Archives März 2019

Stress

Stress

Psychotherapie bei Stress in Salzkotten, Kreis Paderborn

Wozu dienen Stressreaktionen?

Die Amygdala, ein Hirnorgan, kann die Ausschüttung von Stresshormonen, wie z.B. Cortisol, bewirken. Diese Stresshormone verursachen dann körperliche Veränderungen, die uns bei der besseren Bewältigung der Situation helfen. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis diese Hormone wieder abgebaut sind. Das heißt, wir können eine Stressreaktion nicht einfach mit unserem Willen abschalten.
Weitere körperliche Veränderungen können dadurch ausgelöst werden, dass die Amygdala das sympathische Nervensystem aktiviert. Dies führt beispielsweise zu erhöhter Herzfrequenz, erhöhter Muskelanspannung, schnellerer und flacherer Atmung und außerdem zu mentaler Aktivierung.
Wichtig sind außerdem Verbindungen innerhalb des Gehirns, die dort zu einer erhöhten Aktivierung führen.

Die von der Amygdala eingeleiteten körperlichen und psychischen Veränderungen dienen dazu, den Körper auf die Abwehr möglicher Gefahren optimal vorzubereiten:

-Die Ausrichtung der Wahrnehmung und des Denkens auf mögliche Gefahren sorgt dafür, dass man diese möglichst frühzeitig erkennt.
-Die erhöhte Muskelanspannung bereitet den Körper auf Flucht oder Kampf vor.
-Die erhöhte Herzfrequenz sorgt für eine bessere Durchblutung der Muskeln.
-Und eine beschleunigte Atmung sorgt für mehr Sauerstoff in den Muskeln, so dass diese leistungsfähiger werden.

Diese Vorbereitungen auf bestimmte Handlungen waren für unsere Vorfahren ein wichtiger Vorteil im Kampf ums Überleben. Unser Körper ist so konstruiert, dass er in gesundem Zustand bei kurzfristigen Stressreaktionen und negativen Gefühlszuständen keinen Schaden nimmt. Auch heute noch sind nämlich Stressreaktionen kurzfristig hilfreich, um erhöhte Anforderungen besser bewältigen zu können. Negative Gefühle können einem zeigen, dass die eigenen Wünsche und Ziele nicht im Einklang stehen mit den aktuellen Erfahrungen. Sie können uns aktivieren und motivieren, etwas dagegen zu tun, und uns so dabei helfen, diesen Einklang wieder herzustellen.
Somit hat jede Stressreaktion und jedes negative Gefühl auch seine positiven Seiten!
Schneller, flacher Atem, verstärkte Durchblutung in großen Muskeln, erweiterte Pupillen, verringerte Durchblutung der Peripherie, geistige Aktivierung, verstärkte Schweißbildung Adrenalinausschüttung, Blutdruck und Herzschlag, Ausschüttung von Zucker ins Blut, erhöhte Muskelanspannung, Stressreaktionen als Handlungsvorbereitung.

Wie entstehen „negative“ Gefühle und wofür sind sie gut?
Während die Amygdala den Körper mit der Stressreaktion schon einmal für eine schnelle Reaktion auf die potenzielle Bedrohung vorbereitet, wird die Situation in höheren kognitiven Arealen genauer analysiert. Je nachdem, wie dort die Situation eingeschätzt wird, wird dann die emotionale Vorbereitungsreaktion weiter spezifiziert.
Wenn man die Situation so einschätzt, dass man schwächer ist als der Angreifer, wird die erste unspezifische Stressreaktion in eine Angstreaktion umgewandelt, die einen dann möglichst gut auf die Fluchtreaktion vorbereitet. Wenn man dagegen die Situation so bewertet, dass man stärker ist als der Angreifer, wird die Stressreaktion zu einer Ärgerreaktion. Der Ärger leitet dann die körperlichen und geistigen Prozesse ein, die man braucht, um sich aktiv gegen den Angriff zu wehren. Angst, Ärger…
Gefühle lassen sich also als spezifische Reaktionen auf die aktuelle Situation verstehen, die uns das richtige Verhalten erleichtern sollen. Sie resultieren v.a. aus Bewertungen unserer Wahrnehmung in Bezug auf unsere Ziele und Bedürfnisse. Diese Bewertungen werden auch von unseren aktuellen Stimmungen und von unserem aktuellen körperlichen Befinden ausgelöst.

Dabei ist unser emotionales Erleben ständig in Bewegung. Wenn ein bestimmtes Gefühl einmal im Gehirn ausgelöst ist, wird das Teil der aktuell wahrgenommenen Situation und ebenfalls in die Bewertung mit einbezogen. Je nachdem wie ich bestimmte Gefühle bewerte, kann dann das erste („primäre“) Gefühl ein anderes („sekundäres“) Gefühl auslösen. So kann z.B. Angst vor der Angst in Panik resultieren, Ärger auf den eigenen Ärger kann zu noch mehr Ärger führen, Scham über depressive Stimmungen kann die depressive Stimmung verstärken. In manchen Situationen können ganze Ketten von sekundären Emotionen entstehen

Beispiel: Jemand beleidigt mich, es kommen Wut, Scham und vielleicht auch Traurigkeit auf. Oft sind es v.a. die sekundären Gefühle, die Probleme bereiten und zu einer Intensivierung potenziell schädlicher Gefühle führen. Deswegen ist es für unser Wohlbefinden besonders wichtig zu wissen, wie wir mit einem Gefühl so umgehen können, das dieses nicht in schädliche, sekundäre Gefühle münden.

Wann ist Stress schädlich? Wann sind negative Gefühle schädlich?
Die grundlegenden Reaktionsmuster von Stress und negativen Gefühlen haben sich im Laufe der Evolution entwickelt, weil sie Handlungen vorbereitet haben, die unseren Vorfahren halfen, das Überleben und die Fortpflanzung zu sichern.
Unser persönliches emotionales Reaktionssystem entstand auf der Grundlage der Lernerfahrungen, die wir bislang in unserem Leben (speziell auch in der Kindheit) gemacht haben.
Unsere emotionalen Reaktionen sind somit noch mit das Produkt unseres stammes und lerngeschichtlichen Erbes.
Oft ist dies ein wertvolles Erbe, das uns helfen kann, unsere Ziele gut zu erreichen und unsere Grundbedürfnisse angemessen zu befriedigen.
Manchmal reagieren wir aber so, wie es in der Steinzeit oder in unserer Kindheit noch hilfreich gewesen wäre, was jedoch in der aktuellen Situation eher schädlich ist.
In unserem Gehirn werden dann „alte Bewertungsmuster“ aktiviert, die uns in der aktuellen Situation keine korrekte Bewertung der Situation vermitteln, und die uns unter Umständen nicht helfen, mit der Situation konstruktiv umzugehen. Deswegen ist es so wichtig, nicht im „Autopilot“ auf die aktuellen Bewertungen und Gefühle zu reagieren, sondern die Angemessenheit der eigenen Reaktionen kritisch zu hinterfragen.
Ganz besonders wichtig ist ein aufmerksamer Umgang mit den eigenen Gefühlen dann, wenn wir längere Zeit unter Stress und negativen Gefühlen leiden, denn:
Anhaltender unkontrollierbarer Stress und chronifizierte negative Gefühle stellen ein bedeutsames Risiko für die körperliche und psychische Gesundheit dar!

Mittlerweile zeigen viele wissenschaftliche Studien, dass anhaltender unkontrollierbarer Stress die Entwicklung somatischer Beschwerden wie Herzinfarkt, Gastritis, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Adipositas, usw. begünstigt.

Gerne berate ich Sie dazu in einem Erstgespräch.

 

 

Mobbing

Mobbing

Mobbing Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz in Salzkotten, Kreis Paderborn.

Mobbing ist eine Gewaltform, die Schulen Probleme bereitet. Oft wird Mobbing nicht erkannt, oft gelingt es nicht, adäquat zu reagieren. Aus Unsicherheit werden Mobbingprozesse dann von vielen Lehrern ignoriert. Dieses Verhalten scheint die Regel zu sein. Es ist belegt das über 80% der Kinder und Jugendlichen, die ihre Klasse wegen Mobbings verlassen, kein persönliches Gespräch über ihre Situation mit einem Lehrer hatte   (Quelle: Prof. em. Françoise Alsaker)  

Dabei ist Nichtstun das Schlimmste, was ein Lehrer sich selbst, dem Opfer, den Tätern und den Unbeteiligten zufügen kann. Der Lehrer verliert die Achtung und Akzeptanz eines Großteils seiner Klasse. Vielleicht leidet der Kollege auch darunter, dass er hilflos zusieht, wie sich vor seinen Augen Gewalt abspielt, wie es ihm nicht gelingt, das Grundrecht jedes Schülers durchzusetzen, nämlich unbeschadet zu lernen. Das Opfer erfährt, dass seine Leiden unwichtig sind, dass es nicht auf Hilfe hoffen darf und dass es sich damit abfinden muss, weiter gequält zu werden. Und die Täter, also die Jugendlichen, die ungehindert einen Klassenkameraden mobben, lernen täglich neu, dass Regelbrüche in der Schule normal sind, dass ihre Übergriffe folgenlos hingenommen werden. Die Klasse gewöhnt sich an den alltäglichen Regelverfall, an die Hilflosigkeit und an die Angst.

