Kurz erklärt
Schematherapie ist eine von Jeffrey Young aus der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelte Methode. Sie fragt, welche früh entstandenen Muster und offen gebliebenen Grundbedürfnisse heutige Reaktionen prägen, und arbeitet gezielt mit ihnen.
Was mit einem Schema gemeint ist
Der amerikanische Psychologe Jeffrey Young hat die Schematherapie aus der kognitiven Verhaltenstherapie heraus entwickelt. Sein Ausgangspunkt war eine Beobachtung, die jeder kennt, der länger therapeutisch arbeitet. Manche Menschen durchschauen ihre ungünstigen Gedanken sehr genau. Sie können sie benennen, prüfen, sogar widerlegen. Und trotzdem ändert sich wenig. Der Gedanke ist widerlegt, das Gefühl bleibt.
Young suchte die Erklärung eine Ebene tiefer und nannte sie Schema. Gemeint ist ein Muster aus Erinnerungen, Gefühlen, Körperempfindungen und Überzeugungen über sich selbst und über Beziehungen, das sehr früh im Leben entsteht. Ein Schema ist also keine Meinung, die man irgendwann gefasst hat und bei Bedarf wieder ablegt. Eher eine Brille, die man seit der Kindheit trägt und deshalb gar nicht mehr bemerkt.
Wer zum Beispiel früh erlebt hat, dass Zuwendung jederzeit wegfallen konnte, trägt als Erwachsener womöglich ein Verlassenheitsschema in sich. Dann genügt eine Nachricht, die ein paar Stunden unbeantwortet bleibt, und innerlich läuft etwas ab, das mit dem Anlass kaum etwas zu tun hat. Die Reaktion stammt aus der Vergangenheit. Ausgelöst wird sie heute.
Grundbedürfnisse, die offen geblieben sind
Nach Youngs Modell entstehen Schemata vor allem dort, wo wichtige Grundbedürfnisse eines Kindes über längere Zeit zu kurz kamen. Er zählt dazu eine sichere Bindung an verlässliche Bezugspersonen, Autonomie und das Erleben, etwas zu können, die Freiheit, eigene Bedürfnisse und Gefühle zu zeigen, Raum für Spontaneität und Spiel und schließlich realistische Grenzen.
Mit diesem Blick ist keine Anklage gegen Eltern verbunden. Viele haben getan, was ihnen unter den damaligen Umständen möglich war. Für das Kind zählt trotzdem, was bei ihm ankam. Und ein Kind zieht aus seinen Erfahrungen Schlüsse, die in seiner Lage durchaus vernünftig waren, etwa „Wenn ich nichts brauche, falle ich niemandem zur Last“ oder „Ich bin nur etwas wert, solange ich keine Fehler mache“.
Solche Schlüsse helfen einem Kind, sich in seiner Familie zurechtzufinden. Beim Erwachsenen sind sie oft im Weg. Das Schema hat seinen ursprünglichen Zweck überlebt und arbeitet einfach weiter.
Wie Menschen ein Schema bewältigen
Young beschreibt drei typische Bewältigungsstile, und alle drei kommen bei ein und derselben Person vor.
Beim Erdulden fügt man sich dem Schema, als sei es schlicht die Wahrheit. Wer sich für unzulänglich hält, landet dann auffallend oft in Beziehungen oder an Arbeitsplätzen, die genau das bestätigen. Beim Vermeiden geht man allem aus dem Weg, was das Schema berühren könnte: Nähe, Bewertung, bestimmten Gefühlen. Das entlastet kurzfristig, nimmt einem aber die Gelegenheit, je etwas anderes zu erleben. Die Überkompensation schließlich kehrt das Schema um. Wer sich tief drinnen wertlos fühlt, tritt dann vielleicht besonders bestimmt auf oder arbeitet so lange, bis niemand mehr etwas auszusetzen hat.
Jeder dieser Wege ist ein Versuch, Schmerz klein zu halten. Und jeder hält das Schema am Leben. Deshalb wiederholen sich manche Dinge über Jahrzehnte, auch bei Menschen, die sehr reflektiert sind und ihr Muster längst erklären können.
Einsicht allein verändert ein Schema selten, dafür braucht es die Erfahrung, dass heute etwas anderes geschieht als damals.
