Zwänge

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen behandeln in Salzkotten

Menschen mit Zwängen wissen meist genau, dass ihre Befürchtung übertrieben ist, und können trotzdem nicht aufhören. Ich erkläre, warum das so ist und welche Behandlung die Leitlinien empfehlen.

Termin vereinbaren Anfrage per E-Mail

Hände werden am Waschbecken gründlich eingeseift
Foto: @seanhorsburgh / Unsplash

Kurz erklärt

Eine Zwangsstörung ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, als quälend erlebte Gedanken, Bilder oder Impulse und durch Handlungen, die ausgeführt werden, um die dadurch ausgelöste Angst oder Anspannung zu verringern. Typisch sind Kontrollieren, Waschen, Ordnen, Zählen oder gedankliches Neutralisieren, obwohl Betroffene das Verhalten oft selbst als übertrieben erkennen.

Was sind Zwangsgedanken und Zwangshandlungen?

Ein verallgemeinertes Beispiel, wie es in ähnlicher Form häufig geschildert wird: Morgens um halb acht, die Jacke ist schon an. Er schaut auf den Herd. Alle Knöpfe stehen auf null, das sieht er. Trotzdem fasst er jeden einzelnen an. Dann die Wohnungstür, zwei Schritte Richtung Auto, und der Zweifel ist wieder da. Hat er wirklich abgeschlossen? Er geht zurück und drückt die Klinke, einmal, zweimal. Auf dem Weg zur Arbeit taucht ein Bild auf: die Wohnung in Flammen. Er weiß, dass das unsinnig ist. An manchen Tagen fährt er trotzdem zurück.

Zwangsgedanken sind Gedanken, Bilder oder Impulse, die sich gegen den eigenen Willen aufdrängen und als unangenehm, oft als abstoßend erlebt werden. Häufige Inhalte sind Verschmutzung und Ansteckung, der Zweifel, ob etwas erledigt ist, die Angst, jemandem zu schaden, oder Bilder, die den eigenen Werten widersprechen, etwa aggressive, sexuelle oder religiöse Inhalte. Gerade die letzte Gruppe wird aus Scham oft jahrelang verschwiegen.

Zwangshandlungen sollen die Anspannung senken oder ein befürchtetes Unheil verhindern. Kontrollieren, Waschen, Putzen, Ordnen, Zählen, Wiederholen. Sie können auch im Kopf stattfinden, etwa als bestimmter Satz, der einen schlimmen Gedanken neutralisieren soll. Und oft gehört die ständige Rückversicherung bei anderen dazu: „Hast du gesehen, dass ich abgeschlossen habe?“

Aufdringliche, unpassende Gedanken kennen fast alle Menschen. Der Impuls, das Lenkrad herumzureißen, oder das plötzliche Bild, jemanden vom Bahnsteig zu stoßen, taucht bei vielen irgendwann auf. Was einen Zwang ausmacht, ist der Umgang damit.

Warum lässt sich der Zwang nicht einfach abstellen?

Das kognitive Modell der Zwangsstörung setzt bei der Bewertung an. Ein aufdringlicher Gedanke ist zunächst nur ein Gedanke. Zum Problem wird er, wenn er als bedeutsam und gefährlich bewertet wird.

Zwei Bewertungsmuster fallen dabei besonders häufig auf. Das erste ist ein übersteigertes Verantwortungsgefühl. „Wenn ich nicht kontrolliere und es brennt, bin ich schuld.“ Schon die bloße Möglichkeit eines Schadens wird zur persönlichen Pflicht, ihn zu verhindern. Das zweite heißt Gedanken-Handlungs-Fusion. Gemeint ist die Überzeugung, ein Gedanke sei moralisch fast so schlimm wie eine Tat oder er mache ein Ereignis wahrscheinlicher. „Wer so etwas denkt, ist ein schlechter Mensch.“ „Wenn ich an einen Unfall denke, passiert vielleicht einer.“ Dazu kommt oft die Überzeugung, Ungewissheit nicht ertragen zu können.

Aus der Bewertung folgen Angst, Ekel oder Anspannung. Das Ritual soll sie beenden. Und es funktioniert, für den Moment. Die Anspannung sinkt. Genau das hält den Zwang am Leben. Das Ritual wird durch die Erleichterung belohnt, und die Befürchtung wird nie geprüft, weil man nie erlebt, was ohne Ritual passiert wäre. Der Zweifel kommt zurück, oft schneller und stärker, und das Ritual wird länger.

Auch der Versuch, Gedanken zu unterdrücken, geht meist nach hinten los. Wer sich fest vornimmt, an etwas Bestimmtes auf keinen Fall zu denken, denkt umso häufiger daran.

Jedes Ritual verschafft eine kurze Erleichterung und bestätigt dem Zwang, dass die Gefahr echt war.

Was hilft bei Zwängen?

Leitlinien empfehlen als Behandlung der ersten Wahl die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung. Sie ist bei Zwängen das am besten untersuchte psychotherapeutische Verfahren und bildet den Kern der Behandlung.

Das Prinzip ist einfach zu beschreiben und schwer umzusetzen. Sie setzen sich gezielt einer Situation aus, die den Zwang auslöst. Sie fassen die Türklinke im Treppenhaus an, verlassen die Wohnung nach einmaligem Abschließen oder lassen den Gedanken an den Unfall einfach da sein. Dann unterlassen Sie das Ritual. Kein Händewaschen, kein Zurückgehen, kein Gegengedanke, keine Rückversicherung. Die Anspannung steigt zunächst. Wer bleibt, erlebt, dass sie auch ohne Ritual wieder sinkt und die befürchtete Katastrophe ausbleibt.

