Sucht und Abhängigkeit

Beratung bei Suchterkrankung in Salzkotten

Wer merkt, dass Alkohol, Cannabis oder andere Substanzen zu viel Raum einnehmen, ist oft hin- und hergerissen. Ich beschreibe, was eine Beratung leisten kann, wo ihre Grenzen liegen und wann der Arzt gefragt ist.

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Kleine Gesprächsrunde sitzt in einem hellen Raum zusammen
Foto: @canweallgo / Unsplash

Kurz erklärt

Eine Suchterkrankung liegt vor, wenn ein Mensch den Konsum einer Substanz trotz schädlicher Folgen nicht mehr ausreichend steuern kann, häufig verbunden mit starkem Verlangen, Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen. Sie ist eine anerkannte Krankheit, deren Behandlung Entgiftung, Entwöhnung und Nachsorge umfassen kann.

Was kann eine Beratung bei Sucht leisten?

Zuerst das Wichtigste. Entgiftung und Entzug gehören in ärztliche Hände. Wer über längere Zeit viel Alkohol getrunken oder bestimmte Medikamente wie Beruhigungsmittel eingenommen hat, sollte nicht auf eigene Faust abrupt aufhören. Ein unbegleiteter Entzug kann gefährlich werden, bis hin zu Krampfanfällen oder einem Delir. Erste Ansprechpartner sind Ihr Hausarzt und die Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe. Dort erfahren Sie auch, wie eine Entwöhnungsbehandlung beantragt wird, ambulant oder in einer Fachklinik.

Meine Beratung ersetzt nichts davon. Sie ergänzt es. Sie kann vor einer Behandlung helfen, Klarheit zu gewinnen, ob und was Sie ändern wollen, und sie kann danach helfen, stabil zu bleiben. Ich arbeite beratend in der Alkohol- und Drogenberatung und kenne die Fragen, mit denen Betroffene und Angehörige dort ankommen.

Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Eine Frau Mitte vierzig trinkt abends Wein. Früher war es ein Glas, inzwischen ist es meist eine Flasche. Sie weiß das. Am Montag nimmt sie sich vor, die Woche ohne Alkohol zu schaffen. Am Mittwoch, nach einem anstrengenden Tag, steht sie in der Küche und denkt: „Heute habe ich es mir verdient.“ Am Donnerstagmorgen schämt sie sich.

Warum fällt es so schwer, aufzuhören?

Weil beide Seiten gute Gründe haben. Die Frau aus dem Beispiel will weniger trinken, wegen ihrer Gesundheit, wegen der Kinder, wegen der Scham am Morgen. Und sie will weiter trinken, weil der Wein der einzige Moment am Tag ist, an dem die Anspannung nachlässt. Dieses Hin und Her heißt Ambivalenz. Es ist kein Zeichen von Willensschwäche, sondern bei Suchtproblemen der Normalfall.

Motivation ist deshalb keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie schwankt, manchmal innerhalb eines einzigen Tages. Ich dränge Sie in der Beratung nicht zu einer Entscheidung. Wir sehen uns beide Seiten offen an: Was gibt Ihnen der Konsum, was kostet er Sie, und was ist Ihnen am Ende wichtiger? Dieses Vorgehen lehnt sich an die motivierende Gesprächsführung an, die in der Suchtbehandlung gut untersucht ist.

Die kognitive Verhaltenstherapie schaut genauer hin. Die Situation: Abends, die Kinder schlafen, der Tag war voll. Die Bewertung: „Ohne Wein komme ich heute nicht runter. Diese Unruhe halte ich nicht aus.“ Das Gefühl: Anspannung und Verlangen. Das Verhalten: Sie öffnet die Flasche. Die Folge ist zuerst Erleichterung. Am nächsten Morgen kommen Kopfschmerzen und Scham, dazu der Gedanke „Ich bin einfach zu schwach“. Das erzeugt neuen Druck, und der Druck sucht am Abend wieder ein Ventil.

Bestimmte Annahmen halten den Konsum am Laufen. Manche betreffen das Aushalten: „Ohne komme ich nicht klar.“ Fachlich gehört das zur Frustrationsintoleranz. Andere sind Erlaubnisgedanken wie „Nur heute“ oder „Das habe ich mir verdient“. Wieder andere spielen das Problem herunter: „Ich habe das im Griff, ich kann jederzeit aufhören.“ Und nach einem Rückfall meldet sich oft der Selbstwert: „Ich bin ein Versager.“ Wer sich so verurteilt, hat einen Grund mehr, die Gefühle zu betäuben.

Ein Ausrutscher ist ein Ereignis. Zum Rückfall wird er oft erst durch das, was man sich danach sagt.

Was hilft gegen Rückfälle, und was können Angehörige tun?

