Trauer und Verlust

Trauer und Verlust verarbeiten in Salzkotten

Wer einen nahestehenden Menschen verliert, braucht in der Regel keine Therapie, sondern Zeit und andere Menschen. Manchmal bleibt die Trauer aber an einer Stelle hängen, und dann lohnt sich ein genauer Blick darauf, was sie festhält.

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Ältere Frau verabschiedet sich mit der Hand am geschmückten Sarg
Foto: @good_funeral_guide / Unsplash

Kurz erklärt

Trauer ist die natürliche Reaktion auf den Verlust eines Menschen, der einem wichtig war, und keine Krankheit. Von einer anhaltenden Trauerstörung spricht die ICD-11 erst, wenn Sehnsucht und seelischer Schmerz frühestens sechs Monate nach dem Verlust weiter so stark sind, dass sie das Leben deutlich einschränken.

Ist Trauer eine Krankheit?

Nein. Trauer ist die Antwort auf einen Verlust, und je enger die Bindung war, desto heftiger fällt sie oft aus. Schlaflose Nächte, Tränen an der Supermarktkasse, Wut auf die Ärzte, auf die Familie oder auf den Verstorbenen selbst, eine Leere, für die es keine Worte gibt. Das alles gehört in den ersten Wochen und Monaten zum Trauern dazu. Es braucht keine Behandlung. Es braucht Zeit, Menschen, die da sind, und die Erlaubnis, dass es so schwer sein darf.

Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Eine Frau Mitte fünfzig hat vor gut einem Jahr ihren Mann verloren. Nach außen funktioniert sie. Sie geht arbeiten, hält den Garten in Ordnung und beantwortet jede Nachfrage mit „Es geht schon“. Das Arbeitszimmer ihres Mannes hat sie seit der Beerdigung nicht mehr betreten. Am Friedhof fährt sie vorbei, ohne anzuhalten. Und fast jeden Abend kreist derselbe Gedanke: Hätte ich ihn früher zum Arzt geschickt, wäre er vielleicht noch da.

Das Problem ist hier nicht die Trauer. Das Problem ist, dass sie sich kaum noch bewegt.

Die ICD-11, das Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, kennt dafür die anhaltende Trauerstörung. Gestellt werden darf diese Diagnose frühestens sechs Monate nach dem Verlust. Und auch dann nur, wenn die Sehnsucht nach dem Verstorbenen oder die ständige gedankliche Beschäftigung mit ihm von starkem seelischem Schmerz begleitet wird, deutlich länger anhält, als es im eigenen sozialen und kulturellen Umfeld üblich ist, und den Alltag spürbar einschränkt. Die meisten Trauernden erfüllen diese Kriterien nicht. Ein Etikett hilft ihnen auch nicht weiter.

Warum bleibt Trauer manchmal stecken?

In der kognitiven Verhaltenstherapie schaue ich auf das, was ein Mensch über ein Ereignis denkt. Den Verlust kann niemand rückgängig machen. Die Bewertungen, die sich um ihn herum gebildet haben, lassen sich dagegen ansehen und prüfen.

Nehmen wir die Frau aus dem Beispiel. Die Situation: Sie steht abends vor der geschlossenen Tür des Arbeitszimmers. Die Bewertung: „Wenn ich da reingehe, breche ich zusammen und komme nie wieder hoch.“ Das Gefühl: Angst, vermischt mit Schuld. Das Verhalten: Sie geht weiter, schaltet den Fernseher ein und lenkt sich ab. Die Folge ist kurzfristig Erleichterung. Langfristig wird der Raum zu einem Ort, den es zu meiden gilt, und die Annahme, sie würde daran zerbrechen, wird nie überprüft.

So entsteht ein Teufelskreis. Vermeidung schützt im Moment. Gleichzeitig verhindert sie, dass der Verlust im Gedächtnis seinen Platz findet, und er fühlt sich weiter an wie etwas, das gerade erst passiert ist.

Hinter festgefahrener Trauer stehen häufig Annahmen über den Verlust selbst. „Ohne ihn hat mein Leben keinen Sinn mehr.“ Oder: „Wenn ich wieder lache, verrate ich sie.“ Dazu kommen Schuldgedanken wie „Ich hätte es merken müssen“. Im Nachhinein wirkt vieles offensichtlich, was damals niemand wissen konnte. Schuld hat dabei eine merkwürdige Funktion. Sie gibt dem Unfassbaren einen Grund, und ein Grund ist manchmal leichter zu ertragen als der Zufall. Ein dritter Gedanke betrifft die eigene Belastbarkeit: „Diesen Schmerz halte ich nicht aus.“ Gerade er führt in die Vermeidung, und die Vermeidung scheint ihn dann zu bestätigen.

Trauer lässt sich nicht abkürzen. Aber man kann aufhören, vor ihr davonzulaufen.

Wann sollte man bei Trauer Hilfe suchen?

Wenn sich über viele Monate nichts bewegt. Wenn Sie Orte, Fotos oder Gespräche über den Verstorbenen konsequent meiden. Wenn Schuldgefühle Ihren Alltag bestimmen oder Ihnen das eigene Leben sinnlos vorkommt. Auch eine Trauer, die noch frisch ist, kann so schwer wiegen, dass ein Gespräch entlastet. Dafür braucht es keine Diagnose.

Trauer geht oft mit Schlafstörungen, Appetitverlust und Erschöpfung einher. Halten diese Beschwerden an, sollte Ihr Hausarzt sie sich ansehen. Aus einer Trauer kann sich auch eine Depression entwickeln, und die gehört ärztlich mitbehandelt.

Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112. Rund um die Uhr erreichbar ist außerdem die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.

Von 2021 bis 2023 war ich Supervisor einer Palliativstation der Kreisklinik Roth. In dieser Zeit habe ich viel darüber gelernt, wie unterschiedlich Menschen mit Sterben und Abschied umgehen, und wie wenig sich Trauer an einen Zeitplan hält.

Was steckt hinter Trauer, die nicht leichter wird?

Trauer selbst ist kein Symptom. Sie ist die natürliche Antwort auf einen Verlust. Wird sie aber über lange Zeit nicht leichter, gewinnen Schuldgefühle, Bitterkeit oder Angst die Oberhand, liegt das häufig an emotionalen Turbulenzen, die sich über den Schmerz legen.

Diese Turbulenzen entstehen aus persönlichen Konzepten.

Selbstwertkonzepte. „Ich hätte es verhindern müssen.“ „Ohne ihn bin ich nichts.“ Solche Sätze verwandeln Schmerz in Selbstvorwürfe und das Gefühl, wertlos zu sein.

Frustrationsintoleranzkonzepte. „Das darf nicht passiert sein.“ Der Verlust wird als unerträgliche Ungerechtigkeit erlebt, und der innere Protest lässt keinen Abschied zu.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Ein Verlust zeigt, wie wenig sich im Leben absichern lässt. Wer viel Sicherheit braucht, reagiert darauf mit ständiger Sorge um die Menschen, die geblieben sind.

In der Begleitung achten wir den Schmerz und geben ihm Raum. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Konzepten, die ihn zusätzlich verschärfen. Werden diese Turbulenzen ruhiger, kann die Trauer in vielen Fällen wieder in Bewegung kommen und sich wandeln, ohne dass der verstorbene Mensch vergessen werden muss.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Trauer heißt das für mich: Ich will den Verlust nicht kleinreden. Ich will verstehen, was Sie daran hindert, mit ihm zu leben.

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten erzählen Sie, wen Sie verloren haben und was seitdem schwer ist. Wir klären gemeinsam, ob eine Begleitung jetzt sinnvoll ist oder ob Zeit und Ihr Umfeld vorerst reichen. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Konkrete Situationen anschauen

    Wir nehmen einzelne Momente: der Sonntagmorgen, der erste Geburtstag ohne ihn, die Tür, die zu bleibt. Was geht Ihnen dann durch den Kopf, was fühlen Sie, und was tun Sie?

  3. Grundannahmen herausarbeiten

    Nach der PKP nach Stavemann und Hülsner suchen wir die Überzeugungen hinter Ihren Bewertungen. Oft berührt Trauer Existenzielles, also Fragen nach Sinn und Endlichkeit. Manchmal steht Frustrationsintoleranz im Vordergrund, die Annahme, einen Schmerz nicht aushalten zu können. Hinter Schuldgedanken steckt häufig eine Frage des eigenen Werts.

  4. Ziel festlegen

    „Nicht mehr traurig sein“ ist kein sinnvolles Ziel. Eher: das Zimmer betreten können, am Grab stehen bleiben oder wieder zu einer Familienfeier gehen, ohne sich danach schuldig zu fühlen.

  5. Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen

    Wir schauen, was an „Ich hätte es wissen müssen“ haltbar ist, gemessen an dem, was Sie damals wussten, und nicht an dem, was Sie heute wissen.

  6. Üben und abschließen

    Schritt für Schritt wenden Sie sich dem zu, was Sie bisher gemieden haben, etwa Fotos, Orten oder Gesprächen über den Verstorbenen. Zum Abschluss planen wir, wie Sie mit Jahrestagen und schweren Tagen umgehen, die auch später noch kommen werden.

Häufige Fragen

Ab wann dauert Trauer zu lange?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Die ICD-11 setzt für die anhaltende Trauerstörung mindestens sechs Monate voraus, wichtiger ist aber die Frage, ob Ihr Leben wieder in Bewegung kommt. Viele Menschen trauern jahrelang um einen Partner oder ein Kind, ohne krank zu sein. Die Trauer verändert dabei ihre Form.

Muss ich in der Therapie über den Tod sprechen?

Irgendwann ja, aber in Ihrem Tempo. Wir beginnen dort, wo es auszuhalten ist, und gehen weiter, wenn Sie so weit sind.

Was kostet die Begleitung, und wo findet sie statt?

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

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