Kurz erklärt
Stress ist die körperliche und seelische Reaktion auf Anforderungen, die ein Mensch als bedrohlich oder überfordernd erlebt. Ob eine Situation Stress auslöst, hängt davon ab, wie man die Anforderung und die eigenen Möglichkeiten, mit ihr fertigzuwerden, einschätzt.
Warum stresst dieselbe Situation manche mehr als andere?
Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Montagmorgen bei einer berufstätigen Mutter von zwei Grundschulkindern. Das Pausenbrot ist noch nicht geschmiert, der Jüngere findet seinen zweiten Schuh nicht, und das Radio meldet Stau auf der B1. Sie spürt, wie ihr Puls hochgeht. „Das kann doch nicht sein, dass hier jeden Morgen das Chaos ausbricht.“ Sie wird laut, der Kleine weint, und auf der Fahrt ins Büro ärgert sie sich über sich selbst. Ihr Mann erlebt dieselben Morgen. Er findet sie anstrengend. Mehr nicht.
Dieselbe Lage, zwei sehr verschiedene Reaktionen. Das ist kein Zufall und auch keine Frage, wer der stärkere Mensch ist.
In der Psychologie hat sich ein Modell durchgesetzt, das Stress als Ergebnis von Einschätzungen beschreibt, das transaktionale Stressmodell nach Lazarus. Zuerst bewertet man die Situation: Ist das gefährlich, ärgerlich, eine Herausforderung oder belanglos? Dann folgt die Frage, ob man genug hat, um damit fertigzuwerden. Zeit, Kraft, Können, Unterstützung. Stress entsteht, wenn die Anforderung größer erscheint als die eigenen Möglichkeiten. Das wichtige Wort ist „erscheint“.
Was hält Stress aufrecht?
Gehen wir den Montagmorgen nach dem kognitiven Modell durch. Die Situation: Schuh weg, Brot nicht fertig, Stau gemeldet. Die Bewertung: „Das darf nicht sein. Morgens muss es reibungslos laufen.“ Das Gefühl: Ärger, Anspannung, Hetze. Das Verhalten: Sie treibt an, schimpft, rennt zwischen Flur und Küche hin und her. Die Folgen: Die Kinder werden langsamer statt schneller, der Streit kostet zehn Minuten, und den Rest des Vormittags trägt sie ein schlechtes Gewissen mit sich herum. Der Körper bleibt im Alarm, lange nachdem der Schuh wieder aufgetaucht ist.
In der kognitiven Verhaltenstherapie heißen solche Sätze Forderungen. „Es muss …“, „Das darf nicht …“, „Das halte ich nicht aus.“ Sie gehören zu einem Problembereich, den man Frustrationsintoleranz nennt. Gemeint ist die Überzeugung, Unangenehmes nicht ertragen zu können oder nicht ertragen zu müssen. Ein Wunsch klingt anders: „Ich hätte gern einen ruhigen Morgen.“ Wird er nicht erfüllt, ist man enttäuscht oder genervt. Wird eine Forderung nicht erfüllt, schlägt der Körper Alarm.
Ein unerfüllter Wunsch enttäuscht. Eine unerfüllte Forderung versetzt den Körper in Alarm.
Manchmal steckt hinter Stress auch eine Selbstwertregel. „Wenn ich das nicht schaffe, bin ich unfähig.“ Dann geht es bei jeder Aufgabe um mehr als die Aufgabe selbst.
Zwei Dinge verschärfen das Ganze. Das erste ist fehlende Erholung. Unter Druck streichen die meisten zuerst, was ihnen eigentlich guttut: Sport, Freunde, den freien Abend. Kurzfristig gewinnt man Zeit. Langfristig fehlt genau das, was die Anspannung wieder senkt. Das zweite sind Werte. Eine anstrengende Woche für etwas, das Ihnen wichtig ist, fühlt sich anders an als eine Woche voller Pflichten, hinter denen Sie nicht stehen. Wer ständig gegen die eigenen Werte lebt, erschöpft schneller. Ein Vater, der für ein Herzensprojekt im Verein abends noch Pläne zeichnet, ist hinterher müde, aber zufrieden. Derselbe Vater ist nach drei Abenden mit Berichten, die er für sinnlos hält, ausgelaugt und schlecht gelaunt. Die Stunden sind gleich. Die Bedeutung ist es nicht.
Wann wird Stress zum Problem?
Kurzer Stress gehört zum Leben. Vor einer Prüfung oder einer schwierigen Besprechung macht er wach und konzentriert. Zum Problem wird er, wenn die Anspannung nicht mehr abklingt.