Rückfälle sind bei Suchterkrankungen häufig und kein Beweis, dass alles umsonst war. Rückfallvorbeugung heißt, die eigenen Risikosituationen zu kennen, etwa bestimmte Wochentage, Orte, Menschen oder Gefühle. Dazu gehört, Frühwarnzeichen zu bemerken und vorher zu wissen, was man tut, wenn das Verlangen kommt. Besonders wichtig ist der Moment nach einem Ausrutscher. Der Gedanke „Jetzt ist es eh egal“ macht aus einem Glas eine Woche.

Angehörige stehen oft unter großem Druck. Sie suchen Flaschen, kontrollieren, entschuldigen den Partner beim Arbeitgeber oder decken Fehlzeiten. Das geschieht aus Sorge und Zuneigung, entlastet aber kurzfristig vor allem die Sucht. Auch Angehörige können sich beraten lassen, bei mir, in Suchtberatungsstellen oder in Selbsthilfegruppen für Angehörige. Sie müssen nicht warten, bis der Betroffene selbst so weit ist.

Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112.

Ist die Sucht nur ein Symptom?

Der Konsum ist das, was auffällt. Häufig ist er aber ein Versuch, emotionale Turbulenzen zu dämpfen: Anspannung nach der Arbeit, Einsamkeit, Ärger, Unsicherheit. Was zunächst Erleichterung verschafft, wird mit der Zeit selbst zum Problem. Eine bestehende Abhängigkeit braucht deshalb eigene Aufmerksamkeit und oft ärztliche Begleitung.

Hinter den Turbulenzen stehen meist persönliche Konzepte.

Selbstwertkonzepte. Wer sich nur mit Alkohol locker und liebenswert fühlt, hat für seinen Wert eine Krücke gefunden, die er dann schwer loslassen kann.

Frustrationsintoleranzkonzepte. Unruhe, Langeweile oder Verlangen gelten als nicht auszuhalten. Der Griff zum Suchtmittel beendet das Gefühl sofort und bestätigt die Annahme.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Das Suchtmittel verspricht Kontrolle über Gefühle, die sonst unberechenbar erscheinen.

In der Beratung liegt der Schwerpunkt neben Abstinenz oder Reduktion auf diesen Konzepten. Wir prüfen sie und erarbeiten andere Wege, mit belastenden Gefühlen umzugehen. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, sinkt in vielen Fällen auch der Druck zu konsumieren, und Rückfälle werden seltener.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. In der Beratung bei Sucht arbeite ich mit Ihnen an Motivation, an den Annahmen hinter dem Konsum und an Ihrem Umgang mit Rückfällen.

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten schildern Sie, was Sie konsumieren und was Sie verändern möchten. Ist eine körperliche Abhängigkeit möglich, kläre ich mit Ihnen als Erstes, dass der Hausarzt oder eine Suchtberatungsstelle eingebunden wird. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Konsumsituationen analysieren

    Wir gehen konkrete Situationen durch. Wann war das Verlangen stark, was haben Sie gedacht und gefühlt, was haben Sie getan, und was kam danach?

  3. Grundannahmen herausarbeiten

    Mit der PKP nach Stavemann und Hülsner klären wir, welche Annahmen den Konsum stützen. Oft steht Frustrationsintoleranz im Vordergrund, manchmal ein Selbstwertproblem, manchmal beides.

  4. Ziel festlegen

    Wir besprechen, was Sie erreichen wollen, und berücksichtigen dabei den ärztlichen Rat. Bei einer Abhängigkeit ist Abstinenz in der Regel das sicherste Ziel.

  5. Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen

    Stimmt es, dass Sie die Unruhe ohne Alkohol nicht aushalten? Wann haben Sie schon einmal einen schweren Abend ohne überstanden?

  6. Üben und Rückfällen vorbeugen

    Sie probieren neue Wege aus, mit Anspannung umzugehen, und üben, Angebote abzulehnen. Gemeinsam erstellen wir einen Plan für Risikosituationen und für den Fall eines Ausrutschers.

Häufige Fragen

Ersetzt Ihre Beratung eine Suchtberatungsstelle oder einen Entzug?

Nein. Entgiftung, Entzug und Entwöhnung gehören in ärztliche und suchtmedizinische Hände, und Suchtberatungsstellen bieten Unterstützung, die ich nicht ersetzen will. Meine Beratung kann diese Angebote ergänzen, vorher, begleitend oder danach.

Können auch Angehörige zu Ihnen kommen?

Ja. Angehörige können sich auch dann beraten lassen, wenn der Betroffene selbst noch keine Hilfe sucht. Es geht dann um Ihre eigene Belastung und Ihren Umgang mit der Situation.

Was kostet die Beratung, und wo findet sie statt?

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

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