Im Umgang mit Mobbing stehen Lehrer vor vielen Problemen: Oft wird Mobbing nicht erkannt, oft wird es verharmlost, oft nicht konsequent geahndet.

Oft gehen Unbeteiligte davon aus, dass Mobbing-Opfer durch ihre Schwäche oder durch eklatantes Fehlverhalten das gegen sie gerichtete Mobbing provoziert hätten. Diese Annahme ist falsch. Mobbing-Opfer kann jeder werden. Besonders oft trifft es sanfte und sensible Kinder. Schwer haben es in der Regel auch Jugendliche die auf Grund ihrer besonderen Leistungsfähigkeit eine Klasse überspringen.

In unserer Gesellschaft finden wir sich ändernde Kindheitsmuster. Die Sozialisation durch die Nachbarschaftsgruppe Gleichaltriger, durch die Kinder automatisch konstruktive Konfliktmuster ausprobieren, wird seltener. Kinder erleben ihre Kindheit zunehmend zu Hause. Die alltägliche Erfahrung, dass man die anderen für gelungene Spiele braucht und sich deshalb mit ihnen einigen muss, fehlt vielen modernen Kindern. Diese Individualisierung, die von Sozialwissenschaftlern als die prägende gegenwärtige Entwicklung herausgestellt wird, führt zu einem Wertewandel und Werteverlust. Das wiederum führt zu Handlungsunsicherheiten. Und fehlende Sicherheit wird oft durch Aggression kompensiert. Medienwelt Auch der Einfluss der Medien spielt eine wichtige Rolle. Es geht hier nicht darum, die Gewalt in Videospielen für alles verantwortlich zu machen. Nach meinen Erfahrungen und Deutungen spielt die mediale Inszenierung von Sadismus als Vergnügen wie z.B. in Castingshows eine wichtige Rolle dabei, dass die Hemmschwelle gegenüber Mobbing sinkt. Die nachmittäglichen Talkshows, oder auch die Onlinesucht zeigen den Kindern Tag für Tag auf, dass es unterhaltsam und sozial verträglich ist, Schwächen anderer genussvoll auszubreiten und anzugreifen.

In der Familie finden wir zunehmend ein verändertes Erziehungsverständnis. In Sprechstunden hören Lehrer immer häufiger merkwürdige Sätze wie „Machen Sie das mal, ich weiß nicht mehr, wie ich mit meinem Sohn klarkommen soll. Sie haben das gelernt“ oder „Ich bin die beste Freundin meiner Tochter“. Bei vielen Mobbingtätern wechselt das Elternverhalten zwischen extremer Verwöhnung, Verschmelzung mit dem eigenen Kind und dessen Vernachlässigung. Das zeigt sich unter anderem darin, dass diese Eltern ihren Kindern grundsätzlich glauben, wenn es um Schulkonflikte geht. Sie wollen oder können sich nicht vorstellen, dass ihr Kind interessengeleitet berichtet und argumentiert. Gesellschaftliche Entwicklungen und elterliche Erziehung sind weitgehend dem Einfluss der Schule entzogen. Deshalb konzentriert sich die Darstellung der Ursachen von Mobbing auf die Ursachen, die im Fehlverhalten der Schule liegen. Ursachen, die sich im Umfeld „Schule“ finden Zunächst sollte die Annahme aufgegeben werden, dass es an Ihrer Schule kein Mobbing gibt. Mittelt man die weit auseinanderliegenden empirischen Befunde über die Häufigkeit schulischen Mobbings, so kann man davon ausgehen, dass jeder siebte bis zehnte Schüler im Laufe seiner Schulzeit Opfer von Mobbing wird. Allerdings ist diese Zahl nicht naturgegeben, sondern in erster Linie abhängig von den schulischen Konzepten selbst.

Lehrerverhalten: Lehrer, die sarkastisch und zynisch mit ihren Schülern umgehen, bieten Mobbern entsprechende Vorbilder. Die Methoden des Mobbings werden vorgelebt. Und das wiegt schwerer als jedes Lippenbekenntnis zum harmonischen Miteinander.