Modi: wer gerade das Steuer hat
Später hat Young sein Modell um die sogenannten Modi erweitert. Ein Modus ist der Zustand, in dem sich jemand in einem bestimmten Moment befindet. Schemata sind recht beständig. Modi wechseln, manchmal innerhalb weniger Minuten.
Grob lassen sich vier Gruppen unterscheiden. Da sind kindliche Modi, etwa der verletzte, verlassene oder wütende Anteil. Da sind innere Kritiker, die fordern oder strafen und nicht selten wie eine frühere Bezugsperson klingen. Da sind Bewältigungsmodi, die abschalten, sich anpassen oder angreifen. Und da ist der gesunde Erwachsene, der wahrnimmt, was gerade geschieht, und sich um die eigenen Bedürfnisse kümmert, ohne andere aus dem Blick zu verlieren.
Diese Unterscheidung wirkt unscheinbar. Sie verändert aber die Perspektive. Ob ich denke „Ich bin unfähig“ oder bemerke „Da meldet sich gerade mein strenger Kritiker“, macht einen Unterschied. Im zweiten Fall entsteht ein kleiner Abstand, und in diesem Abstand lässt sich arbeiten.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Die Schematherapie habe ich in einer Fachfortbildung vertieft. In meiner Praxis in Salzkotten ziehe ich sie heran, wenn ein Anliegen eine lange Vorgeschichte hat und dasselbe Muster in immer neuen Situationen auftaucht. Mich interessiert dann weniger, wie sich die Beschwerden kurzfristig dämpfen lassen, und mehr, wie sie entstanden sind.
Das Wiederkehrende genau ansehen
Im Erstgespräch und in den ersten Sitzungen schauen wir auf die Situationen, in denen Sie immer wieder an derselben Stelle hängen bleiben. Was löst es aus, was folgt darauf, seit wann kennen Sie das?
Die Herkunft verstehen
Gemeinsam suchen wir nach den Erfahrungen, in denen ein Schema entstanden ist, und nach dem Bedürfnis, das damals offen blieb. Das braucht Zeit und geschieht in Ihrem Tempo.
Die eigenen Modi kennenlernen
Sie lernen, Ihre Modi auseinanderzuhalten und früher zu merken, wann einer von ihnen die Führung übernimmt.
Mit dem Gefühl arbeiten
Wo es passt, nutze ich Methoden der Schematherapie wie Imaginationsübungen oder Dialoge mit verschiedenen inneren Anteilen. Dabei wird eine alte Szene innerlich noch einmal betreten, und diesmal bekommt das Kind von damals, was ihm gefehlt hat.
Im Alltag erproben
Was in der Sitzung deutlich wird, nehmen Sie mit nach draußen. Hier ist die Verhaltenstherapie wieder ganz in ihrem Element: kleine, konkrete Schritte, die sich ausprobieren und auswerten lassen.
Wie lange dieser Weg dauert, lässt sich vorher nicht seriös sagen. Ich halte wenig davon, Zeiträume zu versprechen, die vom Leben eines anderen Menschen abhängen.
Häufige Fragen
Ist Schematherapie etwas anderes als Verhaltenstherapie?
Sie ist aus ihr hervorgegangen und nutzt deren Werkzeuge weiter. Hinzu kommen der Blick auf die Lebensgeschichte, die Arbeit mit Gefühlen und inneren Bildern und ein größeres Gewicht auf der therapeutischen Beziehung selbst. In meiner Arbeit greifen beide ineinander.
Muss ich dafür über meine Kindheit sprechen?
Zum Teil ja, weil dort die meisten Schemata ihren Anfang nehmen. Das heißt aber nicht, dass jede Stunde in der Vergangenheit spielt. Ausgangspunkt bleibt Ihr heutiges Leben, und wie weit wir zurückgehen, entscheiden wir gemeinsam.
Wie kann ich einen Termin vereinbaren?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung. Am Anfang steht ein Erstgespräch von etwa 45 Minuten für 50 €, danach dauern die Sitzungen 60 Minuten und kosten 120 €. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen, eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Die Praxis liegt in Salzkotten an der Lindentrift 36 und ist auch aus Geseke, Delbrück oder Büren gut zu erreichen. Wer nicht anreisen möchte, kann die Videosprechstunde nutzen.