Archives 2021

Das erwartet Sie im Erstgespräch bei uns in der Praxis

Das erwartet Sie im Erstgespräch bei uns in der Praxis

Erstgespräch Pychotherapie in Salzkotten

(1) Ich begrüße Sie und begleite Sie zu Ihrem Platz, nach einer kurzen Einleitung erläutere Ich Ihnen Inhalt und Ziel des Erstgesprächs: Was haben Sie zu erwarten, was wird heute besprochen, was später?

(2) Warum kommen Sie in die Behandlung, was führt Sie zu mir und warum gerade jetzt?

(3) Dann werden wir die Problematiken schon im Erstgespräch herausarbeiten und resultierende Symptome erheben:

  • Unter welchen Emotionen,Verhaltensweisen und Konsequenzen leiden Sie überwiegend?
  • Wie häufig?
  • Wie lange schon? Wie stark?
  • Welche Beeinträchtigungen gibt es im Alltag?
  • Erstmalig? Falls nein: zeitliche Entwicklung.

(4) Vorläufige diagnostische Einordnung die wir gemeinsam besprechen. Symptomatiken, Ursachen, Verdachtsdiagnose(n)

(5) Könnte es somatische Ursachen für die Beschwerden geben? Gibt es körperliche Beschwerden oder Erkrankungen,
die die Problematik verursachen (z. B. Schilddrüsenerkrankung, Hormonstörung) oder die dadurch bedingt sein könnten (z. B. psychosomatische Erkrankungen)?

(6) Über welche Bewältigungsstrategien und Therapieerfahrungen verfügen Sie (bereits)?

(8) Welche konkreten Erwartungen und Therapieziele haben Sie?

(9) Dann erläutere ich Ihnen das therapeutisches Vorgehen: Was erwartet Sie in Ihrer Behandlung ? Ich beschreibe Ihnen ausführlich wie wir gemeinsam an der Problematik arbeiten, mit welchen Verfahren und stelle diese Ihnen vor.

(10) In Schritt 10 besprechen wir Ihre Therapieziele.

(11) Dann nehmen wir uns die nötige Zeit und besprechen Ihre Fragen, z.B organisatorisches: Kostenträger (z.B. private Krankenversicherung, BG) Termine, ggf. somatische Abklärung durch einen Hausarztbesuch, u .a

 

Da es uns aus zeitlichen Gründen nicht immer möglich ist Ihre Terminwünsche persönlich entgegen zu nehemen und zu bearbeiten, haben wir die Möglichkeit der Onlineterminierung Doctena für Sie eingerichtet, Sie können sich Ihren Termin ganz bequem selbst reservieren.

 

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer

Anstrengung im Alltag

Anstrengung im Alltag

Spannungen:

Der Weg zu einem möglicherweise anstrengenden Alltag

Mittlerweile ist durch die Neurobiologie recht gut erforscht, dass unser Gehirn „formbar“ ist, es passt sich an die Nutzungsbedingungen an, sodass es bei Aktivitäten Netzwerke ausbildet. Diese „erfahrungsabhängige Neuroplastizität“ geschieht schon vorgeburtlich. Aus einem Bündel von Erfahrungen, gleich ob positiver oder negativer Art bilden sich (nicht nur beim Kind) feste Überzeugungen und Grundhaltungen heraus.

Unser Gehirn bildet feste Überzeugungen, diese Grundprägung geschieht primär durch Erfahrungen in unserer Ursprungsfamilie. Dabei passen wir uns den Denk-, Gefühls-, oder Empfindungsmustern unserer Familie an, weil diese dem menschlichen Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit entsprechen. So ist es kein Zufall, dass sich „Familiengeschichten“ herausbilden, die über Generationen hinweg im gleichen Berufsfeld tätig waren.

