Kurz erklärt
Sokratische Gesprächsführung ist eine Fragetechnik der kognitiven Verhaltenstherapie. Der Therapeut stellt gezielte Fragen, mit denen der Klient eine belastende Annahme selbst auf Belege, Logik und Nutzen prüft und mit seinen eigenen Maßstäben zu einem eigenen Urteil kommt.
Was ist Sokratische Gesprächsführung?
Sokratische Gesprächsführung ist eine Art, im therapeutischen Gespräch mit Fragen zu arbeiten statt mit Erklärungen. Ich sage Ihnen nicht, was an einer Überzeugung falsch ist. Ich frage so lange und so genau nach, bis Sie selbst prüfen können, ob sie trägt. Maßstab sind dabei Ihre Kriterien.
Der Name geht auf Sokrates zurück, den wir nur aus den Schriften anderer kennen, vor allem aus den Dialogen Platons. Dort verwickelt er seine Gesprächspartner in Fragen danach, was Tapferkeit, Gerechtigkeit oder Freundschaft eigentlich sei. Am Ende merken die Befragten oft, dass sie weniger sicher wissen, als sie dachten. Seine eigene Rolle verglich Sokrates mit der einer Hebamme. Er bringe selbst nichts hervor, er helfe nur dabei, dass beim anderen etwas zur Welt kommt.
Im 20. Jahrhundert griffen Albert Ellis und Aaron T. Beck diese Art des Fragens auf, als sie die kognitiven Therapien entwickelten. Für Therapie und Beratung systematisch ausgearbeitet hat sie der Hamburger Psychotherapeut Dr. Harlich H. Stavemann. In seinem Buch „Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung“ beschreibt er den Dialog als Abfolge von Phasen und unterscheidet verschiedene Dialogformen, darunter solche, die zuerst einen Begriff klären.
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Der Sokratische Dialog ist darin für mich kein Zusatz. Er bestimmt, wie ich überhaupt frage.
Welche Fragen stellt der Therapeut im Sokratischen Dialog?
Einen festen Fragenkatalog gibt es nicht. Ein paar Richtungen kehren aber immer wieder.
Am häufigsten frage ich nach Belegen. Woran machen Sie fest, dass es so ist? Was haben Sie tatsächlich erlebt, und was haben Sie daraus geschlossen? Dann kommt die Logik. Folgt das eine wirklich aus dem anderen? Wenn ein Kollege heute kurz angebunden war, heißt das, dass er Sie nicht leiden kann?
Eine dritte Frage zielt auf den Nutzen. Hilft Ihnen diese Sichtweise, das zu erreichen, was Sie wollen? Eine Annahme kann sogar zutreffen und Ihnen trotzdem schaden, und manchmal ist das die wichtigere Entdeckung. Erst danach suchen wir nach Alternativen: Wie ließe sich dieselbe Lage noch beschreiben, und welche Beschreibung halten Sie nach ehrlicher Prüfung für die zutreffendere?
Und ganz am Anfang steht oft eine Begriffsfrage. Wer sagt „Ich bin ein Versager“, meint damit etwas, das er selten genau benennen kann. Was ist ein Versager? Ab wie vielen Fehlern wird man einer? Solche Fragen klingen spitzfindig. Sie sind es nicht. Solange ein Begriff unscharf bleibt, lässt sich die Überzeugung, die an ihm hängt, gar nicht prüfen.
Wie läuft eine Sokratische Sequenz praktisch ab?
Das folgende Beispiel ist verallgemeinert und aus vielen ähnlichen Gesprächen zusammengesetzt. Es beschreibt keinen echten Menschen.
Eine Frau erzählt, dass sie einer Kollegin keine Bitte abschlagen kann. Wenn sie einmal Nein sage, sei das Verhältnis kaputt. Ich frage, woran sie das merken würde. Sie überlegt. Die Kollegin würde sie wohl nicht mehr fragen, ob sie mittags zusammen essen gehen.
Ob ihr selbst schon einmal jemand etwas abgeschlagen habe? Ja, natürlich, ihr Mann, gestern erst. Und ob die Ehe deshalb jetzt kaputt sei? Sie lacht. Nein. Dann frage ich, was bei ihrem Mann anders sei als bei der Kollegin. Eine Weile kommt nichts. Dann sagt sie einen Satz, den ich ihr nicht vorgesagt habe und auch nicht hätte vorsagen können: Wenn andere Nein sagen, findet sie das normal. Nur sie selbst darf es nicht.
An dieser Stelle hat sich etwas verschoben. Die Kollegin ist jetzt Nebensache. Im Raum steht eine Regel, die sie für sich allein aufgestellt hat und für niemanden sonst gelten lässt. Und diese Regel kann man ansehen. Woher kommt sie? Wann hat sie gelernt, dass ihre Wünsche weniger zählen? Was hat ihr diese Regel früher eingebracht? Hier setzt eine ursachenorientierte Therapie an, und hier fängt die eigentliche Arbeit oft erst an.
Für die nächste Woche verabreden wir etwas Kleines. Sie sagt ein einziges Mal Nein und achtet darauf, was danach tatsächlich passiert.
Was Sie selbst geprüft haben, müssen Sie niemandem mehr glauben.
Warum Überreden in der Therapie wenig bringt
Die naheliegende Alternative wäre gewesen, ihr zu erklären, dass ein Nein unter Kollegen völlig normal ist. Das stimmt. Es hätte ihr nur nichts genützt. Sie wusste es ja längst, für alle anderen. Wer mit Argumenten gegen eine Überzeugung angeht, bekommt meist ein „Ja, aber“ zu hören, und hinterher hält der Klient die alte Sicht fester als vorher, weil er sie gerade verteidigt hat.
Mit positivem Denken hat die Methode ebenfalls wenig zu tun. Ein Satz wie „Ich bin es wert, Nein zu sagen“ wird gegen eine Erfahrung von vielen Jahren gesetzt und verliert. Im Sokratischen Dialog suchen wir keine freundlichere Version, sondern eine, die einer ehrlichen Prüfung standhält. Manchmal stellt sich dabei heraus, dass an einer Befürchtung etwas dran ist. Dann ist die nächste Frage, was daraus folgt.
Eine Bedingung hat das Ganze. Ich muss die Antwort wirklich offenlassen. Fragen lassen sich auch benutzen, um jemanden unauffällig dorthin zu schieben, wo man ihn haben will. Das ist dann Überreden mit Fragezeichen, und die meisten Menschen spüren es sehr schnell.
So arbeite ich
Anliegen klären
Im Erstgespräch, etwa 45 Minuten für 50 Euro, erzählen Sie, was Sie zu mir führt. Sie bekommen einen Eindruck davon, wie ich frage, und entscheiden danach in Ruhe, ob Sie weitermachen wollen.
Die Annahme finden
Wir suchen die Bewertung, die in belastenden Situationen den Ausschlag gibt. Sie liegt selten an der Oberfläche.
Begriffe schärfen
Bevor wir prüfen, klären wir, was Worte wie „versagen“ oder „egoistisch“ für Sie bedeuten.
Prüfen mit Ihren Maßstäben
Belege, Logik, Nutzen, Alternativen. Das Urteil am Ende fällen Sie.
Den Ursprung verstehen
Wo ein Muster tief sitzt, ergänze ich die Verhaltenstherapie durch Ansätze aus der Schematherapie und aus NARM, in dem ich mich seit 2025 an der UTA Köln weiterbilde. Diese Ausbildung ist noch nicht abgeschlossen.
Im Alltag erproben
Kleine, verabredete Schritte zwischen den Sitzungen zeigen, ob die neue Sicht auch draußen hält.
Ich setze die Sokratische Gesprächsführung in der Psychotherapie ein, aber auch im Coaching und in der Supervision. Meine Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro.
Häufige Fragen
Ist Sokratische Gesprächsführung eine eigene Therapieform?
Nein. Sie ist eine Gesprächsmethode innerhalb der kognitiven Verhaltenstherapie und wird mit anderen Elementen kombiniert, etwa mit Übungen im Alltag.
Was ist, wenn ich auf eine Frage keine Antwort weiß?
Dann ist das selbst eine Information. Oft zeigt genau diese Stelle, dass eine Überzeugung nie geprüft wurde. Wir lassen uns Zeit.
Kann ich mir diese Fragen auch selbst stellen?
Bis zu einem gewissen Punkt, ja. Allein gerät man aber leicht in die eigenen Denkgewohnheiten zurück und übersieht genau die Annahme, um die es geht. Im Gespräch fällt das eher auf.
Wie kann ich in Salzkotten einen Termin bekommen?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung. Mit den gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich, das klären Sie am besten vorher mit ihr. Eine Sitzung per Video ist ebenfalls möglich.