Kurz erklärt
Burnout ist in der ICD-11 ein Phänomen im beruflichen Kontext (QD85) und keine Krankheitsdiagnose. Es beschreibt Erschöpfung, wachsende innere Distanz zur Arbeit und nachlassende berufliche Leistungsfähigkeit als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde.
Woran erkennt man ein Burnout?
Ein verallgemeinertes Beispiel, kein echter Fall: Ein Mann Anfang fünfzig leitet ein Team in einem mittelständischen Betrieb. Seit der letzten Umstrukturierung hat er die Aufgaben von zwei Stellen mitübernommen. Er ist morgens als Erster da und beantwortet abends vom Sofa aus noch Mails. Lange ging das gut. Inzwischen ist er am Wochenende so müde, dass er samstags bis mittags liegen bleibt. Die Kollegen, denen er früher gern geholfen hat, gehen ihm auf die Nerven. Für Aufgaben, die er früher nebenbei erledigt hat, sitzt er heute eine Stunde vor dem Bildschirm, ohne anzufangen. Urlaub hilft kaum noch. Nach drei Tagen im Büro ist alles wie vorher.
Die ICD-11, das Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, beschreibt Burnout mit genau diesen drei Merkmalen: Erschöpfung, zunehmende innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. Wichtig ist die Einordnung. Burnout steht dort unter dem Kode QD85 als Phänomen im beruflichen Kontext. Eine Krankheitsdiagnose ist es nicht. Der Begriff gilt ausdrücklich nur für die Arbeitswelt und nicht für Erschöpfung aus anderen Lebensbereichen, etwa durch die Pflege von Angehörigen.
Für Betroffene ist das keine Spitzfindigkeit. Hinter dem Wort Burnout kann sich Verschiedenes verbergen, und davon hängt ab, was hilft.
Meist kündigt sich die Erschöpfung lange vorher an. Der Schlaf wird flacher, kleine Fehler häufen sich, Kopfschmerzen oder Infekte kommen öfter. Viele merken es zuerst daran, dass sie gereizt auf Dinge reagieren, die sie früher gelassen genommen haben. Wer diese Zeichen kennt, kann früher gegensteuern.
Ist Burnout dasselbe wie eine Depression?
Nein, aber die Grenze ist unscharf. Erschöpfung, Schlafprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten kommen bei beidem vor. Ein grober Unterschied: Beim Burnout bezieht sich die Erschöpfung vor allem auf die Arbeit. Im Urlaub, mit Freunden oder beim Hobby kehrt zumindest zeitweise etwas Freude zurück. Bei einer Depression ist die Stimmung meist in allen Lebensbereichen gedrückt, auch dort, wo eigentlich nichts belastet. Was früher Freude gemacht hat, verliert seinen Reiz.
Ein lange andauernder Erschöpfungszustand kann in eine Depression übergehen. Deshalb kläre ich zu Beginn sorgfältig mit Ihnen, was im Vordergrund steht. Dazu gehört ein Besuch beim Hausarzt. Anhaltende Erschöpfung kann körperliche Ursachen haben, zum Beispiel eine Störung der Schilddrüse, Blutarmut oder nächtliche Atemaussetzer. Die sollten ausgeschlossen sein, bevor man alles auf die Arbeit schiebt.
Wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder im Notfall an die 112.
Warum brennen manche Menschen aus und andere nicht?
Die äußeren Bedingungen spielen eine große Rolle. Zu viel Arbeit, zu wenig Einfluss, fehlende Anerkennung, Konflikte im Team. Das sind echte Belastungen, und manchmal ist die vernünftigste Antwort darauf eine Veränderung am Arbeitsplatz. Ich werde niemandem einreden, eine untragbare Lage sei bloß eine Frage der Einstellung.
Trotzdem reagieren Menschen unter ähnlichen Bedingungen sehr unterschiedlich. Ein Teil der Erklärung liegt in den Regeln, nach denen jemand seine Arbeit und sich selbst bewertet.
Zurück zum Teamleiter. Die Situation: Am Freitagnachmittag kommt noch eine dringende Anfrage. Sein Gedanke: „Wenn ich das jetzt nicht mache, lasse ich alle hängen. Dann tauge ich nicht als Chef.“ Das Gefühl: Druck, Anspannung, unterschwellig Ärger. Das Verhalten: Er bleibt bis acht und sagt das Essen mit Freunden ab. Die Folge: Kurzfristig Erleichterung, die Sache ist erledigt. Langfristig fehlt die Erholung, und die Regel bekommt neue Nahrung. Es hat ja wieder geklappt.
Wer seinen Wert an seine Leistung bindet, kann sich keine Pause leisten. Jede Pause fühlt sich dann wie ein Risiko an.