In systemischer Perspektive können wir sagen, dass Muster im Familiensystem über Generationen hinweg weitertradiert werden. Weitertradierung von Mustern Genetik und Sozialisation spielen eine wichtige Rolle, gleichzeitig sind wir nicht auf unsere Gene und die familiäre Prägung festgelegt. Neben dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit kommt als wichtige zweite Komponente unser Bedürfnis nach autonomer Gestaltung zur Geltung. Durch den eigenen Lebenswillen geschieht eine Einordnung der (frühkindlichen) Erlebnisse in ein persönliches Koordinatensystem, durch das die Erlebnisse als positiv oder negativ bewertet werden. Dadurch lässt sich erklären, dass Kinder, die unter den gleichen familiären Bedingungen aufwachsen, sehr unterschiedlich diese Erfahrungen verarbeiten: Negative Erfahrungen hindern die einen nicht daran, Selbstvertrauen aufzubauen und starke Persönlichkeiten zu werden.

Andere dagegen werden durch das Negative stark beeinflusst und leiden schon früh unter Minderwertigkeitsgefühlen. Persönliches Koordinatensystem zur Bewertung Diese Grundprägungen oder Glaubenssätze bestimmen unseren Alltag und werden normalerweise nur dann überprüft, wenn sie mit schwerwiegenden Erlebnissen kollidieren, d. h. wenn Erlebnisse und Glaubenssätze nicht mehr zusammenpassen. Dies geschieht z. B. dann, wenn dynamische, offene, inspirierende Menschen in einer Organisation „landen“, die sehr starr und rigide ist. Die immer wieder neuen Versuche, die Organisation mit neuen Ideen zu inspirieren, werden abgeblockt. Die persönliche Analyse dieser Situation ergibt eine externale Schuldzuweisung, es wird beispielsweise den anderen Mitgliedern der Organisation Denkfaulheit oder Bequemlichkeit unterstellt. Dadurch wird die eigene innere Überzeugung nicht infrage gestellt. Der Betroffene kann nicht erkennen, dass seine Glaubenssätze nicht zu dieser Organisation passen und ihn dadurch behindern. Glaubenssätze bestimmen uns und können hinderlich sein. Glaubenssätze , die Menschen antreiben oder (im Gegenteil) stark einschränken, begünstigen das Auftreten von Disstressphänomenen , weil man so sehr in der eigenen Überzeugung gefangen ist und nicht mehr wahrnimmt, wo und wie diese Überzeugung hinderlich ist.

Glaubensüberzeugungen treffen auf die Realität und erzeugen Spannungen.

Sei perfekt! Menschen mit diesem Glaubenssatz laufen der Illusion hinterher, alles perfekt machen zu müssen. Das Gute genügt nicht; dabei übersehen sie, dass die größte Perfektion noch überboten werden kann und ein unendlicher Kreislauf von Perfektionsstreben und Nicht-gut-genug-Sein aufrechterhalten wird. Perfektion ​– ​ Beeile dich! „Müßiggang ist aller Laster Anfang!“ Solche Sätze wurden internalisiert und prägen das Verhalten.

Es versteht sich von selbst, dass unter Zeitdruck nicht unbedingt die besten Ergebnisse erzielt werden, im Gegenteil: Kreativität braucht Freiräume und genügend freie Zeit.

  • „Eile“ ​– ​
  • Sei stark! Früher impfte man Jungs ein:
  • „Jungen weinen nicht“. Teilweise ist diese alte Rollenverteilung auch heute noch verbreitet.

Diese kulturell bedingte Prägung verhindert es, sich Unterstützung zu holen oder andere zum Mittragen von Entscheidungen zu gewinnen; als Chef eines Unternehmens kann es dann eine große Last sein, einsame Entscheidungen zu treffen und dafür den Kopf hinzuhalten. Stärke ​– ​ Mach es immer allen recht! Dahinter verbirgt sich eine tiefe Scheu vor Konflikten und Konfrontation, weil beim Eingehen von Konflikten damit zu rechnen ist, anzuecken und nicht mehr von allen geliebt zu werden. Diese Angst vor Liebesentzug setzt alle Hebel in Bewegung, um möglichst viele mit ihren z. T. sehr unterschiedlichen Ansprüchen zu befriedigen, was mitunter nur unter Aufgabe der eigenen Ansprüche und Wünsche möglich ist. Streng dich an! Eine Arbeit ist nur dann befriedigend, wenn „viel Schweiß und Tränen“ vergossen wurden.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer

 

 

 

 

