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Anstrengung im Alltag

Anstrengung im Alltag

Spannungen:

Der Weg zu einem möglicherweise anstrengenden Alltag

Mittlerweile ist durch die Neurobiologie recht gut erforscht, dass unser Gehirn „formbar“ ist, es passt sich an die Nutzungsbedingungen an, sodass es bei Aktivitäten Netzwerke ausbildet. Diese „erfahrungsabhängige Neuroplastizität“ geschieht schon vorgeburtlich. Aus einem Bündel von Erfahrungen, gleich ob positiver oder negativer Art bilden sich (nicht nur beim Kind) feste Überzeugungen und Grundhaltungen heraus.

Unser Gehirn bildet feste Überzeugungen, diese Grundprägung geschieht primär durch Erfahrungen in unserer Ursprungsfamilie. Dabei passen wir uns den Denk-, Gefühls-, oder Empfindungsmustern unserer Familie an, weil diese dem menschlichen Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit entsprechen. So ist es kein Zufall, dass sich „Familiengeschichten“ herausbilden, die über Generationen hinweg im gleichen Berufsfeld tätig waren.

In systemischer Perspektive können wir sagen, dass Muster im Familiensystem über Generationen hinweg weitertradiert werden. Weitertradierung von Mustern Genetik und Sozialisation spielen eine wichtige Rolle, gleichzeitig sind wir nicht auf unsere Gene und die familiäre Prägung festgelegt. Neben dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit kommt als wichtige zweite Komponente unser Bedürfnis nach autonomer Gestaltung zur Geltung. Durch den eigenen Lebenswillen geschieht eine Einordnung der (frühkindlichen) Erlebnisse in ein persönliches Koordinatensystem, durch das die Erlebnisse als positiv oder negativ bewertet werden. Dadurch lässt sich erklären, dass Kinder, die unter den gleichen familiären Bedingungen aufwachsen, sehr unterschiedlich diese Erfahrungen verarbeiten: Negative Erfahrungen hindern die einen nicht daran, Selbstvertrauen aufzubauen und starke Persönlichkeiten zu werden.

Andere dagegen werden durch das Negative stark beeinflusst und leiden schon früh unter Minderwertigkeitsgefühlen. Persönliches Koordinatensystem zur Bewertung Diese Grundprägungen oder Glaubenssätze bestimmen unseren Alltag und werden normalerweise nur dann überprüft, wenn sie mit schwerwiegenden Erlebnissen kollidieren, d. h. wenn Erlebnisse und Glaubenssätze nicht mehr zusammenpassen. Dies geschieht z. B. dann, wenn dynamische, offene, inspirierende Menschen in einer Organisation „landen“, die sehr starr und rigide ist. Die immer wieder neuen Versuche, die Organisation mit neuen Ideen zu inspirieren, werden abgeblockt. Die persönliche Analyse dieser Situation ergibt eine externale Schuldzuweisung, es wird beispielsweise den anderen Mitgliedern der Organisation Denkfaulheit oder Bequemlichkeit unterstellt. Dadurch wird die eigene innere Überzeugung nicht infrage gestellt. Der Betroffene kann nicht erkennen, dass seine Glaubenssätze nicht zu dieser Organisation passen und ihn dadurch behindern. Glaubenssätze bestimmen uns und können hinderlich sein. Glaubenssätze , die Menschen antreiben oder (im Gegenteil) stark einschränken, begünstigen das Auftreten von Disstressphänomenen , weil man so sehr in der eigenen Überzeugung gefangen ist und nicht mehr wahrnimmt, wo und wie diese Überzeugung hinderlich ist.

Glaubensüberzeugungen treffen auf die Realität und erzeugen Spannungen.

Sei perfekt! Menschen mit diesem Glaubenssatz laufen der Illusion hinterher, alles perfekt machen zu müssen. Das Gute genügt nicht; dabei übersehen sie, dass die größte Perfektion noch überboten werden kann und ein unendlicher Kreislauf von Perfektionsstreben und Nicht-gut-genug-Sein aufrechterhalten wird. Perfektion ​– ​ Beeile dich! „Müßiggang ist aller Laster Anfang!“ Solche Sätze wurden internalisiert und prägen das Verhalten.

Es versteht sich von selbst, dass unter Zeitdruck nicht unbedingt die besten Ergebnisse erzielt werden, im Gegenteil: Kreativität braucht Freiräume und genügend freie Zeit.

  • „Eile“ ​– ​
  • Sei stark! Früher impfte man Jungs ein:
  • „Jungen weinen nicht“. Teilweise ist diese alte Rollenverteilung auch heute noch verbreitet.

Diese kulturell bedingte Prägung verhindert es, sich Unterstützung zu holen oder andere zum Mittragen von Entscheidungen zu gewinnen; als Chef eines Unternehmens kann es dann eine große Last sein, einsame Entscheidungen zu treffen und dafür den Kopf hinzuhalten. Stärke ​– ​ Mach es immer allen recht! Dahinter verbirgt sich eine tiefe Scheu vor Konflikten und Konfrontation, weil beim Eingehen von Konflikten damit zu rechnen ist, anzuecken und nicht mehr von allen geliebt zu werden. Diese Angst vor Liebesentzug setzt alle Hebel in Bewegung, um möglichst viele mit ihren z. T. sehr unterschiedlichen Ansprüchen zu befriedigen, was mitunter nur unter Aufgabe der eigenen Ansprüche und Wünsche möglich ist. Streng dich an! Eine Arbeit ist nur dann befriedigend, wenn „viel Schweiß und Tränen“ vergossen wurden.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer