Selbstwert

Dysfunktionale Selbstwertkonzepte verstehen und verändern

Viele Menschen messen ihren Wert an Bedingungen, die sie nie bewusst gewählt haben. Ich erkläre, warum es dann wenig hilft, einfach mehr Selbstwert aufzubauen, und was stattdessen in der Therapie geschieht.

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Lächelnde Frau betrachtet ihr Spiegelbild in einem runden Spiegel
Foto: @noahblaineclark / Unsplash

Kurz erklärt

Ein Selbstwertkonzept ist die Summe der meist unbewussten Regeln, nach denen ein Mensch seinen Wert bestimmt. Dysfunktional ist es, wenn es unnötiges Leid verursacht, etwa weil der Wert an Leistung, Anerkennung oder Fehlerlosigkeit geknüpft ist und aus einzelnen Handlungen ein Urteil über die ganze Person wird.

Was ist ein dysfunktionales Selbstwertkonzept?

Jeder Mensch hat Regeln, nach denen er seinen eigenen Wert bestimmt. Ausgesprochen hat sie kaum jemand. In der Integrativen Kognitiven Verhaltenstherapie heißen diese mehr oder weniger bewussten Regeln und Kriterien Selbstwertkonzept. Dysfunktional wird ein Selbstwertkonzept dann, wenn es Ihnen unnötiges Leid verursacht.

Meistens hat die Regel die Form einer Bedingung. „Ich bin etwas wert, wenn ich gute Arbeit abliefere.“ „Wenn die anderen mich mögen.“ „Wenn mir kein Fehler passiert.“ Es gibt Leistungsmaßstäbe, Beliebtheitsmaßstäbe und viele Mischformen. Allen gemeinsam ist ein Denkschritt, der so selbstverständlich wirkt, dass er kaum auffällt: Aus der Bewertung einer einzelnen Handlung wird ein Urteil über den ganzen Menschen. Eine Präsentation geht daneben, und am Abend heißt es im Kopf nicht „Die Präsentation war schwach“, sondern „Ich bin ein Versager“. Fachlich nennt man das globale Selbstbewertung.

Solange die Bedingung erfüllt ist, lebt es sich mit einem solchen Konzept oft ganz gut. Deshalb bemerkt man es so spät. Der Preis zeigt sich, wenn die Bedingung wackelt. Nach einer Kritik vom Chef, einer Trennung, manchmal schon dann, wenn die Kollegin in der Besprechung die bessere Idee hatte. Plötzlich steht alles auf dem Spiel, obwohl nur eine Sache schiefgelaufen ist.

Warum „mehr Selbstwert aufbauen“ oft nicht trägt

Viele Menschen kommen mit dem Wunsch in die Praxis, ihren Selbstwert zu stärken. Das verstehe ich gut. Trotzdem halte ich den Auftrag in dieser Form für einen Teil des Problems.

Wer seinen Selbstwert aufbauen will, indem er erfolgreicher, beliebter oder fehlerfreier wird, erfüllt die alte Bedingung nur gründlicher. Die Bedingung selbst bleibt unangetastet. Jeder Erfolg beruhigt für eine Weile, dann muss der nächste her. Man zahlt auf ein Konto ein, das sich jederzeit wieder leeren kann. Mit Sätzen vor dem Spiegel geht es oft ähnlich. Wer sich „Ich bin wertvoll“ vorsagt, während innen jemand fragt, wofür eigentlich, findet selten Ruhe. Er glaubt sich nicht.

Ergiebiger ist eine andere Frage. Nach welchem Maßstab messen Sie sich, und hält dieser Maßstab einer ehrlichen Prüfung stand? Mit ihr habe ich mich so lange beschäftigt, dass daraus mein Buch „Selbstwert neu denken“ entstanden ist. In der Therapie gehen wir ihr an Ihrem eigenen Leben nach.

Kann man ein Verhalten bewerten, ohne die Person zu bewerten?

Man kann. Und man sollte. Bewerten an sich ist nützlich: Ob ein Angebot sauber kalkuliert war oder ob ich im Streit fair geblieben bin, muss ich beurteilen können, sonst lerne ich nichts dazu. Schwierig wird erst der Sprung von der Handlung auf die Person.

Ein Mensch tut im Laufe seines Lebens unzählige Dinge, gelungene und misslungene, kluge und ziemlich dumme. Welche davon sollen für das Gesamturteil zählen? Die von gestern? Die beste? Die peinlichste? Sobald man das genauer durchdenkt, lässt sich kaum begründen, wie aus einzelnen Taten eine Gesamtnote für einen Menschen werden soll.

