Kurz erklärt
Eine Panikattacke ist ein plötzlicher Anfall starker Angst mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot oder Schwindel, der meist nach wenigen Minuten seinen Höhepunkt erreicht. Von einer Panikstörung spricht man, wenn solche Attacken wiederholt unerwartet auftreten und die Angst vor der nächsten Attacke den Alltag einschränkt.
Was passiert bei einer Panikattacke?
Ein Verlauf, wie ihn viele Betroffene in ähnlicher Form schildern, hier verallgemeinert: Jemand steht an einem Samstagvormittag in der Schlange an der Supermarktkasse. Plötzlich schlägt das Herz schneller. Die Hände werden feucht, die Luft reicht nicht mehr bis in den Bauch. Dann der Gedanke: „Mit meinem Herzen stimmt etwas nicht.“ Innerhalb von Sekunden wird aus dem Unbehagen Todesangst. Er lässt den Korb stehen, geht nach draußen und setzt sich ins Auto. Nach zehn Minuten ist es vorbei. Zurück bleiben Erschöpfung und eine Frage, die ihn von da an begleitet: Was, wenn das wieder passiert?
Eine Panikattacke ist ein Anfall heftiger Angst, der rasch ansteigt und meist nach einigen Minuten seinen Höhepunkt erreicht. Typisch sind Herzrasen, Atemnot, Enge in der Brust, Schwindel, Zittern, Kribbeln in Händen oder Lippen. Dazu kommt die Furcht, zu sterben, ohnmächtig zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden.
Der Körper tut dabei nichts Krankhaftes. Er schaltet in den Alarmzustand, den wir für echte Gefahr brauchen. Nur gibt es keine Gefahr. Der Alarm ist echt, der Anlass nicht.
Ein Schritt gehört trotzdem an den Anfang. Lassen Sie Herz und Schilddrüse ärztlich untersuchen. Herzrhythmusstörungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion können Beschwerden machen, die einer Panikattacke sehr ähneln. Ist körperlich alles in Ordnung, weiß die Therapie, woran sie ist.
Warum hält sich die Angst vor der Angst so hartnäckig?
Das kognitive Modell der Panik nach Clark erklärt, warum aus einer einzelnen Attacke ein Muster wird. Der Ausgangspunkt ist eine Körperempfindung, die eigentlich harmlos ist: ein Stolpern des Herzens, ein leichter Schwindel nach dem Aufstehen. Was dann geschieht, hängt von der Bewertung ab. Wer die Empfindung als Zeichen einer Katastrophe deutet, bekommt Angst. Angst beschleunigt Herz und Atem. Die stärkeren Symptome scheinen die Befürchtung zu bestätigen, also steigt die Angst weiter. Ein Teufelskreis, der sich in Sekunden hochschaukeln kann.
Nach der ersten Attacke verändert sich noch etwas. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Viele Betroffene horchen ständig in sich hinein, fühlen den Puls, achten auf jedes Ziehen in der Brust. Wer so genau hinschaut, findet auch etwas. Jede gefundene Empfindung ist ein neuer möglicher Auslöser.
Und dann beginnt das, was die Angst auf Dauer stabil hält. Orte, an denen es schon einmal passiert ist, werden gemieden: der Supermarkt am Samstag, die Autobahn. Wo Vermeidung nicht geht, kommt Sicherheitsverhalten dazu. Immer eine Wasserflasche dabei, das Handy griffbereit, nur in Begleitung aus dem Haus, bei den ersten Anzeichen hinsetzen und festhalten.
Das ist verständlich. Es hat aber eine Nebenwirkung, die kaum jemand bemerkt. Wer sich bei Schwindel immer hinsetzt, erlebt nie, dass er auch im Stehen nicht umgefallen wäre. Das Gehirn zieht den falschen Schluss: „Das ist gerade noch einmal gutgegangen, weil ich mich hingesetzt habe.“ Die Befürchtung bleibt unangetastet. Durch jede vermeintliche Rettung wird sie sogar bestätigt.
Sicherheitsverhalten schützt vor einer Katastrophe, die nicht gekommen wäre, und verhindert genau die Erfahrung, die beruhigen würde.
Was hilft gegen Panikattacken auf Dauer?
Entspannungsübungen und Atemtechniken haben ihren Platz. Werden sie aber zur Rettung vor der nächsten Attacke, funktionieren sie wie jedes andere Sicherheitsverhalten. Sie bestätigen indirekt, dass die Symptome gefährlich sind und schnell weg müssen.
Die kognitive Verhaltenstherapie setzt an der Bewertung an. Gut untersucht ist die Verbindung aus kognitiver Arbeit und Exposition, und sie wird in Leitlinien zur Behandlung der Panikstörung empfohlen. Zuerst prüfen wir die Befürchtung selbst. Wie oft hatten Sie schon Herzrasen? Wie oft ist daraus ein Herzinfarkt geworden? Was spricht für Ihre Deutung, was dagegen, zumal Ihr Herz ärztlich untersucht ist?
