Ansätze in meiner Praxis

NARM in Salzkotten und was frühe Bindung mit dem Heute zu tun hat

Manche Muster sind älter als das Problem, mit dem jemand in die Praxis kommt. Warum ich als Verhaltenstherapeut auf NARM schaue und was ich davon in meine Arbeit einfließen lasse.

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Vater hält sein neugeborenes Kind nah am Körper: frühe Bindung als Thema von NARM
Foto: @kellysikkema / Unsplash

Kurz erklärt

NARM (NeuroAffective Relational Model) ist ein von Laurence Heller entwickelter Ansatz für die Folgen von Entwicklungs- und Bindungstrauma. Er arbeitet im Hier und Jetzt mit Selbstregulation, Beziehungsfähigkeit und dem Erleben der eigenen Person.

Warum ich weiter frage

Die Verhaltenstherapie ist mein Handwerk. Ich arbeite mit Gedanken, Bewertungen und Verhalten, mit Zielen, die sich überprüfen lassen, und mit dem Sokratischen Dialog. Das trägt weit. Aber nicht immer bis ans Ende.

Es gibt Menschen, die sehr genau verstehen, warum eine ihrer Überzeugungen nicht stimmt, und sich trotzdem genauso fühlen wie vorher. Der Kopf ist weiter als der Rest. An dieser Stelle hilft es wenig, das Argument ein drittes Mal zu wiederholen. Dann lohnt sich die Frage, woher das Muster kommt und welche Aufgabe es einmal hatte.

Beschwerden, mit denen jemand heute kommt, haben oft eine Vorgeschichte, die weit vor dem eigentlichen Problem beginnt. Wer als Kind erlebt hat, dass Nähe unberechenbar war oder dass die eigenen Bedürfnisse keinen Platz hatten, hat sich darauf eingestellt. Das war damals klug. Solche Anpassungen laufen aber weiter, auch wenn das Leben längst anders aussieht. In der Arbeit mit Pflegekindern und Jugendlichen aus schwierigen familiären Verhältnissen, die ich seit Jahren begleite, sehe ich das sehr deutlich.

Deshalb befinde ich mich seit 2025 am UTA Institut in Köln in einer zweijährigen Ausbildung im NeuroAffective Relational Model, kurz NARM, und lasse Elemente davon in meine Arbeit in Salzkotten einfließen. Die Ausbildung ist nicht abgeschlossen. Ich nutze NARM ergänzend, als Blickwinkel und als Haltung im Gespräch, neben der kognitiven Verhaltenstherapie.

Was NARM ist

Entwickelt hat den Ansatz der amerikanische Psychologe Laurence Heller. NARM richtet sich auf die Folgen von Entwicklungs- und Bindungstrauma. Gemeint sind damit weniger einzelne Ereignisse als Erfahrungen, die sich über Jahre wiederholt haben: ein Familienklima, in dem niemand richtig hingeschaut hat, Bezugspersonen, die selbst überfordert waren, ein Zuhause, in dem man vorsichtig sein musste.

NARM verbindet zwei Ebenen. Die eine ist das Selbstbild, also die Art, wie jemand über sich denkt und fühlt. Die andere ist der Körper, genauer das Nervensystem und seine Fähigkeit, sich nach Anspannung wieder zu beruhigen. Heller geht davon aus, dass frühe Erfahrungen auf beiden Ebenen Spuren hinterlassen und dass sich beide gegenseitig beeinflussen.

Die Vergangenheit wird in NARM nicht nacherlebt. Das ist mir wichtig, weil viele Menschen genau davor Sorge haben. Der Ansatz interessiert sich dafür, wie sich alte Anpassungen heute zeigen, in diesem Gespräch, in dieser Woche. Wie jemand Kontakt aufnimmt oder ihm ausweicht. Wie viel Lebendigkeit er sich zugesteht. Was er über sich glaubt, wenn etwas schiefgeht.

Für mich als Verhaltenstherapeut ist das gut anschlussfähig. Auch die Verhaltenstherapie arbeitet mit dem, was jetzt geschieht. Und die Schematherapie, in der ich mich fortgebildet habe, fragt ebenfalls nach frühen Bedürfnissen, die zu kurz gekommen sind. NARM richtet die Aufmerksamkeit stärker auf das Erleben im Moment und auf den Körper.

