Paartherapie

Paartherapie in Salzkotten: Worüber Paare im Streit wirklich verhandeln

Paare streiten selten über das, worüber sie zu streiten glauben. Ich zeige, welche Bewertungen einen Konflikt antreiben, wie zwei Schutzstrategien ineinandergreifen und wie ich die Paartherapie mit Ihnen plane.

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Paar im Gespräch mit einer Therapeutin in einem hellen Behandlungsraum
Foto: @silverkblack / Unsplash

Kurz erklärt

Paartherapie ist eine psychotherapeutische Behandlung, an der beide Partner gemeinsam teilnehmen und in der wiederkehrende Konflikte, ihre Auslöser und die Muster der Beziehung untersucht werden. In der kognitiven Verhaltenstherapie stehen dabei die Bewertungen und Erwartungen im Mittelpunkt, mit denen jeder Partner das Verhalten des anderen deutet.

Es ist Sonntagabend, die Kinder schlafen, und eigentlich wollten beide nur kurz klären, wer am Dienstag die Tochter vom Training abholt. Zwanzig Minuten später sagt sie: „Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen.“ Er antwortet nicht mehr, nimmt sein Handy und geht ins Arbeitszimmer. Der Abend ist gelaufen. So oder ähnlich schildern Paare in meiner Praxis in Salzkotten ihre Abende, hier verallgemeinert. Am Morgen sind beide wieder freundlich zueinander. Über den Sonntag spricht niemand.

Worüber streiten Paare eigentlich?

Der Anlass ist fast immer klein: ein Termin, das Geld, die Schwiegermutter, die Spülmaschine. Heftig wird der Streit durch die Bewertung, die jeder still dazudenkt. Aus „Du hast den Termin vergessen“ wird in Sekunden „Ich bin dir nicht wichtig“. Und in „Auf dich kann man sich nicht verlassen“ hört der andere: „Du bist ein Versager.“

Damit hat sich das Thema verschoben. Verhandelt wird nicht mehr die Abholung am Dienstag, sondern der Wert zweier Menschen. Gegen ein solches Urteil wehrt man sich mit allem, was man hat. Deshalb lassen sich Paarstreits so schwer beenden. Jeder verteidigt sich gegen einen Angriff, den der andere so vielleicht nie gemeint hat.

Naheliegend wäre, an der Wortwahl zu feilen. Das trägt selten lange. Solange die Bewertung darunter unverändert bleibt, findet sie einen anderen Weg nach draußen, notfalls über den Tonfall.

Was zeigt der Kiesler-Kreis über eine Partnerschaft?

Der amerikanische Psychologe Donald J. Kiesler hat zwischenmenschliches Verhalten auf zwei Achsen geordnet. Auf der einen liegt Bestimmen gegenüber Nachgeben, auf der anderen Zuwendung gegenüber Abweisung. Ein drängender Vorwurf liegt bei bestimmend und abweisend. Beleidigtes Schweigen liegt eher bei nachgiebig und abweisend.

Der Kern des Modells heißt Komplementarität. Jedes Verhalten legt dem Gegenüber eine bestimmte Antwort nahe. Bestimmen zieht Nachgeben oder Rückzug nach sich, Abweisung wird mit Abweisung beantwortet. So entsteht in vielen Partnerschaften ein Kreislauf, den keiner allein in Gang hält. Sie drängt, weil er sich zurückzieht. Er zieht sich zurück, weil sie drängt. Beide erleben sich als die Reagierenden und den anderen als den Auslöser.

Der Kiesler-Kreis Zwei Achsen: oben bestimmend, unten nachgiebig, links abweisend, rechts zugewandt. Drängen liegt bei bestimmend und abweisend, Rückzug bei nachgiebig und abweisend. Pfeile zeigen, wie beide Verhaltensweisen sich gegenseitig einladen. bestimmend nachgiebig abweisend zugewandt Drängen Vorwurf, Nachhaken Rückzug Schweigen, Ausweichen
Der Kiesler-Kreis: Drängen lädt zum Rückzug ein, Rückzug zum Drängen. Der Kreislauf hält sich selbst in Gang.

Wer sich zurückzieht, um den Streit zu beenden, liefert dem anderen oft genau den Beweis, um den der Streit ging.

Für viele Paare ist das ein überraschender Moment. Den Rückzug, den er als Friedensangebot meint, liest sie als Gleichgültigkeit. Ihr Nachhaken, das sie als Suche nach Nähe meint, liest er als Kontrolle. Falsch ist keiner der beiden Stile. Zum Problem wird ein Stil erst, wenn er sich verfestigt und jede Lage gleich beantwortet. In der Behandlung verorten wir Ihre beiden Stile im Kreis und suchen die Stelle, an der eine andere Antwort möglich wäre.

Ist der Streit nur ein Symptom?

Der wiederkehrende Streit ist das, was beide spüren. Die Ursache ist er selten. Meist liegen darunter emotionale Turbulenzen, die jeder Partner in die Beziehung mitgebracht hat und die sich im Alltag zu zweit immer wieder entzünden. Hinter diesen Turbulenzen stehen persönliche Konzepte, also tief verankerte Annahmen über sich selbst, über den anderen und darüber, wie eine Beziehung zu sein hat.

Selbstwertkonzepte. Wer seinen Wert an der Zustimmung des Partners misst, erlebt Kritik als Urteil über die ganze Person. Er verteidigt sich, schlägt zurück oder verstummt. Manche sagen deshalb jahrelang kaum Nein und sammeln dabei einen stillen Groll.

