Kurz erklärt
Die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik (PKP) ist ein Diagnostikverfahren der Kognitiven Verhaltenstherapie. Sie fragt nach den erlernten Denkmustern hinter einer Beschwerde, ordnet sie den Bereichen Selbstwert, Frustrationsintoleranz oder Existenzielles zu und leitet daraus einen Behandlungsplan ab.
Was ist Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik?
Wer zum ersten Mal in eine Praxis kommt, bringt selten ein sauber umrissenes Problem mit. Eher ein Bündel. Schlechter Schlaf, ein Streit, der sich wiederholt, eine Aufgabe, die seit Wochen liegen bleibt, und das Gefühl, irgendwie festzustecken.
Die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik, kurz PKP, ordnet dieses Bündel. Sie stammt aus der Kognitiven Verhaltenstherapie und ist in der Fachliteratur als PKP nach Stavemann und Hülsner beschrieben. Ihre Leitfrage lautet nicht, wie ein Beschwerdebild heißt, sondern warum ein Mensch in bestimmten Situationen so reagiert, wie er reagiert.
Die Antwort sucht die PKP in erlernten Konzepten. Gemeint sind Regeln und Überzeugungen, die meist früh im Leben übernommen wurden, oft durch Vorbilder, und die heute im Hintergrund mitlaufen. Sie bestimmen, wie jemand eine Situation bewertet. Und aus der Bewertung folgen Gefühl und Verhalten.
Diese Konzepte lassen sich nach der PKP auf wenige Problembereiche zurückführen. Bei einem Selbstwertproblem hängt der eigene Wert an Bedingungen wie Leistung, Anerkennung oder Beliebtheit. Bei einem Frustrationsintoleranzproblem steht die Überzeugung im Weg, Unangenehmes oder Unerwünschtes nicht aushalten zu können oder nicht aushalten zu müssen. Existenzielle Probleme berühren Fragen nach Sinn, Lebenszielen und der eigenen Endlichkeit.
Warum steht die Diagnostik vor der Behandlung?
Ein Symptom beschreibt, was sichtbar ist. Es erklärt nicht, woher es kommt.
Nehmen wir zwei Menschen, die beide seit Wochen dieselbe Aufgabe vor sich herschieben. Die eine fürchtet insgeheim, das Ergebnis könnte beweisen, dass sie es nicht kann. Der andere findet die Aufgabe so zäh und lästig, dass er sie sich schlicht nicht zumuten will. Von außen sieht beides gleich aus. Innen laufen zwei verschiedene Programme. Wer bei beiden nur am Aufschieben ansetzt, mit Plänen, Erinnerungen und guten Vorsätzen, trainiert womöglich bei beiden am Kern vorbei.
Bleibt die Ursache unberührt, kann die alte Beschwerde zurückkehren, oder das gleiche Problem zeigt sich später in anderer Form. In der Verhaltenstherapie spricht man dann von Symptomverschiebung. Gerade deshalb halte ich wenig davon, gleich in der ersten Stunde mit Übungen zu beginnen. Eine Übung ist nur so gut wie das Verständnis, auf dem sie aufbaut.
Wie läuft die PKP praktisch ab?
In meiner Praxis beginnt die Diagnostik meist mit einer konkreten Situation aus den letzten Tagen. Je genauer, desto besser.
Ein allgemeines Beispiel: Jemand hört in einer Teambesprechung, sein Bericht sei lückenhaft. Dann gehe ich mit ihm Schritt für Schritt durch, was passiert ist.
Was genau wurde gesagt, und von wem? Das ist die Situation. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf? Vielleicht: „Jetzt halten mich alle für unfähig.“ Das ist die Bewertung. Was haben Sie gefühlt, und wie stark? Scham, Anspannung, ein heißer Kopf. Was haben Sie getan oder gelassen? Er hat den Rest der Sitzung geschwiegen und abends noch zwei Stunden am Bericht gesessen. Und was folgte daraus? Kurzfristig etwas Erleichterung. Langfristig Erschöpfung, und die Befürchtung wurde nie überprüft.
In der Integrativen KVT schreiben wir das als ABC-Schema auf, ergänzt um ein Ziel: Was möchten Sie in einer solchen Situation künftig anders erleben?
Bis hierhin ist das klassische Verhaltensanalyse. Die PKP fragt eine Ebene tiefer. Was müsste wahr sein, damit dieser Gedanke so wehtut? Welche Regel steckt dahinter? Oft taucht dann ein Satz auf wie: „Ich bin nur etwas wert, wenn ich keine Fehler mache.“ Damit ist nicht mehr nur eine Besprechung erklärt. Derselbe Satz wirkt vermutlich auch beim Elternabend, beim Telefonat mit dem Vermieter, beim Blick in den Spiegel.