Der Körper unterscheidet dabei nicht, ob die Bedrohung ein Hund ist, der bellend auf einen zuläuft, oder ein Posteingang mit neunzig ungelesenen Mails. Er schüttet Stresshormone aus, der Herzschlag steigt, die Muskeln spannen sich. Das ist für kurze Zeit gedacht. Kommt nach der Anspannung keine Entspannung mehr, bleibt das System dauerhaft auf erhöhter Stufe. Typische Zeichen sind schlechter Schlaf, Gereiztheit, Verspannungen, Kopf- oder Magenschmerzen und das Gefühl, auch am Wochenende nicht abschalten zu können.
Körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerzen oder hoher Blutdruck gehören zuerst zum Hausarzt. Und wenn zur Anspannung eine tiefe Erschöpfung oder anhaltende Niedergeschlagenheit kommt, schauen wir genau hin, ob ein Burnout oder eine Depression dahintersteht.
Ist Stress nur ein Symptom?
Anspannung, Gereiztheit, Herzklopfen und Verspannungen sind die Symptome. Die Ursache liegt seltener in den Ereignissen selbst als in den emotionalen Turbulenzen, die sie in uns auslösen. Deshalb lässt derselbe Termindruck den einen fast unberührt und bringt den anderen an seine Grenze.
Wie stark diese Turbulenzen ausfallen, bestimmen persönliche Konzepte.
Selbstwertkonzepte. Ein Fehler oder eine Kritik gilt nicht als Ereignis, sondern als Urteil über die eigene Person. Jede Rückmeldung wird so zum Prüfstein.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Störungen, Verzögerungen und Ungerechtigkeiten „dürfen nicht sein“. Der Alltag liefert sie aber täglich, und mit ihnen den Ärger.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Alles muss vorhersehbar und geregelt sein. Jede Abweichung vom Plan wird als Bedrohung erlebt und mit noch mehr Planung beantwortet.
Hier setzt die Therapie ihren Schwerpunkt. Entspannungsübungen und Zeitplanung helfen, verändern aber die Bewertungen nicht. Wir arbeiten die Konzepte heraus und prüfen sie. Werden die emotionalen Turbulenzen seltener, sinkt das Stressniveau in vielen Fällen spürbar, auch wenn die äußeren Anforderungen bleiben.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Stress sieht der Ablauf in meiner Praxis so aus:
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten erzählen Sie, wo und wann der Stress Sie am stärksten erwischt. Ich frage nach Schlaf, Körper und Ihrem Alltag. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Situationen analysieren
Wir nehmen typische Stressmomente auseinander: Situation, Bewertung, Gefühl, Verhalten, Folgen. Oft zeigt sich schon hier, wie wenig die Situation selbst und wie viel die Bewertung ausmacht.
Grundannahmen herausarbeiten und Ziel festlegen
Wir suchen die Forderungen und Regeln hinter Ihren Reaktionen. Geht es eher um Frustrationsintoleranz oder um den Selbstwert? Dazu klären wir, was Ihnen wirklich wichtig ist, und formulieren daraus ein überprüfbares Ziel.
Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen
Ich frage nach, statt Antworten vorzugeben. Muss es wirklich so sein? Woher wissen Sie, dass Sie es nicht aushalten? Was wäre, wenn aus dem Muss ein Wunsch würde?
Üben im Alltag
Sie probieren neue Bewertungen in echten Situationen aus. Dazu kommen Erholungszeiten, die fest im Kalender stehen, und auf Wunsch ein Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung.
Abschluss und Rückfallvorbeugung
Wir halten fest, woran Sie merken, dass die alten Forderungen zurückkommen, und was Sie dann tun.
Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Sitzungen per Video sind möglich. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Häufige Fragen
Reichen Entspannungsübungen gegen Stress nicht aus?
Entspannungsverfahren senken die Anspannung und sind eine sinnvolle Ergänzung. An den Forderungen, die den Stress immer wieder auslösen, ändern sie aber wenig. Deshalb arbeiten wir an beidem.
Ist das nicht einfach Zeitmanagement?
Ein guter Plan hilft, wenn Ihnen wirklich die Zeit fehlt. Wer aber glaubt, alles müsse perfekt laufen, wird auch mit dem besten Plan unter Druck stehen.
Wie lange dauert eine Behandlung bei Stress?
Das lässt sich vorab nicht seriös sagen. Es hängt davon ab, wie fest die Forderungen sitzen und wie viel Sie zwischen den Sitzungen ausprobieren. Manche kommen mit wenigen Terminen aus, andere brauchen länger. Wir schauen in regelmäßigen Abständen gemeinsam, wo Sie stehen.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.