Frustrationsintoleranzkonzepte. „Das kann doch nicht so schwer sein.“ Dass der andere es trotzdem nicht tut, wird als unerträglich erlebt, der Ärger ist sofort da. Andere schieben unangenehme Gespräche so lange auf, bis sich zehn Themen gestaut haben und eines davon explodiert.

Kontroll- und Sicherheitskonzepte. Nähe soll gesichert sein, jederzeit und eindeutig. Eine unbeantwortete Nachricht oder ein Abendtermin ohne Erklärung wird dann zur Bedrohung, die sofort geklärt werden muss.

Oft hat jeder Partner sein eigenes Konzept, und beide greifen ineinander. Auf diesen Konzepten liegt der Schwerpunkt der Behandlung.

Welche Rolle spielen frühere Beziehungserfahrungen?

Die Erwartungen, mit denen jemand das Verhalten seines Partners deutet, sind älter als die Beziehung. Wer als Kind erlebt hat, dass auf Streit tagelanges Schweigen folgte, deutet einen stillen Abend nach einer Meinungsverschiedenheit leicht als Strafe. Wer früh für die Stimmung der Eltern zuständig war, hört in jeder Verstimmung des Partners einen Auftrag.

Darum fragen wir auch, woher eine Erwartung stammt. Schuldige zu suchen ist nicht der Sinn. Ziel ist, die alte Erfahrung von dem Menschen zu unterscheiden, mit dem Sie heute leben. Wiegen frühe Erfahrungen schwer, beziehe ich ergänzend schematherapeutische Ansätze und Elemente aus NARM ein. In NARM lasse ich mich derzeit am UTA Institut Köln ausbilden.

So arbeite ich

Als Therapeut ist meine Grundlage die kognitive Verhaltenstherapie. Den Rahmen der Paartherapie gibt die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik (PKP) nach Stavemann und Hülsner vor. Ein festes Programm, das für alle Paare gleich abläuft, gibt es bei mir nicht. Die Arbeit verläuft meist so:

  1. Erstgespräch zu zweit

    In etwa 45 Minuten erzählt jeder von Ihnen seine Sicht der Lage, ohne Unterbrechung durch den anderen. Das Erstgespräch kostet 50 Euro. Bei Doctena wählen Sie dafür den Besuchsgrund „Erstgespräch Praxis Salzkotten“.

  2. Eine Szene genau untersuchen

    Wir nehmen einen konkreten Streit, oft den letzten, und gehen ihn langsam durch. Was hat jeder gedacht, gefühlt und getan, und was folgte daraus beim anderen?

  3. Das Paarmuster beschreiben

    Mit dem Kiesler-Kreis bestimmen wir, wie Ihre beiden Stile ineinandergreifen und welches Verhalten welches Gegenverhalten einlädt.

  4. Annahmen herausarbeiten

    Für jeden von Ihnen klären wir, welche Annahme die eigene Reaktion antreibt, und ordnen sie einem Problembereich zu: Selbstwert, Frustrationsintoleranz, Kontrolle und Sicherheit oder Existenzielles. Je nach Anliegen gibt es dafür eine Einzelsitzung, für beide gleich.

  5. Ziele vereinbaren und Annahmen prüfen

    Was soll in Ihrem Alltag zu zweit anders aussehen, so konkret, dass Sie es überprüfen können? Im Sokratischen Dialog prüfen wir anschließend, was für Ihre Annahmen spricht und was dagegen.

  6. Im Alltag erproben

    Zwischen den Sitzungen erprobt jeder an einer Stelle eine andere Antwort, als der andere sie erwartet. Was das konkret ist, leiten wir aus Ihrem gemeinsamen Problemmodell ab. In der folgenden Sitzung werten wir es aus, die Rückfälle in alte Muster eingeschlossen.

Die Praxis liegt in der Lindentrift 36 in Salzkotten und ist aus Geseke, Delbrück, Büren und dem übrigen Kreis Paderborn gut zu erreichen. Je nach Anliegen sind Sitzungen per Video möglich. Eine Paarsitzung dauert 60 Minuten und kostet 120 Euro. Die Gebühren sind von Ihnen selbst zu tragen. Eine Abrechnung mit der privaten Krankenversicherung ist je nach Tarif möglich, Paartherapie ist dort allerdings häufig ausgeschlossen. Mit gesetzlichen Krankenkassen rechne ich nicht ab.

Häufige Fragen

Mein Partner möchte nicht mitkommen. Was dann?

Dann beginnen Sie allein. Den eigenen Anteil am Muster können Sie auch ohne Ihren Partner untersuchen. Wenn einer seine Antwort im Kreislauf verändert, steht auch der andere vor einer neuen Lage.

Ergreifen Sie Partei?

Nein. Ich mache beide Sichtweisen nachvollziehbar. Wer recht hat, entscheide ich nicht.

Wann ist Paartherapie nicht der passende Rahmen?

Wird in der Beziehung Gewalt ausgeübt, geht Schutz vor, und eine gemeinsame Sitzung ist nicht der richtige Rahmen. Im Notfall wählen Sie die 112. Paartherapie setzt außerdem voraus, dass jeder auch das eigene Verhalten untersuchen will und nicht nur das des anderen.

Wie bekomme ich einen Termin?

Termine erhalten Sie über die Online-Terminreservierung von Doctena, indem Sie unter „Besuchsgrund“ einen Termin zum Erstgespräch reservieren. Für mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne auch per E-Mail zur Verfügung.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

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