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Was sind Emotionen und warum sind sie so wichtig für uns?

Was sind Emotionen und warum sind sie so wichtig für uns?

Emotionen sind Gefühlsreaktionen, somit sind grundlegender Teil des menschlichen Erlebens. Doch was sind Emotionen
überhaupt? Haben diese einen Nutzen? Sind negative bzw. unangenehme Emotionen wie Traurigkeit oder Angst schädlich?
Welche Emotionen gibt es?
Prinzipiell lassen sich zunächst einmal positive und negative Emotionen unterscheiden. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass positive Emotionen besser oder nützlicher wären als negative. Sowohl Emotionen mit positivem Charakter (z. B. Freude) als auch solche mit negativem Charakter (z. B. Traurigkeit) haben ihre Berechtigung und sind Teil des normalen emotionalen Erlebens. Man kann daher auch von angenehmen und unangenehmen Emotionen sprechen.
Beispiele für positive bzw. angenehme Emotionen: Freude, Zufriedenheit, Glück, Liebe, Stolz…
Beispiele für negative bzw. unangenehme Emotionen: Angst, Ärger, Wut, Einsamkeit, Scham, Schuld, Trauer/Traurigkeit..


Wie fühlen sich Emotionen an?
Wird eine bestimmte Emotion ausgelöst, dann fühlt man diese in der Regel körperlich in verschiedenen Körperregionen.
Die körperlich wahrnehmbaren Empfindungen hängen dabei von der Art der Emotion sowie von ihrer Stärke ab und sind auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Viele Menschen beschreiben beispielsweise ein »Kribbeln im Bauch«, wenn sie verliebt sind. Die Emotion Ärger wird hingegen oft als ein Druckgefühl in der Magengegend beschrieben. Dabei können auch mehrere verschiedene Körperempfindungen gleichzeitig oder nacheinander auftreten und sich im Körper ausbreiten (z. B. ein Druckgefühl in der Magengegend, das sich in den Brustbereich ausbreitet).


Beispiele für Körperempfindungen im Zusammenhang mit Emotionen:
Kribbeln
Druckgefühl
Kälte
Wärme
Verkrampfung
Zittern
Herzrasen
Schwitzen
Unruhe

Wodurch werden Emotionen ausgelöst?
Emotionen entstehen nicht ohne einen Anlass bzw. einen Auslöser. Dieser Auslöser kann eine bestimmte Situation
sein (äußerer Auslöser) oder ein Gedanke, eine Erinnerung, ein inneres Bild oder auch eine andere Emotion (innere Auslöser).

Haben Emotionen einen Sinn?
Die Funktion von Emotionen besteht darin, dass sie uns eine schnelle Einschätzung der gegenwärtigen Situation ermöglichen und uns wichtige Informationen über unsere aktuellen Bedürfnisse geben. Sie funktionieren in gewisser Weise wie die Warnlämpchen im Auto, die uns durch ihr Aufleuchten darüber informieren, dass beispielsweise ein Scheinwerfer kaputt oder der Tank leer ist. So zeigt Angst an, dass die aktuelle Situation eventuell gefährlich ist und unser Bedürfnis nach Sicherheit in dieser Situation nicht ausreichend befriedigt ist. Ärger weist darauf hin, dass uns möglicherweise ein Unrecht getan wurde und unser Bedürfnis nach respektvoller Behandlung und Wahrung unserer Interessen unbefriedigt ist. Ein Schuldgefühl zeigt an, dass wir eventuell selbst etwas falsch gemacht haben und signalisiert unser Bedürfnis nach Vergebung. Wir wollen dann also Wiedergutmachung leisten, um das friedliche Miteinander wiederherzustellen. Somit liefern uns Emotionen Informationen darüber, was wir in einer bestimmten Situation brauchen, was uns fehlt oder was uns stört.

Kann man sich auf seine Emotionen und die durch sie vermittelten Informationen verlassen?
Wenn wir durch unsere Emotionen Informationen erhalten, dann stellt sich natürlich die Frage, ob wir diesen Informationen
trauen können. In vielen Fällen liegen wir mit unseren Emotionen richtig, aber leider nicht immer. Manchmal
zeigt uns unsere Angst eine reale Gefahr an, manchmal ist die Angst aber auch übertrieben und die Situation ist
gar nicht so gefährlich, wie unsere Angst uns glauben macht. Es kann beispielsweise sein, dass ein kleiner freundlicher
Hund Angst in uns auslöst, obwohl er gar keine Gefahr darstellt. Oder wir haben auf einem Kirchturm Angst, obwohl
dieser seit 500 Jahren stabil steht. Oder aber wir haben ein Schuldgefühl, obwohl wir nichts falsch gemacht haben.

Warum ist das so? Das emotionale System ist eine sehr effektive Entwicklung der Natur. Es reagiert auf kleinste Hinweisreize und führt zu einer sehr schnellen Ersteinschätzung der Situation. Das hat dem Menschen in grauer Vorzeit oft das Leben gerettet: Wenn ein Mensch eine Schlange sah ober auch nur ihr Zischen hörte, stieg sofort Angst in ihm hoch und signalisierte: Gefahr! Die Angst brachte diesen Menschen dann dazu, sofort das Weite zu suchen und sich in
Sicherheit zu bringen (Fluchtreaktion). Emotionen bleiben im Gedächtnis. Das Angstsystem ist mit unserem Gedächtnis verknüpft. Haben wir in einer bestimmten
Situation einmal schlechte Erfahrungen gemacht, dann werden wir später in ähnlichen Situationen durch unsere emotionale Erinnerung umso schneller alarmiert. Nicht nur Angst, sondern auch andere Emotionen können auf diese Weise durch Erfahrungen und Lernprozesse mit bestimmten Ereignissen beziehungsweise Auslösern verknüpft werden.
Diese erlernten Emotionen sind dann auch in späteren Lebensphasen schneller auslösbar. Wer in seiner Kindheit oft verlassen oder vernachlässigt wurde, erlebte immer wieder Emotionen wie Traurigkeit und Einsamkeit. Als Erwachsener wird er diese Emotionen in bestimmten Situationen schneller empfinden als andere Menschen. Auf diese Weise können beispielsweise unnötige Verlustängste in der Partnerschaft entstehen.

Was sagen meine Emotionen über mich aus?
Emotionen liefern uns nicht nur Informationen über unsere Bedürfnisse, sie vermitteln diese Bedürfnisse auch an unsere Mitmenschen. Dies geschieht über unseren emotionalen Gefühlsausdruck mittels Gestik, Mimik und Stimmlage.
Wenn ein Mensch einen traurigen Gesichtsausdruck zeigt oder sogar weint, dann vermittelt dieser emotionale Ausdruck dem Gegenüber, dass diesem Menschen etwas fehlt und dass er ein Bedürfnis nach Trost und Fürsorge hat.
Viele Menschen haben aber die Überzeugung, dass es besser sei, die eigenen Gefühle vor anderen zu verbergen. Dies führt jedoch dazu, dass es den Mitmenschen viel schwerer fällt, die Bedürfnisse der betreffenden Person zu verstehen und auf diese einzugehen.
Das emotionale System reagiert sehr schnell und kann uns vor Gefahren schützen. Andererseits löst ein System, das so schnell reagiert natürlich auch öfter einmal einen Fehlalarm aus.
Emotionen liefern oft eine hilfreiche Einschätzung der aktuellen Situation, sie können aber auch das  Ergebnis vergangener Lernerfahrungen sein.
Emotionen bzw. unser emotionales Ausdrucksverhalten vermitteln den anderen Menschen, wie wir uns fühlen und welches Bedürfnis wir gerade haben.

Für mögliche Fragen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer (Heilpraktiker für Psychotherapie)