Kurz erklärt
Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Symptome wie Schmerzen, Herzklopfen oder Magen-Darm-Probleme, die sich nach ärztlicher Untersuchung nicht oder nicht ausreichend durch einen organischen Befund erklären lassen. Die Beschwerden sind real; an ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung sind Stress, Aufmerksamkeit und die Bewertung der Symptome beteiligt.
Was sind psychosomatische Beschwerden?
Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Eine Frau Ende dreißig spürt seit Monaten einen Druck in der Brust, manchmal stolpert das Herz. Dazu kommen ein empfindlicher Magen und Verspannungen im Nacken. Sie war beim Hausarzt, beim Kardiologen, hatte ein EKG, ein Langzeit-EKG und mehrere Blutuntersuchungen. Alles ohne auffälligen Befund. Am Ende fiel der Satz: „Das ist wohl psychisch.“ Sie ging nach Hause und fühlte sich abgeschoben. Der Druck in der Brust war schließlich da. Seitdem misst sie mehrmals am Tag ihren Puls, liest abends im Internet über Herzkrankheiten und hat das Joggen aufgegeben, sicherheitshalber.
Fachlich spricht man bei solchen Beschwerden von funktionellen oder psychosomatischen Körperbeschwerden. Gemeint sind körperliche Symptome, die sich nach gründlicher ärztlicher Untersuchung nicht oder nicht ausreichend durch einen organischen Befund erklären lassen. Häufig sind Rücken- und Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Schwindel, Erschöpfung und Beschwerden im Magen-Darm-Bereich.
Ein Punkt ist mir wichtig: Diese Beschwerden sind echt. Niemand bildet sie sich ein. Der Körper erzeugt sie tatsächlich, und sie können sehr belasten. „Psychisch“ heißt hier nur, dass Gedanken, Gefühle und Verhalten mit beeinflussen, wie stark und wie lange die Symptome auftreten.
Wie entstehen Körperbeschwerden ohne Befund?
Der Körper reagiert ständig auf Belastung. Unter Stress spannen sich Muskeln an, das Herz schlägt schneller, die Verdauung verändert sich, der Atem wird flacher. Das ist normal und meistens unbemerkt. Hält der Stress lange an, können daraus spürbare Beschwerden werden. Wer wochenlang mit hochgezogenen Schultern am Schreibtisch sitzt, bekommt Nacken- und Kopfschmerzen. Wer ständig unter Druck isst, merkt es am Magen. Das geschieht nicht absichtlich und lässt sich auch nicht einfach abstellen.
Dann kommt die Aufmerksamkeit ins Spiel. Wer auf einen Teil des Körpers achtet, nimmt dort mehr wahr. Das kann jeder ausprobieren: Wer eine Minute lang auf seine Zunge im Mund achtet, spürt sie plötzlich deutlich. Bei Menschen mit Körperbeschwerden richtet sich die Aufmerksamkeit oft dauerhaft auf die betroffene Stelle.
Den größten Einfluss hat die Bewertung. Gehen wir einen Abend der Frau aus dem Beispiel durch. Die Situation: Sie sitzt auf dem Sofa und spürt ein Stolpern in der Brust. Ihr Gedanke: „Da stimmt etwas mit dem Herzen nicht. Die Ärzte haben etwas übersehen.“ Das Gefühl: Angst. Und Angst lässt das Herz schneller schlagen, was den Gedanken scheinbar bestätigt. Das Verhalten: Puls messen, im Internet suchen, am nächsten Tag ein neuer Arzttermin. Die Folge: Kurzfristig beruhigt der unauffällige Befund. Wenige Tage später ist die Sorge zurück, und die Aufmerksamkeit für das Herz ist größer als vorher.
Ein Körper, der ständig beobachtet wird, meldet sich auch ständig.
Schonen, Kontrollieren und Rückversichern funktionieren hier wie Sicherheitsverhalten. Sie entlasten für den Moment und halten den Teufelskreis langfristig am Laufen. Wer aus Sorge nicht mehr joggt, verliert außerdem Kondition, und dann schlägt das Herz beim Treppensteigen wirklich schneller.
Hinter katastrophisierenden Bewertungen stehen oft Grundannahmen. „Mein Körper ist zerbrechlich.“ „Körperliche Empfindungen bedeuten Gefahr.“ „Ich muss jede Unsicherheit ausschließen können.“ Die letzte Annahme gehört zur Frustrationsintoleranz: Ungewissheit soll nicht sein, und wenn doch, scheint sie unerträglich.
Warum ist die ärztliche Abklärung so wichtig?
