Hochbegabung

Hochbegabung bei Jugendlichen und Erwachsenen in Salzkotten

Eine hohe Begabung ist zunächst eine Eigenschaft und kein Problem. Ich beschreibe, wann sie trotzdem belastet und warum dahinter oft weniger die Intelligenz steckt als ein Selbstbild, das an Leistung hängt.

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Nachdenkliche Jugendliche stützt den Kopf auf die Hand
Foto: @shaker_jpg / Unsplash

Kurz erklärt

Als hochbegabt gilt nach der gängigen Definition, wer in einem standardisierten Intelligenztest einen IQ von etwa 130 oder mehr erreicht, das sind rund zwei Prozent der Bevölkerung. Hochbegabung ist keine psychische Störung, kann aber mit Belastungen wie Unterforderung, Perfektionismus oder dem Gefühl, anders zu sein, einhergehen.

Ist Hochbegabung eine Störung?

Nein. Hochbegabung beschreibt eine sehr hohe intellektuelle Leistungsfähigkeit, mehr nicht. Die meisten hochbegabten Menschen führen ein unauffälliges Leben, haben Freunde, Arbeit und Familie, und viele wissen nicht einmal von ihrer Begabung. Das Bild vom hochbegabten, aber sozial seltsamen Einzelgänger trifft auf die meisten Betroffenen nicht zu.

Ob eine Hochbegabung vorliegt, lässt sich nur mit einem standardisierten Intelligenztest klären. Den führen Psychologen durch, zum Beispiel im schulpsychologischen Dienst oder in spezialisierten Beratungsstellen. In meiner Praxis wird nicht getestet. Für die Arbeit mit mir ist ein Testergebnis auch nicht nötig. Mich interessiert, was Ihnen oder Ihrem Kind zu schaffen macht.

Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Ein Junge von fünfzehn Jahren war in der Grundschule der, der alles schon konnte. Lernen musste er nie. Auf dem Gymnasium ging das noch ein paar Jahre gut. Jetzt, in der Mittelstufe, kommen in Mathe die ersten Fünfen. Zu Hause sagt er, Schule sei langweilig und ihm egal. Die Eltern sind ratlos, denn an der Begabung kann es kaum liegen.

Bei Erwachsenen sieht es anders aus und hat oft dieselbe Wurzel. Eine Frau Anfang dreißig wechselt alle zwei Jahre die Stelle, weil sie sich langweilt. Gleichzeitig gibt sie kaum ein Projekt ab, bevor es perfekt ist, und fühlt sich in Teams fremd, als spräche sie eine etwas andere Sprache als die anderen.

Warum bleiben Hochbegabte manchmal hinter ihren Möglichkeiten zurück?

In der Fachsprache heißt das Underachievement: Jemand leistet über längere Zeit deutlich weniger, als seine Fähigkeiten erwarten ließen. Mit Faulheit hat das meist wenig zu tun. Die kognitive Verhaltenstherapie fragt, welche Bewertungen dahinterstehen.

Nehmen wir den Jungen aus dem Beispiel. Die Situation: Er sitzt vor einer Matheaufgabe, die er nicht auf Anhieb versteht. Die Bewertung, meist kaum bewusst: „Wenn ich mich anstrengen muss, bin ich gar nicht so schlau. Und wenn ich mich anstrenge und es trotzdem nicht klappt, ist es bewiesen.“ Das Gefühl ist Angst, nach außen sieht es aus wie Langeweile. Das Verhalten: Er klappt das Heft zu und spielt am Handy. Die Folge ist eine schlechte Note. Sein Selbstbild bleibt dabei geschützt, denn er hat ja nicht gelernt. Die Lücken wachsen, und die nächste Aufgabe wird noch schwerer.

Dahinter steckt häufig eine Selbstwertregel. Der eigene Wert hängt an mühelosem Können. Wer früh gelernt hat, dass ihm alles zufliegt, und dafür gelobt wurde, erlebt Anstrengung als Bedrohung.

Begabung erklärt, wie schnell jemand lernt. Was er sich zutraut, erklärt sie nicht.

Perfektionismus hat oft dieselbe Grundlage. Wenn nur ein fehlerfreies Ergebnis zählt, wird jedes halbfertige zum Risiko, und dann fängt man lieber gar nicht erst an oder wird nie fertig. Die Frau aus dem zweiten Beispiel denkt vor jeder Abgabe: „Wenn jemand einen Fehler findet, merken alle, dass ich doch nicht so gut bin.“ Sie prüft dreimal, arbeitet bis in die Nacht und gibt zu spät ab. Lob beruhigt sie nur kurz. In ihren Augen gilt es dem Ergebnis, nicht ihr. Auch das Gefühl, anders zu sein, wird durch Bewertungen verstärkt. Wer denkt „Die anderen verstehen mich sowieso nicht“, zieht sich zurück oder macht sich kleiner, als er ist. Beides bestätigt am Ende das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Wann ist Unterstützung sinnvoll?

Eine Begabung allein ist kein Grund für eine Therapie. Sinnvoll wird Unterstützung, wenn ein Mensch leidet. Etwa wenn Noten über längere Zeit abrutschen und Gespräche zu Hause nur noch Streit erzeugen. Wenn ein Erwachsener ständig unzufrieden im Beruf ist und Entscheidungen immer wieder verschiebt, weil keine Möglichkeit gut genug erscheint. Oder wenn Perfektionismus und Selbstzweifel den Alltag bestimmen.

Kommen starke Stimmungstiefs, anhaltende Konzentrationsprobleme oder Ängste dazu, gehört das ärztlich oder fachpsychologisch abgeklärt. Nicht alles, was bei begabten Menschen auftritt, hat mit der Begabung zu tun.

Ich habe Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen und mit Pflegekindern. Mit Jugendlichen arbeite ich nur mit Einverständnis der Eltern, und die Eltern beziehe ich in der Regel mit ein.

Woher kommen die Schwierigkeiten mancher Hochbegabter?

Hochbegabung ist keine Störung. Schwierigkeiten wie Unterforderung, Rückzug, Perfektionismus oder das Gefühl, anders zu sein, sind aber häufig Symptome emotionaler Turbulenzen, die im Alltag immer wieder aufbrechen.

Diese Turbulenzen hängen mit persönlichen Konzepten zusammen.

Selbstwertkonzepte. Wer früh für seine Klugheit gelobt wurde, knüpft seinen Wert oft an Brillanz. Jeder Fehler wird zur Bedrohung, Anstrengung zum Zeichen von Mittelmaß.

Frustrationsintoleranzkonzepte. Langeweile, langsame Abläufe und Routinearbeit gelten als unerträglich. Die Folge sind Aufschieben, Gereiztheit oder Abbruch.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Erst wenn alles durchdacht ist, darf gehandelt werden. Das gründliche Abwägen wird zur Lähmung, Entscheidungen bleiben liegen.

In der Begleitung liegt der Schwerpunkt auf diesen Konzepten. Wir prüfen sie und entwickeln Haltungen, mit denen sich die eigene Begabung entspannter nutzen lässt. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, lösen sich in vielen Fällen Schwierigkeiten, die zunächst wie feste Charakterzüge wirkten.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Hochbegabung arbeite ich nicht an der Begabung, sondern an den Annahmen, mit denen jemand sich und seine Leistung bewertet.

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten schildern Sie, was Sie oder Ihr Kind belastet. Bei Jugendlichen sind die Eltern beim Erstgespräch in der Regel dabei. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Konkrete Situationen analysieren

    Die Hausaufgabe, die liegen bleibt. Das Projekt, das nie fertig wird. Die Feier, auf der man sich fremd fühlt. Wir gehen durch, was dabei gedacht, gefühlt und getan wird.

  3. Grundannahmen herausarbeiten

    Mit der PKP nach Stavemann und Hülsner suchen wir die Regel dahinter. Häufig ist es ein Selbstwertproblem wie „Ich bin nur etwas wert, wenn ich mühelos der Beste bin“. Manchmal stehen existenzielle Fragen im Vordergrund, etwa was man mit seinen Fähigkeiten überhaupt anfangen will.

  4. Ziel festlegen

    Zum Beispiel: sich auf eine Prüfung vorbereiten, obwohl das Lernen ungewohnt ist. Ein Projekt abgeben, das gut genug ist.

  5. Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen

    Wer hat festgelegt, dass Kluge sich nicht anstrengen müssen? Sagt eine schlechte Note etwas über Ihren Wert als Mensch?

  6. Üben und Rückfällen vorbeugen

    Im Alltag probieren Sie aus, sich bewusst anzustrengen, Fehler zu machen und unfertige Ergebnisse zu zeigen. Zum Abschluss überlegen wir, woran Sie merken, dass alte Muster zurückkommen, und was Sie dann tun.

Häufige Fragen

Machen Sie einen IQ-Test?

Nein. Intelligenztests führen Psychologen durch, etwa im schulpsychologischen Dienst oder in Beratungsstellen. Für die Arbeit an Selbstwert, Perfektionismus oder Leistungsproblemen brauchen Sie kein Testergebnis.

Kann mein Kind allein zu Ihnen kommen?

Mit Jugendlichen arbeite ich nur mit Einverständnis der Eltern. Wie stark die Eltern danach in die Sitzungen einbezogen werden, besprechen wir gemeinsam und abhängig vom Alter.

Was kostet die Begleitung, und wo findet sie statt?

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Sitzungen per Video sind möglich. Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 Euro, eine Sitzung von 60 Minuten 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

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