Ein Fehler sagt etwas über eine Handlung. Über Ihren Wert als Mensch sagt er nichts.

An dieser Stelle kommt Akzeptanz ins Spiel. Gemeint ist weder Resignation noch ein Freibrief. Wer sich als Person annimmt, kann einen Fehler klar benennen, sich darüber ärgern und ihn ausbügeln, ohne dass gleich das ganze Selbstbild ins Rutschen gerät. Veränderung wird dadurch häufig leichter, weil Kritik dann wieder etwas über eine Sache aussagt.

So arbeite ich

  1. Erstgespräch

    Sie schildern, was Sie zu mir führt, und ich frage nach, in welchen Momenten Sie besonders hart mit sich ins Gericht gehen. Danach entscheiden Sie in Ruhe, ob Sie weitermachen möchten.

  2. Die Regel sichtbar machen

    Anhand konkreter Situationen der letzten Wochen rekonstruieren wir, was Sie gedacht und gefühlt haben und welche Regel dahinterliegt. Oft lässt sie sich in einem Satz aufschreiben, der mit „Ich bin nur dann in Ordnung, wenn …“ beginnt. Für viele ist es das erste Mal, dass sie diesen Satz schwarz auf weiß vor sich sehen.

  3. Verstehen, woher sie kommt

    Wir schauen, in welcher Umgebung die Regel entstanden ist und welchen Sinn sie damals hatte. Wo ein Muster tief verwurzelt ist, ziehe ich ergänzend schematherapeutische Ansätze und Ansätze aus NARM hinzu.

  4. Die Regel prüfen

    Im Sokratischen Dialog stelle ich Fragen, statt Antworten vorzugeben. Ist die Regel logisch haltbar? Würden Sie sie an einen Freund anlegen? Bringt sie Sie dorthin, wo Sie hinwollen? Gemessen wird an Ihren eigenen Werten und Zielen.

  5. Einen tragfähigeren Maßstab entwickeln

    Wir erarbeiten, was an die Stelle der alten Regel treten kann. Dazu gehört, Verhalten und Person auseinanderzuhalten und sich selbst auch dann anzunehmen, wenn etwas misslingt.

  6. Im Alltag erproben

    Zwischen den Sitzungen probieren Sie Vereinbartes aus, zum Beispiel eine Aufgabe bewusst als gut genug abzugeben. Was dabei in Ihnen passiert, auch das Unbequeme, besprechen wir in der nächsten Stunde.

Wo finde ich in Salzkotten Unterstützung bei Selbstwertproblemen?

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Wurzelt ein Selbstwertkonzept tief in der eigenen Geschichte, ergänze ich sie durch schematherapeutische Ansätze und durch Ansätze aus NARM. Dann reicht es nicht, die Regel zu prüfen. Wir müssen auch verstehen, wofür sie einmal gut war. Seit 2025 bin ich in einer noch nicht abgeschlossenen Ausbildung in NARM an der UTA Köln.

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist auch aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

Häufige Fragen

Ist ein dysfunktionales Selbstwertkonzept dasselbe wie ein geringer Selbstwert?

Nein. Manche Menschen mit einem solchen Konzept fühlen sich über lange Zeit sehr sicher, solange die Bedingung erfüllt ist. Es kommt darauf an, wovon der Selbstwert abhängt, und weniger darauf, wie hoch er gerade ist.

Heißt Selbstakzeptanz, dass mir alles egal sein soll?

Sie dürfen weiter Ansprüche an sich haben und sich über Fehler ärgern. Der Unterschied liegt darin, dass ein misslungener Tag nicht mehr über Ihren Wert als Mensch entscheidet.

Wie lange dauert die Arbeit an einem Selbstwertkonzept?

Das lässt sich vorab nicht seriös sagen. Es hängt davon ab, wie lange die Regel schon wirkt und wie viel Sie zwischen den Sitzungen ausprobieren. Wir schauen in regelmäßigen Abständen gemeinsam, wo Sie stehen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Mit der gesetzlichen Krankenkasse rechne ich nicht ab. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Ob eine private Kranken- oder Zusatzversicherung erstattet, hängt von Ihrem Vertrag ab. Fragen Sie dort am besten vor Beginn nach.

Praxis in Salzkotten

Der erste Schritt ist ein Gespräch

Im Erstgespräch klären wir Ihr Anliegen und ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt. Danach entscheiden Sie in Ruhe.

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