Soziale Beziehungen

Soziale Beziehungen

Interpersonelle Ambivalenzen

Zwischenmenschliche Beziehungen werden als eine der wichtigsten Komponenten von psychischer Gesundheit und Zufriedenheit angesehen, und die Fähigkeit, diese aufrechtzuerhalten als eine zentrale Kompetenz im Rahmen psychischer Gesundheit.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind für das allgemeine Wohlbefinden auf den verschiedensten interpersonellen Ebenen wie Familie, Beruf oder Schule von zentraler Bedeutung. Der Gegenspieler von zwischenmenschlichem Zugehörigkeitsgefühl, das subjektive Gefühl der Einsamkeit wirkt sich hingegen bei lang andauerndem, chronischem Auftreten negativ auf die psychische als auch physische Gesundheit aus. Definiert als die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen und den gewünschten sozialen Beziehungen einer Person kann akute Einsamkeit evolutionär betrachtet jedoch auch als ein überlebenswichtiges Gefühl bzw. biologisches Mangelsignal betrachtet werden, welches uns Menschen auffordert, uns mehr und aktiv um soziale Kontakte zu bemühen. Allerdings sollten wir dann über entsprechende interpersonelle (zwischenmenschliche) Fertigkeiten verfügen, um unser soziales Netz aktiv zu vergrößern bzw. intensivieren zu können. Soziale Beziehungen und  Verhaltensweisen spielen folgerichtig in der klinischen Psychologie eine große Rolle. Interpersonelle Probleme und Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin zur chronischen Einsamkeit sind dabei ein zentrales Problem verschiedener psychischer Erkrankungen. Dieses betrifft nicht nur Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, denen per definitionem interpersonelle Probleme inhärent sind, sondern insbesondere auch Patienten, welche unter affektiven Störungen z.B. Depressionen, einer sozialen Phobie oder auch Abhängigkeitserkrankungen leiden. Genaugenommen können sich diese zwischenmenschlichen Probleme bei fast allen psychischen Störungen wiederfinden. Daher ist die Bearbeitung dieser Problematiken in der Einzel- als auch Gruppentherapie von zentraler Bedeutung.

Analyse und Bearbeitung interpersonellen Verhaltens in der Therapie

Bei der näheren Betrachtung zwischenmenschlicher Probleme und deren Aufrechterhaltung gilt ein Hauptaugenmerk spezifischen und konkreten  Situationen. Dabei bedarf es spezifischer Analysetechniken, um schwierige zwischenmenschliche Situationen einerseits besser zu verstehen und andererseits konkrete Fertigkeiten zu erwerben, um die auftretenden interpersonellen Probleme zu lösen. Das Training fokussiert dabei auf vier wesentliche Aspekte:

(1) Reflektion des eigenen Verhaltens . Durch die Reflektion des eigenen Verhaltens soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie Klienten selbst in sozialen Interaktionen wirken und welche Konsequenzen diese Verhaltensweisen auf ihre Interaktionspartner haben. Durch die komplementären Reaktionstendenzen des wird für die Klienten verständlich und erlebbar, wie sich (ungünstige) Interaktionsmuster stabilisieren und welche interpersonellen Konsequenzen die Folge sein können.

(2) Nonverbale und verbale Kommunikation. Die Methode und seine verschiedenen Positionen erlauben nicht nur eine Analyse des eigenen Verhaltens und der zugrundeliegenden Interaktionsmuster. Er stellt auch Ausgangspunkt dar, um anhand verschiedener Übungen und Strategien die nonverbale und verbale Kommunikation zu reflektieren und zu verändern. Im meiner Therapie werden gezielt nonverbale und verbale Kommunikationsmuster der Patienten auf ihre Bedeutung im zwischenmenschlichen Kontext analysiert. Darauf aufbauend sollen Patienten neue Formen von nonverbaler und verbaler Kommunikation erlernen und trainieren.

(3) Konflikt-und Empathie -training. Patienten mit interpersonellen Problemen zeigen häufig große Schwierigkeiten interpersonelle Konflikte zu bewältigen bzw. sich diesen überhaupt zu stellen. Deshalb werden spezifische Techniken zum Konfliktlösetraining vorgestellt, die an praktischen Beispielen trainiert werden. Zugleich kommt es vor, dass sich Patienten in besonders emotionalen interpersonellen Situationen nur noch schwer oder gar nicht in die Perspektive des Gegenübers hineinversetzen können – ein Umstand, der die Probleme meist zusätzlich verstärkt. Hier dient ein Empathietraining dazu, Patienten ein besseres Verständnis zwischenmenschlicher Situationen zu ermöglichen, um aus ihnen Lösungsansätze für ihre individuellen Probleme zu generieren.