Bevor wir mit der Therapie beginnen, müssen körperliche Ursachen ärztlich abgeklärt sein. Das ist keine Formalität. Eine psychotherapeutische Erklärung darf erst dann im Vordergrund stehen, wenn ernsthafte organische Erkrankungen sorgfältig geprüft wurden. Umgekehrt gilt auch: Ein organischer Befund schließt nicht aus, dass Stress und Bewertung die Beschwerden zusätzlich verstärken. Auch während der Therapie bleibt Ihr Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner. Wenn neue oder veränderte Beschwerden auftreten, gehören sie untersucht. Psychotherapie und ärztliche Behandlung schließen sich nicht aus. Auf Wunsch stimme ich mich gern mit Ihren behandelnden Ärzten ab.
Oft hilft es, wenn eine Hausarztpraxis die Fäden in der Hand hält und regelmäßige Termine vereinbart werden, statt bei jeder neuen Empfindung neue Untersuchungen zu beginnen.
Sind psychosomatische Beschwerden nur ein Symptom?
Rückenschmerzen, Magenbeschwerden, Schwindel oder Herzklopfen sind real. Ist körperlich nichts Ernstes gefunden worden, sind sie häufig der Ausdruck emotionaler Turbulenzen, die der Körper mitträgt: dauernde Anspannung, heruntergeschluckter Ärger, ständige Sorge.
Ob und wie stark solche Turbulenzen entstehen, hängt mit persönlichen Konzepten zusammen.
Selbstwertkonzepte. Wer glaubt, nur durch Funktionieren anerkannt zu werden, übergeht die eigenen Grenzen. Der Körper meldet sich dann dort, wo man selbst nicht Stopp sagt.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Ärger und Enttäuschung werden als unerträglich erlebt oder unterdrückt, weil sie „nicht sein dürfen“. Beides hält die Anspannung hoch.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Jede Körperempfindung wird beobachtet und auf Gefahr geprüft. Die Aufmerksamkeit verstärkt das Empfinden, und die Sorge wächst.
Nach der ärztlichen Abklärung liegt der Schwerpunkt der Therapie auf diesen Konzepten. Wir prüfen sie und entwickeln einen gelasseneren Umgang mit sich selbst. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, gehen die körperlichen Beschwerden in vielen Fällen deutlich zurück.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei psychosomatischen Beschwerden sieht der Ablauf so aus:
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten schildern Sie Ihre Beschwerden und was bisher untersucht wurde. Ich nehme die Symptome ernst und frage nach, wie sie Ihren Alltag verändert haben. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Situationen analysieren
Wir gehen Momente durch, in denen die Beschwerden stark waren. Was war vorher los, was haben Sie gedacht, gefühlt und getan? So wird Ihr eigener Teufelskreis aus Körper, Bewertung und Verhalten sichtbar.
Grundannahmen herausarbeiten und Ziel festlegen
Wir suchen die Überzeugungen über Körper und Gesundheit, die hinter den Sorgen stehen. Manchmal spielen auch Selbstwertregeln oder Dauerstress eine Rolle. Daraus leiten wir ein überprüfbares Ziel ab.
Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen
Ich stelle Fragen, statt Antworten vorzugeben. Welche Erklärungen gibt es für das Herzstolpern außer einer Krankheit? Was ist bisher tatsächlich passiert? Was würde es bedeuten, mit etwas Ungewissheit zu leben?
Üben im Alltag
Sie bauen Kontrollverhalten schrittweise ab, nehmen Aktivitäten wie Sport behutsam wieder auf und üben, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. Auch der Umgang mit Stress gehört dazu.
Abschluss und Rückfallvorbeugung
Wir legen fest, wie Sie reagieren, wenn Beschwerden wieder stärker werden, und wann ein Arztbesuch angebracht ist.
Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Sitzungen per Video sind möglich. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Häufige Fragen
Bilde ich mir die Beschwerden nur ein?
Nein. Die Symptome entstehen tatsächlich im Körper. In der Therapie geht es darum, die Faktoren zu verändern, die sie verstärken und aufrechterhalten.
Was ist, wenn doch etwas Körperliches übersehen wurde?
Ganz ausschließen lässt sich das nie, auch nicht nach vielen Untersuchungen. Deshalb bleibt der Kontakt zu Ihrem Arzt bestehen, und neue Beschwerden werden untersucht. Wir arbeiten daran, wie Sie mit der verbleibenden Ungewissheit leben können.
Reichen Entspannungsübungen nicht aus?
Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung können die körperliche Anspannung senken und sind eine sinnvolle Ergänzung. Die Sorge um den Körper und das Kontrollverhalten verändern sie allein meist nicht. Deshalb arbeiten wir an beidem.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.