Allein durch Nachdenken ändert sich die Angst selten. Sie braucht die Erfahrung, dass nichts passiert. Hier kommt die interozeptive Exposition ins Spiel. Wir lösen die gefürchteten Körperempfindungen absichtlich aus, zuerst in der Sitzung, später zu Hause. Eine Minute auf der Stelle laufen, bis das Herz pocht. Durch einen dünnen Strohhalm atmen, bis die Luft knapp wirkt. Sich auf einem Drehstuhl drehen, bis Schwindel einsetzt. Das ist unangenehm. Viele erleben dabei aber zum ersten Mal, dass Herzrasen einfach Herzrasen ist.
Danach geht es in die Situationen, die Sie bisher meiden. Das nennt man Exposition in vivo. Dabei lassen Sie das Sicherheitsverhalten nach und nach weg. Wer mit Wasserflasche, Tablette in der Tasche und Begleitung einkaufen geht, lernt wenig Neues.
Und es gibt eine Ebene darunter. Nach der PKP frage ich, welche Grundannahme die Panik füttert. Oft ist es eine Überzeugung aus dem Bereich der Frustrationsintoleranz: „Angst ist unerträglich, das halte ich nicht aus.“ Manchmal steckt ein Selbstwertthema dahinter: „Wenn ich vor anderen zusammenbreche, bin ich erledigt.“ Wer diese Annahme erkennt, versteht plötzlich, warum die Angst gerade in bestimmten Situationen so laut wird.
Welche Ursachen stecken hinter Panikattacken?
Die Panikattacke ist das, was man spürt. Die Ursache ist sie selten. Häufig steht sie am Ende emotionaler Turbulenzen, die sich über Wochen oder Monate aufgebaut haben: Überforderung im Beruf, ein schwelender Konflikt, das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Der Körper schlägt Alarm, lange bevor man selbst begreift, worum es eigentlich geht.
Hinter diesen Turbulenzen stehen meist persönliche Konzepte, also tief verankerte Annahmen über sich selbst und die Welt.
Selbstwertkonzepte. Wer glaubt, nur mit Leistung und Stärke etwas wert zu sein, erlebt Schwäche als Bedrohung. Ein Herzstolpern wird dann zum Zeichen, zu versagen.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Unangenehme Körpergefühle, Enge oder Warten gelten als unerträglich. Schon die Erwartung solcher Gefühle steigert die Anspannung.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Sicherheit muss vollständig sein, jede körperliche Regung braucht sofort eine Erklärung. Genau diese ständige Selbstbeobachtung hält die Angst wach.
In der Therapie richtet sich der Blick deshalb über die einzelne Attacke hinaus auf diese Konzepte. Wir prüfen sie und entwickeln tragfähigere Haltungen. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, verliert die Panik ihren Nährboden. Ist sie deren Folge, lassen die Attacken in vielen Fällen deutlich nach.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Ängsten und Panik verläuft die Arbeit in meiner Praxis meist so:
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten schildern Sie, wann die Angst auftritt und wie sie sich anfühlt. Ich frage nach der ärztlichen Abklärung. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Attacken analysieren
Wir gehen einzelne Situationen genau durch. Was haben Sie zuerst im Körper bemerkt, was gedacht, was getan? So entsteht Ihr persönlicher Teufelskreis auf Papier.
Grundannahmen und Ziel klären
Wir arbeiten heraus, welche Überzeugung hinter der Angst steht und ob eher Selbstwert oder Frustrationsintoleranz im Vordergrund steht. Daraus leiten wir ein Ziel ab, das sich überprüfen lässt, etwa wieder allein einkaufen zu gehen.
Befürchtungen prüfen
Im Sokratischen Dialog untersuchen wir Ihre Deutungen der Körpersignale. Ich stelle Fragen und gebe keine Antworten vor.
Üben im Alltag
Wir planen interozeptive Übungen und Expositionen in gefürchteten Situationen, Schritt für Schritt und ohne Sicherheitsverhalten. Was dabei passiert, werten wir in der nächsten Sitzung aus.
Abschluss und Rückfallvorbeugung
Gegen Ende besprechen wir, wie Sie mit einer einzelnen Attacke umgehen, falls doch wieder eine kommt. Sie bedeutet dann nicht, dass alles von vorn beginnt.
Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Sitzungen per Video sind möglich. Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Häufige Fragen
Kann man an einer Panikattacke sterben?
Für einen körperlich gesunden Menschen ist eine Panikattacke nicht gefährlich, so bedrohlich sie sich anfühlt. Genau deshalb steht die ärztliche Untersuchung von Herz und Schilddrüse am Anfang.
Brauche ich Medikamente?
Ob Medikamente sinnvoll sind, entscheidet Ihr Arzt. Die Verhaltenstherapie lässt sich mit einer medikamentösen Behandlung verbinden. Beruhigungsmittel für den Notfall können allerdings selbst zum Sicherheitsverhalten werden, und das sprechen wir offen an.
Was ist, wenn die Angst bei einer Übung zu stark wird?
Wir steigen dort ein, wo Sie es sich zutrauen, und steigern nach und nach. Angst steigt bei einer Übung an und fällt wieder ab, wenn man bleibt. Diese Erfahrung ist der Sinn der Übung. Das Tempo bestimmen Sie mit.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.