(4) Rollenspiele. Alle zuvor beschriebenen Elemente werden in Rollenspielen zusammengeführt. Rollenspiele bilden einen zentralen Bestandteil der Therapie. Hierdurch werden Veränderungen des eigenen Verhaltens erlebbar gemacht und neue Strategien im Umgang mit zwischenmenschlichen Problemen entwickelt.

Diese Bestandteile stellen die Voraussetzung dafür dar, in schwierigen Situationen eigene Ziele und Bedürfnisse zu erreichen. Fertigkeiten in der Psychotherapie sind dabei als transdiagnostische Interventionen zu verstehen, die wiederum bedeutsam für das Therapieergebnis sind.

Zusammenfassung

Zwischenmenschliche Beziehungen sind für die psychische Gesundheit von elementarer Bedeutung. Eine ganze Strömung in der Psychologie hat sich auf Basis dieser Erkenntnis entwickelt. Vertreter der Interpersonalen Theorie betrachten eine gestörte Person-Umwelt-Interaktion als Ursache für die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Erkrankungen. Mittlerweile konnte die Relevanz interpersoneller Probleme in diversen empirischen Untersuchungen für verschiedene psychische Erkrankungen nachgewiesen werden. Damit sind interpersonelle Probleme für den psychotherapeutischen Prozess von großer Relevanz. Ein möglicher Ansatz für die Behandlung zwischenmenschlicher Probleme stellt dabei die im Konzept praktizierte Verknüpfung früher biographischer Beziehungserfahrungen mit heutigen  Fertigkeiten Defiziten dar. Nach der Erarbeitung von Prägungen und Übertragungshypothesen, dem Transfer der Beziehungserwartungen des Patienten auf die Therapie, können spezifische Problemlösestrategien genutzt werden, um Probleme in sozialen Beziehungen zu bearbeiten, und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Patienten zu verbessern.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.
Herzliche Grüße,
Ralf Baumhöfer

Corona und seine zu vermutenden Überbleibsel

Corona und seine zu vermutenden Überbleibsel

Was bleibt nach Corona?

Eigentlich alles ganz chillig im Lockdown… So äußerte sich eine Klientin auf meine Nachfrage hin, wie es ihr geht.

Das sieht wohl nicht jeder so, ich befürchte unsere Psyche auch nicht, denn zwischenmenschliche Beziehungen werden als eine der wichtigsten Komponenten von psychischer Gesundheit und Zufriedenheit angesehen, und die Fähigkeit, diese aufrechtzuerhalten als eine zentrale Kompetenz im Rahmen psychischer Gesundheit. Zwischenmenschliche Beziehungen sind für das allgemeine Wohlbefinden auf den verschiedensten interpersonellen Ebenen wie Familie, Beruf oder Schule von zentraler Bedeutung, diese „Spielfelder“ des Alltags sind nun schon über einen längeren Zeitraum stark eingeschränkt, oder nicht mehr vorhanden.

Der Gegenspieler von zwischenmenschlichem Zugehörigkeitsgefühl, das subjektive Gefühl der Einsamkeit wirkt sich hingegen bei lang andauerndem, chronischem Auftreten negativ auf die psychische als auch physische Gesundheit aus. Definiert als die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen und den gewünschten sozialen Beziehungen einer Person kann akute Einsamkeit evolutionär betrachtet jedoch auch als ein überlebenswichtiges Gefühl bzw. biologisches Mangelsignal betrachtet werden, welches uns Menschen auffordert, uns mehr und aktiv um soziale Kontakte zu bemühen. Allerdings sollten wir dann über entsprechende interpersonelle Fertigkeiten und Möglichkeiten verfügen, um unser soziales Netz aktiv zu vergrößern bzw. intensivieren zu können. Soziale Beziehungen und soziale Verhaltensweisen spielen folgerichtig im Alltag eine große Rolle. Interpersonelle Probleme und Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin zur chronischen Einsamkeit sind aber nun in der Pandemie ein zentrales Problem verschiedener psychischer Erkrankungen. Dieses betrifft nicht nur Menschen, die belastet sind. Der Antrieb ist bei gesunden Menschen vorhanden, kann aber gegenwertig nicht in einem notwendigen Maße gelebt werden und dass kann wie beschrieben Spätfolgen nach sich ziehen. Wir können alle nicht in die Zukunft sehen, die Auswirkungen werden erst in einigen Jahren sichtbar sein, es ist zu befürchten das etwas übrig bleibt.

