Depression

Depressionen verstehen und behandeln in Salzkotten

Wer depressiv ist, bekommt oft zu hören, er solle sich einfach mal aufraffen. Ich erkläre, warum das so nicht funktioniert und woran wir in der Therapie stattdessen arbeiten.

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Mann sitzt nachdenklich mit der Hand vor dem Gesicht am Fenster
Foto: @elevantarts / Unsplash

Kurz erklärt

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung mit gedrückter Stimmung, Verlust von Interesse und Freude oder vermindertem Antrieb über mindestens zwei Wochen. Für ihre Behandlung empfehlen Leitlinien Psychotherapie und, je nach Schweregrad, zusätzlich Medikamente.

Wie fühlt sich eine Depression im Alltag an?

Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Eine Frau Mitte vierzig wacht seit Wochen gegen vier Uhr auf. Der Wecker klingelt erst um sechs, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Im Kopf läuft der Tag ab, bevor er begonnen hat. Die Besprechung, die Wäsche, die Nachricht der Schwester, auf die sie seit Tagen nicht antwortet. Bei der Arbeit funktioniert sie noch, irgendwie. Abends sitzt sie auf dem Sofa, der Fernseher läuft, und sie könnte hinterher nicht sagen, was lief. Den Chor hat sie abgemeldet. „Ich hab keine Kraft dafür, und Spaß macht es mir sowieso nicht mehr.“

So ähnlich beginnt eine Depression häufig. Leise.

Fachlich spricht man von einer depressiven Episode, wenn über mindestens zwei Wochen die Stimmung gedrückt ist, Interesse und Freude verloren gehen oder der Antrieb deutlich nachlässt. Oft kommen Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle und ein veränderter Appetit dazu. Eine Depression ist keine Charakterschwäche und keine Frage des Willens. Sie folgt einer eigenen Logik, und diese Logik lässt sich verstehen.

Warum kommt man aus einer Depression nicht einfach heraus?

Die kognitive Verhaltenstherapie beschreibt im Kern der Depression eine negative Sicht auf drei Dinge zugleich. Man nennt sie die kognitive Triade. Sie betrifft das Bild von sich selbst („Ich bin unfähig“), von der Umwelt („Eigentlich braucht mich niemand“) und von der Zukunft („Das wird nie wieder besser“). Diese Bewertungen fühlen sich nicht wie Gedanken an. Sie fühlen sich an wie Tatsachen.

Nehmen wir die Frau aus dem Beispiel. Die Schwester schreibt: „Kommst du Sonntag zum Kaffee?“ Das ist die Situation. Der Gedanke dazu: „Ich bin sowieso keine gute Gesellschaft, die laden mich nur aus Pflicht ein.“ Das Gefühl: Traurigkeit, Scham, eine bleierne Schwere. Das Verhalten: Sie antwortet nicht und bleibt am Sonntag zu Hause. Die Folge: Kurzfristig ist es ruhiger, sie muss sich nicht zusammenreißen. Langfristig fehlt ein weiterer guter Moment, und die Schwester fragt beim nächsten Mal vielleicht zögerlicher. Der Gedanke, dass niemand sie braucht, scheint sich zu bestätigen.

Das ist der Teufelskreis der Depression. Rückzug spart kurzfristig Kraft und nimmt dafür genau die Erfahrungen weg, die der Stimmung guttun würden. Weniger Aktivität heißt weniger Freude, weniger Erfolgserlebnisse, weniger Kontakt. Die Stimmung sinkt weiter, und mit ihr der Antrieb.

Dazu kommt das Grübeln, fachlich Rumination genannt. Wer grübelt, kreist um Fragen wie „Warum bin ich so?“ oder „Was stimmt nicht mit mir?“. Das fühlt sich an wie Nachdenken, fast wie Problemlösen. Gelöst wird dabei aber nichts. Grübeln hält die Aufmerksamkeit bei dem, was fehlt, und drückt die Stimmung oft noch tiefer, besonders in den frühen Morgenstunden.

Ein depressiver Gedanke fühlt sich an wie eine Tatsache. Er bleibt trotzdem ein Gedanke.

Hinter der Triade liegen häufig Grundannahmen, die schon lange bestehen und in guten Zeiten kaum auffallen. „Ich bin nur etwas wert, wenn ich gebraucht werde.“ „Wenn ich nicht alles schaffe, habe ich versagt.“ Kommt eine Belastung dazu, eine Trennung, ein Jobverlust oder monatelanger Druck, springen diese Regeln an. Aus einer schweren Lebensphase wird dann ein Urteil über die ganze Person. Genau hier setzt die Therapie an, sobald die Stimmung wieder etwas Spielraum lässt.

Wann sollte man bei einer Depression Hilfe suchen?

Wenn die gedrückte Stimmung länger als zwei Wochen anhält, wenn Alltag und Arbeit spürbar leiden oder wenn Sie sich selbst kaum wiedererkennen, ist es Zeit, sich Unterstützung zu holen. Abwarten macht eine Depression selten leichter.

Der erste Weg führt oft zum Hausarzt. Dort lassen sich körperliche Ursachen prüfen, zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse. Bei einer schweren Depression, wenn Sie also kaum noch aufstehen, essen oder arbeiten können, gehört eine ärztlich-psychiatrische Mitbehandlung dazu. Leitlinien empfehlen dann in der Regel Psychotherapie zusammen mit Medikamenten. Meine Arbeit ersetzt diese Behandlung nicht. Sie ergänzt sie.

Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112. Rund um die Uhr erreichbar ist außerdem die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.

Welche Ursachen können hinter einer Depression stehen?

Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Grübeln sind das, was Betroffene und Angehörige wahrnehmen. Bei vielen Menschen sind sie die Folge emotionaler Turbulenzen, die sich über lange Zeit wiederholt haben: Enttäuschungen, Kränkungen, dauernde Überforderung. Irgendwann erschöpft sich die Kraft, dagegenzuhalten.

Welche Ereignisse solche Turbulenzen auslösen, hängt wesentlich von persönlichen Konzepten ab.

Selbstwertkonzepte. Der eigene Wert hängt an Erfolg, Anerkennung oder daran, gebraucht zu werden. Bleibt das aus, folgt der Schluss: „Ich bin nichts wert.“

Frustrationsintoleranzkonzepte. Das Leben müsste anders sein, als es ist. Verluste und Ungerechtigkeiten werden als unerträglich erlebt, und die Kraft geht im inneren Protest verloren.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Wer glaubt, alles im Griff haben zu müssen, erlebt jeden Kontrollverlust als persönliches Scheitern. Hilflosigkeit wird zur Grundstimmung.

Auf diesen Konzepten liegt in der Therapie das Hauptaugenmerk. Wir arbeiten sie heraus, prüfen sie und entwickeln tragfähigere Sichtweisen. Werden die emotionalen Turbulenzen seltener, hellt sich die Stimmung in vielen Fällen schrittweise auf. Bei schweren Verläufen gehört eine fachärztliche Behandlung dazu.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei einer Depression folgt die Arbeit einem Ablauf, den Sie von Anfang an kennen:

  1. Erstgespräch

    In etwa 45 Minuten schildern Sie, wie es Ihnen geht. Ich frage nach Schlaf, Antrieb und Belastungen und danach, ob eine ärztliche Behandlung läuft. Wir klären, ob die Zusammenarbeit passt. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.

  2. Konkrete Situationen analysieren

    Anhand von Momenten der letzten Tage schauen wir, was Sie gedacht, gefühlt und getan haben. So wird sichtbar, wie Ihr eigener Kreislauf aus Gedanken, Rückzug und Grübeln funktioniert.

  3. Grundannahmen herausarbeiten und Ziel festlegen

    Wir suchen die Regeln hinter den Bewertungen. Häufig geht es um den Selbstwert, also darum, woran Sie Ihren Wert messen. Daraus leiten wir ein Ziel ab, das konkret genug ist, um es zu überprüfen.

  4. Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen

    Ich stelle Fragen, statt Antworten vorzugeben. Was spricht für den Gedanken, was dagegen? Würden Sie so über eine Freundin urteilen? Diese kognitive Umstrukturierung ersetzt die alte Bewertung durch eine, die der Wirklichkeit näherkommt. Wer viel grübelt, lernt außerdem, das Grübeln früh zu bemerken und die Aufmerksamkeit umzulenken.

  5. Üben im Alltag

    Ein fester Bestandteil ist der Aktivitätsaufbau. Wir planen kleine, machbare Tätigkeiten, die Freude oder ein Gefühl von Bewältigung bringen können, und Sie notieren, wie es Ihnen dabei geht. Das klingt schlicht. Es gehört zu den gut untersuchten Verfahren in der Behandlung von Depressionen.

  6. Abschluss und Rückfallvorbeugung

    Zum Ende hin erstellen wir einen Plan für schwierige Zeiten. Welche frühen Warnzeichen kennen Sie bei sich, und was tun Sie dann?

Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Wenn Ihnen der Weg gerade zu schwer fällt, sind Sitzungen per Video möglich. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Häufige Fragen

Was hilft bei einer Depression?

Für leichte und mittelgradige Depressionen wird Psychotherapie in Leitlinien empfohlen, und die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den gut untersuchten Verfahren. Bei schweren Depressionen raten Leitlinien meist zur Kombination mit Medikamenten. Was in Ihrer Lage passt, klären wir gemeinsam und, wo nötig, mit Ihrem Arzt.

Muss ich Antidepressiva nehmen?

Das entscheide nicht ich. Über Medikamente sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem Psychiater. Wenn Sie es möchten, stimme ich mich gern mit den behandelnden Ärzten ab. Setzen Sie Medikamente bitte nie auf eigene Faust ab.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

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