Kurz erklärt
Die Lebenszielanalyse ist ein Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, in dem Werte und Lebensziele erhoben und auf Angemessenheit geprüft werden. Die Lebenszielplanung übersetzt die geprüften Ziele in einen Plan mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und konkreten Schritten.
Es gibt eine Unzufriedenheit, die sich schlecht erklären lässt. Der Beruf ist in Ordnung, die Familie auch, und trotzdem fühlt sich der Alltag an wie ein Programm, das eben abläuft. Wer nach dem Grund sucht, findet selten einen einzelnen. In meiner Praxis in Salzkotten stoße ich bei solchen Anliegen häufig auf eine Frage, die kaum jemand laut stellt: Wohin will ich mit meinem Leben eigentlich?
Was ist eine Lebenszielanalyse?
Die Lebenszielanalyse ist ein strukturiertes Vorgehen der kognitiven Verhaltenstherapie. Gemeinsam erheben wir, nach welchen Werten Sie leben und welche Ziele Sie tatsächlich verfolgen, und prüfen beides auf Angemessenheit. Die Lebenszielplanung baut darauf auf. Sie übersetzt das Ergebnis in einen Plan mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und legt fest, was als Nächstes zu tun ist.
Systematisch beschrieben hat das Verfahren der Hamburger Psychotherapeut Dr. Harlich H. Stavemann. In seiner Integrativen KVT ist es eine eigene Therapiephase. Die Frage nach dem Sinn des eigenen Daseins behandelt er ausdrücklich als philosophische Frage, deshalb werden zuerst Begriffe wie Lebenssinn und Lebenszweck geklärt. Das halte ich für richtig. Wer über Lebensziele spricht, ohne die Überzeugungen dahinter anzuschauen, plant am Ende Termine statt eines Lebens.
Warum können fehlende oder widersprüchliche Lebensziele unzufrieden machen?
Ziele geben dem Handeln eine Richtung. Fehlen sie, bleibt das Reagieren auf das, was gerade anfällt. Das kann lange gut gehen. Bis die Frage „Wozu eigentlich?“ nicht mehr verschwindet.
Stavemann unterscheidet mehrere Arten von Zielproblemen. Ziele können sich widersprechen, unerreichbar sein oder auf Dauer schaden. Es kann zu wenige Handlungsziele geben, aber auch zu viele. Ein Widerspruch sieht im Alltag etwa so aus: Jemand will beruflich aufsteigen und zugleich jeden Abend für die Kinder da sein. Beides ist ehrenwert. Solange niemand entscheidet, wie viel von beidem gehen soll, zahlt die Person mit Dauerdruck und dem Gefühl, keinem gerecht zu werden.
Ein anderer Fall wird oft übersehen. Manche Ziele sind irgendwann erreicht, das Haus steht, die Kinder sind ausgezogen, die Prüfung ist bestanden. Wer nur solche Ziele hatte, steht danach vor einer Leere, die sich wie Undankbarkeit anfühlt und doch eine Folge fehlender Planung ist.
Und dann gibt es Ziele, die gar nicht die eigenen sind. Ein Studium, weil der Vater es so wollte. Ein Lebensstil, weil man im Freundeskreis eben so lebt. Solche Ziele lassen sich erreichen, ohne dass sich danach irgendetwas richtig anfühlt.
Werte und Ziele: Worin liegt der Unterschied?
Hier hilft die Begriffsklärung, mit der Stavemann arbeitet. Lebensziele bestehen bei ihm aus zwei Teilen.
Werte, in seiner Sprache metaphysische Ziele oder Prämissen, sind grundlegende Überzeugungen: moralische, religiöse, politische und soziale Vorstellungen, dazu Vorlieben und Normen. Sie legen fest, wie und unter welchen Bedingungen jemand seine Ziele verfolgen will. „Ehrlich bleiben“ ist ein Wert.
Handlungsziele beschreiben, was jemand durch eigenen Einsatz erreichen will. Zeitpunktziele sind irgendwann erledigt, etwa ein Abschluss. Zeitraumziele lassen sich nie abhaken, Freundschaften pflegen zum Beispiel. Etappenziele sind Zwischenschritte auf dem Weg zu einem größeren Oberziel.