Fakt ist, Corona ist gefährlich, die Zahlen belegen das. Bleiben Sie gesund.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer

 

Was sind Emotionen und warum sind sie so wichtig für uns?

Was sind Emotionen und warum sind sie so wichtig für uns?

Emotionen sind Gefühlsreaktionen, somit sind grundlegender Teil des menschlichen Erlebens. Doch was sind Emotionen
überhaupt? Haben diese einen Nutzen? Sind negative bzw. unangenehme Emotionen wie Traurigkeit oder Angst schädlich?
Welche Emotionen gibt es?
Prinzipiell lassen sich zunächst einmal positive und negative Emotionen unterscheiden. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass positive Emotionen besser oder nützlicher wären als negative. Sowohl Emotionen mit positivem Charakter (z. B. Freude) als auch solche mit negativem Charakter (z. B. Traurigkeit) haben ihre Berechtigung und sind Teil des normalen emotionalen Erlebens. Man kann daher auch von angenehmen und unangenehmen Emotionen sprechen.
Beispiele für positive bzw. angenehme Emotionen: Freude, Zufriedenheit, Glück, Liebe, Stolz…
Beispiele für negative bzw. unangenehme Emotionen: Angst, Ärger, Wut, Einsamkeit, Scham, Schuld, Trauer/Traurigkeit..


Wie fühlen sich Emotionen an?
Wird eine bestimmte Emotion ausgelöst, dann fühlt man diese in der Regel körperlich in verschiedenen Körperregionen.
Die körperlich wahrnehmbaren Empfindungen hängen dabei von der Art der Emotion sowie von ihrer Stärke ab und sind auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Viele Menschen beschreiben beispielsweise ein »Kribbeln im Bauch«, wenn sie verliebt sind. Die Emotion Ärger wird hingegen oft als ein Druckgefühl in der Magengegend beschrieben. Dabei können auch mehrere verschiedene Körperempfindungen gleichzeitig oder nacheinander auftreten und sich im Körper ausbreiten (z. B. ein Druckgefühl in der Magengegend, das sich in den Brustbereich ausbreitet).


Beispiele für Körperempfindungen im Zusammenhang mit Emotionen:
Kribbeln
Druckgefühl
Kälte
Wärme
Verkrampfung
Zittern
Herzrasen
Schwitzen
Unruhe

Wodurch werden Emotionen ausgelöst?
Emotionen entstehen nicht ohne einen Anlass bzw. einen Auslöser. Dieser Auslöser kann eine bestimmte Situation
sein (äußerer Auslöser) oder ein Gedanke, eine Erinnerung, ein inneres Bild oder auch eine andere Emotion (innere Auslöser).

Haben Emotionen einen Sinn?
Die Funktion von Emotionen besteht darin, dass sie uns eine schnelle Einschätzung der gegenwärtigen Situation ermöglichen und uns wichtige Informationen über unsere aktuellen Bedürfnisse geben. Sie funktionieren in gewisser Weise wie die Warnlämpchen im Auto, die uns durch ihr Aufleuchten darüber informieren, dass beispielsweise ein Scheinwerfer kaputt oder der Tank leer ist. So zeigt Angst an, dass die aktuelle Situation eventuell gefährlich ist und unser Bedürfnis nach Sicherheit in dieser Situation nicht ausreichend befriedigt ist. Ärger weist darauf hin, dass uns möglicherweise ein Unrecht getan wurde und unser Bedürfnis nach respektvoller Behandlung und Wahrung unserer Interessen unbefriedigt ist. Ein Schuldgefühl zeigt an, dass wir eventuell selbst etwas falsch gemacht haben und signalisiert unser Bedürfnis nach Vergebung. Wir wollen dann also Wiedergutmachung leisten, um das friedliche Miteinander wiederherzustellen. Somit liefern uns Emotionen Informationen darüber, was wir in einer bestimmten Situation brauchen, was uns fehlt oder was uns stört.