Der nächste Schritt ist der Blick aufs Ganze. Manchmal bestehen zwei Probleme nebeneinander, unabhängig voneinander. Die PKP nennt das eine horizontale Analyse. Manchmal baut ein Problem auf dem anderen auf: Jemand schiebt eine lästige Aufgabe auf und wertet sich anschließend dafür ab, dass er schon wieder aufgeschoben hat. Dann liegen zwei Ebenen übereinander, und es ist für die Behandlung wichtig zu wissen, welche zuerst kommt. Das klärt die vertikale Analyse.
Ein Symptom zeigt, dass etwas nicht stimmt. Was nicht stimmt, zeigt erst die Analyse.
Was bringt die PKP für Ihr Behandlungsziel?
Am Ende der Diagnostik steht ein Modell, das Sie selbst nachvollziehen können. Es erklärt, statt nur zu benennen: In diesen Situationen denke ich so, weil ich irgendwann diese Regel gelernt habe, und deshalb fühle und handle ich so. Ein Problem, das man durchschaut, ist nicht kleiner, aber man steht ihm anders gegenüber. Das ist noch keine Veränderung. Es ist die Voraussetzung dafür.
Das Ziel wird dadurch genauer. „Weniger Stress“ ist kein Behandlungsziel, mit dem sich arbeiten lässt. „Kritik an meiner Arbeit hören, ohne meinen Wert als Person in Frage zu stellen“ schon.
Auch der Behandlungsplan ergibt sich aus dem Modell. Bei einem Selbstwertproblem arbeiten wir am Maßstab, mit dem Sie sich bewerten. Bei einem Frustrationsintoleranzproblem geht es um die Forderung, dass die Dinge anders sein müssten, und um das Aushalten von Unangenehmem. Bei existenziellen Fragen stehen Lebensziele im Vordergrund. Und wenn Probleme übereinanderliegen, legt die Analyse die Reihenfolge fest.
Wo ein Muster sehr früh entstanden ist und sich eher im Körper als im Kopf meldet, ergänze ich die Verhaltenstherapie um schematherapeutische Ansätze und um Ansätze aus NARM. Die Grundlage bleibt das Modell aus der Diagnostik.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. In meiner Praxis in Salzkotten sieht der Ablauf so aus:
Erstgespräch
In rund 45 Minuten erzählen Sie, was Sie zu mir führt, und ich frage nach. Wir prüfen gemeinsam, ob die Zusammenarbeit passt. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Situationen sammeln
Wir suchen Momente aus Ihrem Alltag, in denen das Problem auftaucht, und gehen sie genau durch: Situation, Gedanke, Gefühl, Verhalten, Folgen.
Regeln und Konzepte herausarbeiten
Mit Fragen statt Deutungen suchen wir die Überzeugung, die Ihre Bewertungen speist. Woher Sie sie kennen, interessiert mich dabei genauso wie ihre Wirkung heute.
Das Problemmodell aufschreiben
Wir halten fest, welcher Problembereich im Vordergrund steht und ob mehrere Probleme nebeneinander oder übereinander liegen. Sie bekommen das Modell in Ihren eigenen Worten.
Ziel und Behandlungsplan ableiten
Aus dem Modell formulieren wir ein Ziel, das konkret genug ist, um es zu überprüfen, und legen die Reihenfolge der Schritte fest.
Behandeln und nachschärfen
Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Zeigt sich im Verlauf etwas Neues, passen wir das Modell an.
Häufige Fragen
Ist die PKP ein Test oder Fragebogen?
Im Kern ist sie ein strukturiertes Gespräch. Ein Fragebogen zur Lebensgeschichte kann ergänzen, ersetzt aber nicht das genaue Nachfragen zu konkreten Situationen.
Wie lange dauert die Diagnostik?
Das hängt davon ab, wie verwickelt die Lage ist. Ein erstes Modell steht in der Regel nach einigen Sitzungen. Ganz abgeschlossen ist die Diagnostik eigentlich nie, weil sich das Bild im Verlauf weiter schärft.
Wer trägt die Kosten?
Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Ob eine private Krankenversicherung oder eine Zusatzversicherung etwas erstattet, hängt von Ihrem Tarif ab.
Muss ich dafür nach Salzkotten kommen?
Die Praxis liegt an der Lindentrift 36 und ist aus dem Kreis Paderborn gut erreichbar, etwa aus Geseke, Delbrück oder Büren. Sitzungen per Video sind ebenfalls möglich. Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.