Hinter vielen Burnout-Verläufen stehen solche Grundannahmen über Leistung und Selbstwert. „Ich bin nur etwas wert, wenn ich gebraucht werde.“ „Ich darf niemanden enttäuschen.“ „Wer Grenzen setzt, ist schwach.“ Manchmal kommen Forderungen an die Welt dazu: „Die Arbeit muss perfekt sein.“ Solche Regeln treiben zu immer mehr Einsatz, gerade dann, wenn die Kraft schon nachlässt. Ein Seminar über Zeitmanagement ändert daran wenig. Es macht jemanden womöglich nur effizienter darin, sich zu erschöpfen.
Ist Burnout nur ein Symptom?
Erschöpfung, Gereiztheit und das Gefühl, innerlich leer zu sein, sind die Zeichen eines Burnouts. Die Ursache liegt aber selten allein in der Arbeitsmenge. Häufig steckt eine lange Kette emotionaler Turbulenzen dahinter: Ärger über Ungerechtigkeit, die Angst, nicht zu genügen, das ständige Gefühl, nicht abschalten zu dürfen.
Diese Turbulenzen hängen eng mit persönlichen Konzepten zusammen.
Selbstwertkonzepte. Wert hat nur, wer leistet und unentbehrlich ist. Nein zu sagen fühlt sich dann an wie ein Verlust an Bedeutung.
Frustrationsintoleranzkonzepte. Schlechte Abläufe, unfaire Entscheidungen oder unzuverlässige Kollegen werden als unerträglich erlebt. Der innere Ärger kostet mehr Kraft als die Arbeit selbst.
Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Nur was man selbst erledigt, ist richtig erledigt. Delegieren fällt schwer, Pausen fühlen sich riskant an.
Der Schwerpunkt der Therapie liegt auf diesen Konzepten, neben der Entlastung im Alltag. Wir prüfen sie und erarbeiten tragfähigere Haltungen. Werden die emotionalen Turbulenzen ruhiger, kehrt in vielen Fällen auch die Kraft zurück, weil sie nicht mehr im inneren Dauerkampf verbraucht wird.
So arbeite ich
Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Bei Erschöpfung im Beruf sieht der Ablauf so aus:
Erstgespräch
In etwa 45 Minuten schildern Sie Ihre Lage. Ich frage nach Arbeitsbedingungen, Schlaf, Stimmung und danach, ob eine ärztliche Abklärung erfolgt ist. Wir klären, ob eher ein Burnout, eine Depression oder beides im Vordergrund steht. Das Erstgespräch kostet 50 Euro.
Konkrete Situationen analysieren
Wir gehen Momente durch, in denen Sie über Ihre Grenze gegangen sind. Was war los, was haben Sie gedacht, was haben Sie getan, und was folgte daraus?
Grundannahmen herausarbeiten und Ziel festlegen
Aus den Situationen wird meist eine Regel sichtbar, die Leistung und Selbstwert verknüpft, oder eine Forderung, dass etwas unbedingt so sein muss. Wir schreiben sie in Ihren Worten auf und legen ein Ziel fest, das sich überprüfen lässt.
Annahmen im Sokratischen Dialog prüfen
Ich stelle Fragen, statt Antworten vorzugeben. Woher kommt die Regel? Ist sie logisch haltbar? Wohin führt sie, wenn Sie so weitermachen wie bisher?
Üben im Alltag
Sie erproben neues Verhalten: eine Aufgabe ablehnen, pünktlich gehen, Erholung fest einplanen, eine Arbeit bewusst als gut genug abgeben. Was dabei an Unruhe oder Schuldgefühl hochkommt, besprechen wir in der nächsten Sitzung.
Abschluss und Rückfallvorbeugung
Wir halten fest, woran Sie frühe Warnzeichen erkennen und was Sie dann tun. Gerade nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz ist das wichtig.
Eine Sitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut erreichbar. Sitzungen per Video sind möglich. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.
Häufige Fragen
Reicht nicht einfach ein langer Urlaub?
Erholung ist nötig, und manchmal braucht es zuerst eine Pause. Bleiben aber die Regeln dieselben, mit denen Sie danach an den Schreibtisch zurückkehren, ist die Erschöpfung oft schnell wieder da. In der Therapie arbeiten wir an diesen Regeln.
Kann ich wegen Burnout krankgeschrieben werden?
Ob Sie arbeitsunfähig sind, beurteilt Ihr Arzt. Ich stelle keine Krankschreibungen aus. Weil Burnout keine Krankheitsdiagnose ist, prüft der Arzt, welche Diagnose Ihre Beschwerden beschreibt.
Muss ich meinen Job wechseln?
Nicht unbedingt. Manchmal ist ein Wechsel die richtige Entscheidung, manchmal reichen veränderte Absprachen oder ein anderer Umgang mit den eigenen Ansprüchen. Ich rate davon ab, eine solche Entscheidung im Zustand völliger Erschöpfung zu treffen. Wir können sie in der Therapie gemeinsam durchdenken.
Wie bekomme ich einen Termin?
Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.