück und beschäftigt einen trotzdem jeden Abend. Dann lohnt sich ein genauer Blick, und zwar weniger auf das Ereignis als auf das, was jemand darüber denkt.
Warum fahren sich Konflikte und Krisen fest?
In der kognitiven Verhaltenstherapie unterscheiden wir zwischen dem, was passiert ist, und der Bewertung dieses Geschehens. Die Kündigung lässt sich nicht mehr ändern. Die Bewertung schon.
Beim Mann aus dem Beispiel sieht die Kette so aus. Er sitzt vor einer Stellenanzeige, das ist die Situation. Seine Bewertung lautet: „Es darf nicht sein, dass ich in meinem Alter wieder von vorn anfangen muss. Das halte ich nicht aus.“ Er fühlt Wut, kurz darauf Hoffnungslosigkeit. Er klappt den Laptop zu und geht in die Garage. Die Folge: Der Abend ist ruhiger, am nächsten Tag liegt dieselbe Aufgabe da, und die Zeit läuft weiter.
In diesem einen Gedanken stecken zwei Annahmen, die in Krisen sehr häufig vorkommen.
Die erste ist eine Forderung. Das hätte nicht passieren dürfen. Ähnliche Forderungen richten sich an andere Menschen: „Er muss sich entschuldigen.“ „Meine Schwester hat sich gefälligst genauso um Mutter zu kümmern wie ich.“ „Sie darf mich nicht einfach verlassen.“ Solche Sätze fühlen sich selbstverständlich an. Sie verlangen aber, dass die Welt oder ein anderer Mensch so ist, wie man es will. Das ist sie oft nicht, und was bleibt, ist Groll.
Die zweite Annahme heißt in der Fachsprache Frustrationsintoleranz. Gemeint ist die Überzeugung, etwas Unangenehmes nicht aushalten zu können oder nicht aushalten zu müssen. Sie führt in die Vermeidung. Wer glaubt, ein Gespräch mit dem früheren Partner nicht zu ertragen, schiebt es auf, bis die Anwälte es führen. Wer Absagen für unerträglich hält, schreibt lieber gar keine Bewerbung.
Dass etwas nicht hätte passieren sollen, ist ein verständlicher Wunsch. Dass es nicht hätte passieren dürfen, ist eine Forderung an die Wirklichkeit.
Der Unterschied klingt nach Haarspalterei. Ein Wunsch lässt Raum für Enttäuschung und Trauer, beides ist schmerzhaft und geht vorüber. Eine Forderung erzeugt Wut, sobald sie verletzt wird, und in einer Krise wird sie ständig verletzt.
Was brauche ich in einer akuten Krise?
Es macht einen Unterschied, ob Sie gerade mitten in einem Ereignis stehen oder ob eine Krise schon lange schwelt.
In der akuten Phase, wenige Tage nach einer Trennung oder kurz nach einer Kündigung, geht es zuerst um Stabilität. Schlafen, essen, den Tag in eine Ordnung bringen, mit Menschen sprechen, denen Sie vertrauen. Grundsatzfragen haben Zeit. Wenn Sie sich in dieser Phase Unterstützung holen, sortieren wir zunächst, was jetzt dringend ist und was warten kann.
Hält eine Krise über Monate an oder wiederholen sich Konflikte nach demselben Muster, lohnt die längere Arbeit an den Annahmen dahinter. Etwa wenn jedes Weihnachtsfest im gleichen Streit endet oder sich das Ende der dritten Beziehung genauso anfühlt wie das der ersten.
Körperliche Beschwerden, die in einer Krise auftreten oder sich verschlimmern, sollten Sie hausärztlich abklären lassen. Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112. Auch die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar.
Was liegt Konflikten und Krisen zugrunde?
Streit, Schlaflosigkeit, das Gefühl festzustecken: In Krisen zeigt sich vieles auf einmal. Häufig sind das Symptome. Die Ursache liegt in emotionalen Turbulenzen, die ein Ereignis zwar auslöst, die ihre Wucht aber erst durch die eigene Bewertung bekommen.
Dahinter stehen persönliche Konzepte.
Selbstwertkonzepte. In einem Konflikt geht es dann nicht mehr um die Sache, sondern um die eigene Geltung. Nachgeben fühlt sich an wie eine Niederlage.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Der andere „müsste“ sich anders verhalten, die Lage „dürfte“ so nicht sein. Diese Forderungen machen aus einer schwierigen Situation eine unerträgliche.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Eine Trennung, ein Jobverlust oder eine Diagnose nehmen die Planbarkeit. Wer viel Sicherheit braucht, gerät dadurch besonders ins Wanken.
Neben der Stabilisierung im akuten Moment liegt der Schwerpunkt der Therapie auf diesen Konzepten. Wir prüfen sie und entwickeln tragfähigere Haltungen. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, entsteht in vielen Fällen wieder Raum für Lösungen, und die Krise wird bewältigbar.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. In einer Krise arbeite ich mit Ihnen an dem, was Sie beeinflussen können, an Ihren Bewertungen und an Ihrem Handeln.
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten klären wir, was passiert ist, wie akut die Lage ist und was Sie gerade brauchen. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Situationen analysieren
Ein Streit am Küchentisch, eine Nachricht vom früheren Partner, der Moment vor der Bewerbung. Wir gehen durch, was Sie gedacht, gefühlt und getan haben und was daraus folgte.
Forderungen und Grundannahmen erkennen
Wir suchen die Sätze mit „muss“, „darf nicht“ und „halte ich nicht aus“. Nach der PKP nach Stavemann und Hülsner klären wir, ob Frustrationsintoleranz, ein Selbstwertproblem oder existenzielle Fragen im Vordergrund stehen. Ein Jobverlust berührt nicht selten alles zugleich.
Ziel festlegen
Realistisch und überprüfbar. Etwa mit der Schwester über die Pflege der Mutter sprechen, ohne dass es eskaliert. Oder jede Woche zwei Bewerbungen abschicken.
Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen
Woher kommt das „muss“? Was wäre, wenn der andere sich nie entschuldigt? Wäre das schlimm, oder wäre es wirklich unerträglich?
Üben und Rückfällen vorbeugen
Sie probieren im Alltag aus, was wir vorbereitet haben, auch schwierige Gespräche. Zum Abschluss überlegen wir, woran Sie merken, dass Sie in eine alte Forderung zurückrutschen, und was Sie dann tun.
Häufige Fragen
Muss sich der andere nicht auch ändern?
Das wäre oft wünschenswert, lässt sich aber nicht erzwingen. In der Einzelarbeit konzentrieren wir uns auf das, was in Ihrer Hand liegt. Manchmal verändert sich ein festgefahrener Konflikt schon dadurch, dass einer der Beteiligten anders reagiert als gewohnt.
Wie lange dauert eine Begleitung in einer Krise?
Das lässt sich vorab nicht seriös sagen. In einer akuten Krise reichen manchmal wenige Sitzungen, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Wiederkehrende Konflikte brauchen meist mehr Zeit.
Was kostet die Begleitung, und wo findet sie statt?
Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.