Lehrer, die sich ausschließlich um die fachliche Vermittlung von Inhalten kümmern, signalisieren ihren Klassen, dass das Miteinander nicht von schulischem Interesse ist. Die Gleichgültigkeit gegenüber Schülern scheint weiter verbreitet, als man annimmt. Dies lässt sich auch durch empirische Befunde belegen: 80% der Schüler, die wegen Mobbing die Klasse verlassen haben, geben an, in diesem Zusammenhang kein persönliches Wort mit einem Lehrer gesprochen zu haben. Lehrer, die Sanktionen androhen, aber sie nie vollziehen, vermitteln, dass Mobbing nichts Gravierendes ist, dass man ohne Risiko mobben kann und darf. Sie demonstrieren zugleich die Hilflosigkeit der Schule und erziehen Mobber dazu, Lippenbekenntnisse abzugeben, in denen Besserung versprochen wird. Eine dauerhaft vorgelebte Inkonsequenz entmutigt auch die Schüler, die den Lehrer als Bündnispartner gegen Mobbing gewinnen wollen. Die Opfer lernen, dass ihre Leiden nicht ernst genommen werden. Das inkonsequente Handeln kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden:

  1. Angst, einen Fehler zu begehen, weil man unsicher ist, wie man mit Mobbing umgehen soll.
  2. Ein Zurückschrecken vor den Schwierigkeiten, lange Zurückliegendes aufzudecken.
  3. Furcht vor den Konflikten, die bei der Aufarbeitung von Mobbing entstehen können.

Lehrer, die Angst vor ihren Klassen haben, suchen diese nicht selten durch Anbiederung zu überwinden. Anbiedern im Zusammenhang mit Mobbing heißt, gemeinsam mit den aggressiven Wortführern den erkennbar Schwachen bloßzustellen und anzugreifen. In diesem Fall geht es den gemobbten Schülern besonders schlecht. Ihre Beschwerden werden nicht nur ignoriert, sondern bilden den Anlass für neue Übergriffe. Allerdings wäre es ein Fehler, Lehrer grundsätzlich für Mobbingprozesse verantwortlich zu machen, denn es gibt sehr gut geführte Klassen, in denen engagierte Lehrer unterrichten, in denen es aber trotzdem zu Mobbing kommt. Schulprofil Wenn einer Schule ein ethisches Grundverständnis fehlt, wirkt sich das auf die Gesamtheit der Erziehungsprozesse aus. Wegschauen und Gleichgültigkeit werden dann hingenommen. Die Außenwirkung, die man durch Leugnen von Konflikten erreichen will, wird als wichtiger empfunden als glaubwürdiges pädagogisches Handeln.

Mobbing wahrnehmen

  • Es gibt einige Indikatoren für Mobbing in der Klasse: Das Opfer ist in der Regel in der Klasse sozial isoliert. Er muss dauerhafte Übergriffe aushalten, die ihm die Missachtung seiner Person vor Augen führen. Diese Schüler werden wiederholt auf hässliche Weise gehänselt, beschimpft, verhöhnt. Sie sind oft allein und ausgeschlossen aus der Gruppe. Dies führt dazu, dass das Selbstwertgefühl des Opfers durch das Mobbing nachhaltig beschädigt wird, was wiederum entsprechende Reaktionen nach sich zieht: Viele Opfer ziehen sich zurück, reagieren gereizt auf Mitschüler, verändern sich sprunghaft, oft so, dass sie ähnlich aggressive Muster wie ihre Peiniger zeigen, ihre Leistungen lassen nach, sie zeigen sich oft ängstlich und verschlossen.
  • Die Gruppe entwickelt aggressive Verhaltensweisen. Ein gemobbter Schüler wird oft bei Gruppenarbeiten ausgeschlossen und auf dem Schulhof isoliert. Die Gruppe reagiert auf Fehlleistungen mit offenem Spott, neigt zu Beschimpfungen. Übergriffe zeigen sich beim Sport oder auf Wandertagen, wenn man sich nicht kontrolliert fühlt. Häufig reagiert die Gruppe auf Interventionen so, als habe sie ein Recht, zu mobben. Übergriffe werden heruntergespielt. In vielen Mobbingklassen sinkt die Leistungsbereitschaft.

Ich berate Sie gerne in einem Erstgespräch zu diesem Thema. Es ist wichtig frühzeitig zu erkennen das Ihr Kind, bzw. Ihre Schüler betroffen sind.

Herzliche Grüße, Ralf Baumhöfer Heilpraktiker (Psychotherapie)