Warum das wichtig ist? Viele Menschen vermischen Werte und Ziele. Wer „ein guter Vater sein“ als Ziel aufschreibt, wird nie fertig und weiß trotzdem nicht, was er am Samstag tun soll.
Ein Ziel, das Sie nicht selbst gewählt haben, können Sie erreichen, ohne dass es Sie zufrieden macht.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Die Lebenszielanalyse kommt dann ins Spiel, wenn die Frage „Wozu eigentlich?“ nicht mehr verschwindet. Der Ablauf folgt dem Modell, das Stavemann beschrieben hat.
Werte erheben
Wir sammeln, woran Sie glauben und was Ihnen wichtig ist, auch was Sie über Sinn, Erfolg oder ein „richtiges“ Leben denken. Dazu gehört die Frage, woher diese Überzeugungen stammen: von Ihnen selbst, von den Eltern oder aus dem Umfeld.
Den Ist-Zustand aufnehmen
Welche Ziele verfolgen Sie gerade tatsächlich? Gemeint ist, wofür Sie Zeit und Kraft einsetzen, und nicht, was Sie sich vornehmen. Diese Liste überrascht viele.
Ziele auf Angemessenheit prüfen
Jedes Ziel kommt auf den Tisch. Ist es erreichbar? Passt es zu Ihren Werten, oder widerspricht es einem anderen Ziel? Schadet es Ihnen auf Dauer? Und ist es Ihr eigenes oder ein übernommenes?
Das Zielproblem benennen
Aus der Prüfung ergibt sich, welche Art von Problem vorliegt, wie es entstanden ist und was es Sie bisher kostet. Erst dann ist klar, woran wir arbeiten.
Den Soll-Zustand planen
Sie entwerfen Ziele für verschiedene Zeiträume. Wir ordnen sie nach Ober- und Etappenzielen und schätzen ab, wie viel Zeit und Energie jedes braucht. Passt das Ganze nicht in ein reales Leben, wird korrigiert.
In Schritte übersetzen
Am Ende steht, was Sie in den nächsten Wochen konkret tun. Oft zeigt sich dabei, dass Angst oder Scham einen Schritt blockieren. Dann wird genau das zum Thema der weiteren Arbeit.
Zur Unterstützung der KVT greife ich auf schematherapeutische Ansätze zurück und auf Ansätze aus NARM, in dem ich mich seit 2025 an der UTA Köln weiterbilde. Das ist dann sinnvoll, wenn früh gelernte Muster bis heute mitbestimmen, welche Ziele sich jemand überhaupt erlaubt.
Ist das Psychotherapie oder Coaching?
Beides ist möglich. Wenn Unzufriedenheit oder Sinnfragen Sie seelisch belasten, arbeiten wir im Rahmen der Psychotherapie. Stehen Sie vor einer Entscheidung und wollen Ihre Ziele ordnen, passt das Coaching. Die Methode ist ähnlich, Rahmen und Tiefe sind verschieden.
Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich.
Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.
Häufige Fragen
Wie viele Sitzungen braucht eine Lebenszielanalyse?
Das hängt davon ab, wie klar Ihre Werte schon sind und ob emotionale Hindernisse im Weg stehen. Eine feste Zahl nenne ich vorher nicht. Nach dem Erstgespräch schätze ich ein, womit wir beginnen.
Muss ich schon wissen, was ich will?
Nein. Auch wer gar keine Ziele benennen kann, ist hier richtig. Dann beginnen wir bei den Werten und arbeiten uns von dort zu den Zielen vor.
Ist das nicht einfach Zeitmanagement?
Zeitmanagement setzt voraus, dass die Ziele feststehen. Die Lebenszielanalyse fragt vorher, ob es die richtigen sind und ob sie zueinander passen.
Geht das auch per Video?
Ja. Die Arbeit besteht aus Gesprächen und aus Aufgaben, die Sie zwischen den Sitzungen bearbeiten. Beides funktioniert auch per Video.