Kann man sich auf seine Emotionen und die durch sie vermittelten Informationen verlassen?
Wenn wir durch unsere Emotionen Informationen erhalten, dann stellt sich natürlich die Frage, ob wir diesen Informationen
trauen können. In vielen Fällen liegen wir mit unseren Emotionen richtig, aber leider nicht immer. Manchmal
zeigt uns unsere Angst eine reale Gefahr an, manchmal ist die Angst aber auch übertrieben und die Situation ist
gar nicht so gefährlich, wie unsere Angst uns glauben macht. Es kann beispielsweise sein, dass ein kleiner freundlicher
Hund Angst in uns auslöst, obwohl er gar keine Gefahr darstellt. Oder wir haben auf einem Kirchturm Angst, obwohl
dieser seit 500 Jahren stabil steht. Oder aber wir haben ein Schuldgefühl, obwohl wir nichts falsch gemacht haben.

Warum ist das so? Das emotionale System ist eine sehr effektive Entwicklung der Natur. Es reagiert auf kleinste Hinweisreize und führt zu einer sehr schnellen Ersteinschätzung der Situation. Das hat dem Menschen in grauer Vorzeit oft das Leben gerettet: Wenn ein Mensch eine Schlange sah ober auch nur ihr Zischen hörte, stieg sofort Angst in ihm hoch und signalisierte: Gefahr! Die Angst brachte diesen Menschen dann dazu, sofort das Weite zu suchen und sich in
Sicherheit zu bringen (Fluchtreaktion). Emotionen bleiben im Gedächtnis. Das Angstsystem ist mit unserem Gedächtnis verknüpft. Haben wir in einer bestimmten
Situation einmal schlechte Erfahrungen gemacht, dann werden wir später in ähnlichen Situationen durch unsere emotionale Erinnerung umso schneller alarmiert. Nicht nur Angst, sondern auch andere Emotionen können auf diese Weise durch Erfahrungen und Lernprozesse mit bestimmten Ereignissen beziehungsweise Auslösern verknüpft werden.
Diese erlernten Emotionen sind dann auch in späteren Lebensphasen schneller auslösbar. Wer in seiner Kindheit oft verlassen oder vernachlässigt wurde, erlebte immer wieder Emotionen wie Traurigkeit und Einsamkeit. Als Erwachsener wird er diese Emotionen in bestimmten Situationen schneller empfinden als andere Menschen. Auf diese Weise können beispielsweise unnötige Verlustängste in der Partnerschaft entstehen.

Was sagen meine Emotionen über mich aus?
Emotionen liefern uns nicht nur Informationen über unsere Bedürfnisse, sie vermitteln diese Bedürfnisse auch an unsere Mitmenschen. Dies geschieht über unseren emotionalen Gefühlsausdruck mittels Gestik, Mimik und Stimmlage.
Wenn ein Mensch einen traurigen Gesichtsausdruck zeigt oder sogar weint, dann vermittelt dieser emotionale Ausdruck dem Gegenüber, dass diesem Menschen etwas fehlt und dass er ein Bedürfnis nach Trost und Fürsorge hat.
Viele Menschen haben aber die Überzeugung, dass es besser sei, die eigenen Gefühle vor anderen zu verbergen. Dies führt jedoch dazu, dass es den Mitmenschen viel schwerer fällt, die Bedürfnisse der betreffenden Person zu verstehen und auf diese einzugehen.
Das emotionale System reagiert sehr schnell und kann uns vor Gefahren schützen. Andererseits löst ein System, das so schnell reagiert natürlich auch öfter einmal einen Fehlalarm aus.
Emotionen liefern oft eine hilfreiche Einschätzung der aktuellen Situation, sie können aber auch das  Ergebnis vergangener Lernerfahrungen sein.
Emotionen bzw. unser emotionales Ausdrucksverhalten vermitteln den anderen Menschen, wie wir uns fühlen und welches Bedürfnis wir gerade haben.

Für mögliche Fragen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer (Heilpraktiker für Psychotherapie)