Wir gehen dabei gestuft vor. Zuerst entsteht eine Liste der auslösenden Situationen, sortiert nach Schwierigkeit. Begonnen wird mit einer Übung, die herausfordernd, aber machbar ist. Die ersten Übungen planen wir gemeinsam in der Sitzung, danach üben Sie täglich selbstständig. Weil Angehörige häufig in Rituale eingebunden sind, etwa durch ständiges Beruhigen, kann es sinnvoll sein, sie einzubeziehen.

In der kognitiven Verhaltenstherapie gehört zur Exposition auch die Arbeit an den Bewertungen. Nach der PKP schaue ich auf die Grundannahmen. Wer überzeugt ist, für jedes denkbare Unglück verantwortlich zu sein, oder wer seinen Wert davon abhängig macht, nie einen schlimmen Gedanken zu haben, braucht neben der Übung ein Gespräch über diesen Maßstab. Häufig liegt hier ein Selbstwertproblem oder eine Frustrationsintoleranz gegenüber Ungewissheit.

Bei stark ausgeprägten Zwängen ist eine ärztlich-psychiatrische Mitbehandlung sinnvoll. Ob Medikamente die Psychotherapie ergänzen sollten, entscheidet ein Facharzt.

Sind Zwänge nur ein Symptom?

Das Kontrollieren, Waschen oder gedankliche Neutralisieren fällt am meisten auf. Es ist aber der Versuch, eine innere Unruhe zu beenden. Die Ursache liegt häufig in emotionalen Turbulenzen, die im Alltag immer wieder aufbrechen, besonders in Zeiten von Druck, Verantwortung oder Veränderung.

Diese Turbulenzen speisen sich aus persönlichen Konzepten.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Bei Zwängen stehen sie oft im Vordergrund. Ein Restrisiko gilt als unannehmbar, Zweifel müssen ausgeräumt sein, bevor man weitermachen darf.

Selbstwertkonzepte. Wer sich nur dann als guter Mensch fühlt, wenn er nie an einem Schaden schuld ist, erlebt einen aufdringlichen Gedanken als Gefahr für sein ganzes Selbstbild.

Frustrationsintoleranzkonzepte. Ungewissheit und das Gefühl, etwas sei „nicht ganz richtig“, gelten als unerträglich. Die Zwangshandlung verschafft für Minuten Erleichterung und bestätigt so die Annahme.

Neben der Exposition mit Reaktionsverhinderung liegt der Schwerpunkt der Therapie auf diesen Konzepten. Wir prüfen sie Schritt für Schritt. Lassen die emotionalen Turbulenzen nach, verlieren die Zwänge an Antrieb und werden in vielen Fällen deutlich schwächer.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Zwängen gehe ich in diesen Schritten vor:

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten schildern Sie, welche Gedanken und Handlungen Sie belasten und wie viel Zeit sie kosten. Sie dürfen dabei auch Gedanken aussprechen, für die Sie sich schämen. Ich kenne solche Inhalte und ordne sie fachlich ein. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Situationen analysieren

    Wir gehen konkrete Auslöser durch. Welcher Gedanke kam, wie haben Sie ihn bewertet, was haben Sie getan, und wie lange hielt die Erleichterung?

  3. Grundannahmen und Ziel festlegen

    Wir arbeiten heraus, welche Überzeugungen zu Verantwortung, Gedanken und Ungewissheit dahinterstehen, und legen ein konkretes Ziel fest, etwa die Wohnung nach einmaligem Abschließen zu verlassen.

  4. Annahmen prüfen

    Im Sokratischen Dialog untersuchen wir, ob ein Gedanke wirklich etwas bewirken kann und wie weit Ihre Verantwortung tatsächlich reicht.

  5. Exposition mit Reaktionsverhinderung

    Wir planen die Übungen gestuft, beginnen gemeinsam, und Sie üben täglich im Alltag weiter. Jede Woche werten wir aus, was passiert ist.

  6. Abschluss und Rückfallvorbeugung

    Zwangsimpulse können später wieder auftauchen, besonders unter Stress. Wir besprechen, wie Sie sie früh erkennen und mit dem Gelernten darauf reagieren.

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Sitzungen per Video sind möglich. Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Häufige Fragen

Bin ich gefährlich, wenn ich solche Gedanken habe?

Zwangsgedanken über Gewalt sind nach heutigem Wissen kein Hinweis darauf, dass jemand danach handeln wird. Sie quälen gerade deshalb so sehr, weil sie den eigenen Werten widersprechen.

Kann ich das Ritual nicht einfach nach und nach weniger machen?

Schrittweise vorzugehen ist sinnvoll, und genau so ist die Exposition aufgebaut. Innerhalb einer Übung sollte die Reaktionsverhinderung aber konsequent sein. Ein halbes Ritual hält die Befürchtung oft genauso am Leben wie ein ganzes.

Wie lange dauert die Behandlung?

Das hängt davon ab, wie lange der Zwang schon besteht und wie viel Raum er einnimmt. Viel kommt auf das tägliche Üben zwischen den Sitzungen an. Wir schauen regelmäßig gemeinsam, wo Sie stehen.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

Erstgespräch reservieren

Praxis in Salzkotten

Der erste Schritt ist ein Gespräch

Im Erstgespräch klären wir Ihr Anliegen und ob meine Arbeitsweise zu Ihnen passt. Danach entscheiden Sie in Ruhe.

Termin vereinbaren Praxis und Anfahrt

Weitere Themen