Die fünf Kernbedürfnisse

Heller beschreibt fünf Grundbedürfnisse, die für eine gesunde Entwicklung wichtig sind. Das erste ist Kontakt: mit sich selbst, dem eigenen Körper und anderen Menschen in Verbindung zu sein. Das zweite ist Einstimmung. Ein Kind braucht jemanden, der wahrnimmt, was es gerade braucht, und darauf eingeht. Daraus lernt es, die eigenen Bedürfnisse überhaupt zu spüren.

Dann Vertrauen, also die Erfahrung, sich auf andere verlassen zu können, ohne dabei sich selbst aufzugeben. Autonomie meint die Freiheit, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen, ohne Angst, dafür Zuwendung zu verlieren. Und schließlich Liebe und Sexualität: ein offenes Herz und eine lebendige Sexualität miteinander verbinden zu können.

Wird eines dieser Bedürfnisse immer wieder nicht beantwortet, findet ein Kind einen Weg, damit zurechtzukommen. Heller nennt diese Muster Überlebensstile. Der Begriff ist bewusst gewählt. Es geht um Anpassungsleistungen, nicht um Defekte. Die meisten Menschen tragen Anteile mehrerer Stile in sich, und keiner davon ist eine Diagnose. Ich nutze die fünf Bereiche deshalb als Orientierung: An welcher Stelle wird es für jemanden eng, und was hat ihm damals geholfen, das auszuhalten?

Arbeit im Hier und Jetzt

In der Praxis sieht das unspektakulär aus. Wir sprechen über ein konkretes Anliegen. Zwischendurch halte ich manchmal an und frage, was gerade im Körper geschieht, wenn ein bestimmtes Thema auftaucht. Ob der Atem flacher wird. Ob etwas weicher wird. Solche Beobachtungen sind keine Technik, die etwas erzwingen soll. Sie geben Hinweise darauf, wie Selbstregulation bei diesem Menschen funktioniert und wo sie an Grenzen kommt.

Ein zweiter Punkt betrifft die eigene Handlungsfähigkeit. NARM fragt weniger danach, wer damals was falsch gemacht hat. Die Frage lautet eher, wie jemand heute selbst an einem Muster mitwirkt, das ihm schadet, und wo er beginnen kann, es anders zu machen. Mit Schuld hat das nichts zu tun. Hier setzt die Arbeit an.

Ein Überlebensstil war einmal eine kluge Antwort. Ob er heute noch die beste ist, darf man in Ruhe prüfen.

Beziehungsfähigkeit und innere Verbundenheit entstehen dabei nicht durch Übungen allein. Sie wachsen eher in einer Beziehung, in der man nicht bewertet wird.

Eine Grenze möchte ich klar benennen. Bei akuten Krisen, bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, oder wenn der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist, braucht es zuerst ärztliche Hilfe. Wenden Sie sich dann an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112.

So arbeite ich

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten lernen wir uns kennen. Sie schildern Ihr Anliegen so ausführlich, wie Sie möchten, und wir klären, ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Ein klares Anliegen

    Wir halten fest, was sich für Sie verändern soll. Darauf kommen wir immer wieder zurück, damit die Gespräche nicht ins Ungefähre laufen.

  3. Gedanken und Bewertungen

    Mit verhaltenstherapeutischen Mitteln schauen wir, welche Überzeugungen ein Muster aufrechterhalten und wie sie entstanden sind.

  4. Erleben im Moment

    Wo es passt, lasse ich Elemente aus NARM einfließen: Aufmerksamkeit für Körper und Gefühl, für Selbstregulation und für die Art, wie Sie in Beziehung gehen. Das Tempo bestimmen Sie.

  5. Zwischenbilanz

    In regelmäßigen Abständen prüfen wir gemeinsam, was sich bewegt hat und was nicht. Die Sitzungen dauern 60 Minuten und kosten 120 Euro.

Häufige Fragen

Muss ich ausführlich über meine Kindheit sprechen?

Nein. NARM arbeitet mit dem, was heute da ist. Die Vergangenheit kommt zur Sprache, wenn sie hilft, ein gegenwärtiges Muster zu verstehen. Was Sie erzählen und wie viel, entscheiden Sie selbst.

Sind Sie NARM-Therapeut?

Nein. Ich befinde mich in einer zweijährigen Ausbildung in NARM, die noch läuft, und lasse Elemente davon in meine Arbeit einfließen. Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung. Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist auch aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar.

Praxis in Salzkotten

Der erste Schritt ist ein Gespräch

Im Erstgespräch klären wir Ihr Anliegen und ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt. Danach entscheiden Sie in Ruhe.

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